Krankenversicherung für Selbstständige

Kosten für gesetzliche und private Krankenkassen

Für Selbständige stellt sich gleich mit Beginn der Geschäftstätigkeit die Frage nach der Krankenversicherung. Dass der Versicherungsschutz während der Selbstständigkeit eine existenzielle Bedeutung hat, ist unbestritten. Doch welches System bietet die bessere Absicherung und Leistungen? In diesem Beitrag finden Sie einen Überblick über die Wahlmöglichkeiten.

  • Selbstständige müssen sich bei Aufnahme des Gewerbebetriebs für eine Krankenversicherung entscheiden.
  • Wer erstmalig eine selbstständige Tätigkeit aufnimmt, kann sich zwischen gesetzlichen und privaten Krankenversicherungsanbietern frei entscheiden.
  • Die Einkommensgrenze zum PKV-Wechsel gilt für Selbständige und Existenzgründer nicht.
  • Zwischen gesetzlichen und privaten Anbietern gibt es grundsätzliche Unterschiede bei der Berechnung des Beitrags und den versicherten Leistungen.

Aktuell: Freiwillig Versicherte in der GKV zahlen 2019 deutlich mehr

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat die neuen Rechengrößen 2019 vorgelegt. Demnach müssen freiwillig Versicherte in der GKV ab 01.01. mit deutlich höheren Beiträgen rechnen. Selbstständige mit Einkünften oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze zahlen künftig monatlich 707,85 EUR für die Kranken- und 138,40 EUR für die Pflegeversicherung. Der Höchstbeitrag steigt also im kommenden Jahr um 5,4 Prozent auf 846,25 EUR. Kinderlose zahlen sogar 857,59 EUR

Erstinformation - Erstinformationen für Versicherungsmakler gemäß § 11 VersVermV lesen und herunterladen.

Neuer Mindestbeitrag für Selbständige

Ab 2019 werden Selbständige mit geringen Einkünften bei den Beiträge für die gesetzliche Krankenkassen entlastet. Bei einem Verdienst bis 1.142 EUR pro Monat beträgt der Beitrag nur noch 171 EUR pro Monat. Bisher lag der Mindestbeitrag für Selbständige bei fast dem Doppelten.

Übrigens: Wenn sich das Einkommen verringert, müssen GKV-Mitglieder weniger an die Krankenkasse abführen. Bisher konnte man maximal bis drei Monate rückwirkend den Beitrag absenken. Künftig ist dies für bis zu zwölf Monate möglich.  

Gesetzlich oder privat - Welche Versicherung ist die passende?

Vor der Entscheidung für oder gegen eine private oder gesetzliche Absicherung sollte man die Vorteile und Nachteile beider Systeme - bezogen auf die eigene gesundheitliche, finanzielle und familiäre Situation - genau abwägen.

Die Frage nach der richtigen Krankenversicherung lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt vielmehr von zahlreichen persönlichen Fragestellungen ab. Was für den einen die bessere Wahl ist, muss für den anderen noch lange nicht sinnvoll sein. Am besten lassen sich diese Fragen im persönlichen Gespräch mit einem Fachberater klären, der sich sowohl bei gesetzlichen als auch mit privaten Kassen auskennt.

Preis ist wichtigstes Entscheidungskriterium

Fragt man Selbstständige, nach welchen Kriterien die Wahl der Krankenversicherung ausgerichtet wird, so bekommt man in der Regel den Preis als erste Antwort. Erst an zweiter und dritter Stelle rangieren die Leistungen der Versicherung und der Service.

Für einen gesunden Menschen in jungen Jahren mag diese Betrachtungsweise nachvollziehbar sein. Begibt man sich jedoch in ärztliche Behandlung oder steht eine stationäre Behandlung an, werden die Unterschiede bei den Leistungen und den (zusätzlichen) Kosten zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung deutlich.

Auch die Möglichkeit der Mitversicherung der Familie kann bei der Wahl der Krankenversicherung ein entscheidendes Kriterium sein. Und auch ein mögliches Scheitern der Selbstständigkeit sollte in die Überlegung mit einbezogen werden.

Einmal privat, immer privat?

Nicht zuletzt sollte man bedenken: Hat man erst einmal eine Wahl getroffen, ist ein Wechsel nicht immer so einfach oder auch gar nicht mehr möglich und auf jeden Fall mit Zeitaufwand und Kosten verbunden. Ausführliche Informationen zu einem Wechsel der Krankenversicherung finden Sie hier, Infos zur Rückkehr in die GKV finden sie hier

Egal für was sie sich entscheiden: Beiträge für eine gesetzliche oder private Krankenversicherung zählen zu den Sonderausgaben, die Sie in der Steuererklärung angeben können.

Private Krankenversicherung Selbständige

Selbständige können jederzeit einen Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) vollziehen. Dabei werden die Versicherungszeiten in den gesetzlichen Krankenkassen auf die Wartezeiten in der PKV angerechnet.

Kosten der privaten Krankenversicherung für Selbstständige

In der privaten Krankenversicherung wird der Beitrag nicht anhand des monatlichen Einkommens berechnet. Wie hoch bei einer privaten Kasse der Beitrag ist, ist abhängig vom Alter und Gesundheitszustand des Versicherten sowie vom zu versicherten Leistungsumfang. Ein hohes Einkommen spielt bei der Höhe des Beitrags keine Rolle.

Dies bietet den Vorteil, dass durch Anpassung der Leistungen die Höhe des Beitrags angepasst werden kann.

Auch bei einem Vergleich der verschiedenen Anbieter untereinander lässt sich bares Geld sparen. Viele private Krankenversicherer bieten spezielle Tarife für Selbstständige an, mit denen man sich preisgünstig versichern kann. In späteren Jahren kann der Versicherungsschutz in der PKV mit besseren Leistungen aufgestockt werden oder es bietet sich die Möglichkeit, den Tarif zu wechseln.

Eine beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartner und Kindern ist nicht möglich.

Verschiedene Tarife für verschiedene Ansprüche

Die privaten Anbieter halten ein breites Tarifspektrum bereit:

  • Kostengünstige Einsteigertarife
  • Tarife mit optimalem Preis-/Leistungsverhältnis
  • Komforttarife mit "Luxusleistungen"

So kann jeder Versicherte zu Versicherungsbeginn in der PKV selbst entscheiden, ob der Fokus auf eine günstige Prämie oder einen höheren Leistungsumfang gelegt werden soll.

Meist bieten die besonders günstigen Grundschutztarife ein Optionsrecht, mit der Vertrag ohne erneute Gesundheitsprüfung aufgestockt werden kann. Die Festlegung einer Selbstbeteiligung trägt dazu bei, die monatlichen finanziellen Belastungen durch die Krankenkassenbeiträge gering zu halten. Hierfür bieten einige Gesellschaften spezielle "Unternehmer-Tarife" mit Eigenbeteiligungen von bis zu 5.000 Euro pro Jahr. Wer sich für ein solches Angebot entscheidet, sollte den Selbstbehalt stets auf dem Girokonto bereit halten.

Was sie bei der Tarifwahl beachten sollten:

  • Leistungen: Versichern Sie mindestens ambulante, stationäre und Zahnleistungen. 
  • Selbstbeteiligung: Durch die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung kann die monatliche Prämie (deutlich) reduziert werden. Ein Tarif mit einer hohen Selbstbeteiligung führt dabei zu einem günstigen Beitrag 
  • Zusatzleistungen: Luxusleistungen kosten Geld. Überprüfen Sie, ob es einen günstigen Einsteigertarif gibt, der ohne Gesundheitsprüfung später aufgestockt werden kann.
  • Krankentagegeld: Wichtig ist ein ausreichender Schutz gegen Einkommensausfall - das Krankentagegeld. -
  • Tests mit PKV Vergleich: Bei der Entscheidung für eine Krankenversicherung bieten auch die Tests von bspw. Stiftung Warentest oder Focus Money eine gute Grundlage, um einen passenden Tarif mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden.

In unserem Artikel zur privaten Krankenversicherung (PKV) finden Sie weitere, ausführliche Informationen, was es bei der Wahl eines privaten Krankenversicherers und eines Versicherungstarifs zu beachten gilt. Außerdem finden Sie hier einen Überblick über die verschiedenen Vor- und Nachteile, Kosten und Leistungen sowie die Möglichkeit einen Online-Vergleich der verschiedenen Anbieter durchzuführen, um den besten Tarif für die eigenen Ansprüche zu finden.

Günstige PKV-Tarife für Selbstständige im Jahr 2018

Anbieter Tarif Selbstbeteiligung in EUR Beitrag in EUR
Berechnungsbeispiel für:
Prämien für 30-jährige Selbständige (Unisex-Tarif) mit Mehrbettzimmer und 70 EUR Krankentagegeld ab dem 43. Tag
Quelle: SoftFair, Stand: 01.10.2018
HanseMerkur KVS3, T43, PVN 1.000 248,73
Signal Iduna START, ESP-VS 43, PVN 480 282,81
Hallesche Primo.SB2 Z, URZ., KT.43, PVN 600 292,93
Württembergische ESU 900, KTU 43, PVN 900 298,30
Continentale COMFORT-U, V43-U, PVN fallbezogen 311,06

Gesetzliche Krankenversicherung Selbstständige

Selbständige können freiwillige Mitglieder in einer gesetzlichen Krankenkasse werden. Dazu müssen jedoch folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Sie müssen in den letzten fünf Jahren mindestens 24 Monate oder
  • unmittelbar vor dem Ausscheiden ununterbrochen mindestens 12 Monate

gesetzlich versichert gewesen sein. Dabei werden die Zeiten der beitragsfreien Versicherung im Rahmen der Familienversicherung angerechnet. Bis zu drei Monate nach Ausscheiden aus der Versicherungspflicht kann bei den Krankenkassen die freiwillige Mitgliedschaft beantragt werden. Danach bleibt nur noch die Möglichkeit, in die private Krankenversicherung zu wechseln.

Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung

Der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung ist abhängig vom Einkommen des Versicherten. Der Beitragssatz in der gesetzlichen liegt derzeit bei 14,6 Prozent zuzüglich des kassenindividuellen Zusatzbeitrags, der 2018 im Durchschnitt bei einem Prozent liegt. Hier lohnt sich bei der Wahl der Krankenversicherung ein Vergleich.

Die Grenze für die Beitragshöhe bildet die aktuelle Beitragsbemessungsgrenze. Einkünfte, die darüber hinaus gehen, werden nicht mehr in die Beitragsbemessung mit einbezogen.

Selbständige müssen sämtliche monatlichen Einnahmen, die der Besteuerung unterliegen, der Krankenkasse mitteilen. Am einfachsten geht dies mit dem aktuellen Einkommensteuerbescheid. Anhand der dort ermittelten, beitragspflichtigen Einnahmen wird der Beitrag für die GKV berechnet.

Folgende Einnahmen werden berücksichtigt:

  • Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit: Gewinn abzüglich Betriebsausgaben wie Personalkosten, Abschreibungen und Aufwendungen für Betriebsräume
  • Einnahmen aus Kapitalvermögen
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

Beitragshöhe in der GKV

Bei hauptberuflich Selbständigen werden bei einer freiwilligen Versicherung in den gesetzlichen Kassen für 2018 mindestens 2.283,75 EUR als fiktives Einkommen herangezogen. Der Mindestbeitrag orientiert sich an der sogenannten Bezugsgröße. Ein Beitrag unterhalb des Mindestbeitrags ist nicht zulässig. Dies ergibt sich aus § 240 Abs. 4 Satz 2 SGB V. Der Maximalbeitrag wird höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze berechnet.

Ein Vorteil der gesetzlichen Krankenkassen ist, dass - unter bestimmten Voraussetzungen - die Mitversicherung von Ehepartnern und Kindern möglich ist.

Härtefallregelung für Selbstständige
Liegt ein sozialer Härtefall vor, kann auf Antrag ein geringeres Einkommen als Bewertungsgrundlage festgesetzt werden (2018: 1.522,50 EUR) und somit auch ein geringerer Beitrag gezahlt werden. Allerdings greift dies nur dann, wenn der Versicherte kein Vermögen aufweist und die Personen, die mit dem Versicherten in einer Bedarfsgemeinschaft leben, geringe Einkünfte erzielen und keine Vermögenswerte besitzen.

Sonderregelung für Selbstständige bzw. Existenzgründer mit Gründungszuschuss
Eine besondere Regelung greift für Selbständige, wenn sie einen Gründungszuschuss erhalten. Bei Nachweis geringerer Einkünfte werden lediglich 1.522,50 EUR (2018) als Mindesteinkommen für die Beitragsberechnung berücksichtigt.

Krankengeld für Selbstständige in der gesetzlichen Versicherung

Seit 2009 gibt es in der gesetzlichen Krankenversicherung grundsätzlich keinen Anspruch auf Krankengeld als Lohnersatzleistung. Selbständige können den Verdienstausfall folgender maßen absichern:

  • Abschluss eines GKV-Wahltarifs
  • Absicherung über eine Krankentagegeldversicherung über eine private Zusatzversicherung
  • Zahlung des allgemeinen Beitragssatzes in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Entscheidet man sich für Letzteres, hat man einen Anspruch auf die Zahlung des Krankengeldes ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit.
Achtung: Wer sich für den gesetzlichen Wahltarif entscheidet, ist drei Jahre an diesen Tarif gebunden (Bindungsfrist).

Kosten für Selbstständige in der GKV 2018

GKV
Mindestbeitrag 319,76 Euro*
Mindestbeitrag mit KG 333,43 Euro*
Mindestbeiteitrag bei Gründungszuschuss oder Bedürftigkeit 213,15 Euro*
Mindestbeiteitrag bei Gründungszuschuss oder Bedürftigkeit mit KG 222,86 Euro*
Maximalbeitrag ohne KG 619,50 Euro*
Maximalbeitrag mit KG 646,05 Euro*

*Hinzu kommen noch der von den Krankenkassen individuell erhobene Zusatzbeitrag (2018: durchschnittlich 1,0%) sowie der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung.
KG = Krankengeld

PKV Tarifrechner

Regelungen für selbständige Künstler und Publizisten

Für selbstständige Künstler und Publizisten (Musiker, Kunstschaffende, Schriftsteller, Journalisten etc.) gelten die Vorschriften aus dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KVSG). Demnach ist dieser Personenkreis in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung versicherungspflichtig. Hintergrund ist die besondere finanzielle Situation durch schwankende und unregelmäßige Einnahmen.

Die Prüfung der Versicherungspflicht erfolgt durch die Künstlersozialkasse (KSK) und die Deutsche Rentenversicherung Bund.

Befreiung von der Versicherungspflicht möglich
Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Befreiung von der Versicherungspflicht in der GKV möglich. Wer erstmalig eine künstlerische Tätigkeit aufnimmt und der Künstlersozialkasse den Nachweis einer privaten Krankenvollversicherung erbringt, kann sich auf Antrag befreien lassen. Der Antrag muss bis spätestens drei Monate nach Feststellung der GKV-Pflicht bei der KSK gestellt werden. Die Befreiung gilt rückwirkend ab Beginn.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Befreiung bis zu drei Jahren nach Aufnahme der Tätigkeit zu beenden. In diesem Fall beginnt nach Ablauf der Dreijahresfrist die Versicherungspflicht in der GKV.

Eine Befreiungsmöglichkeit besteht für Künstler und Publizisten, wenn das regelmäßige Arbeitseinkommen der letzten drei Jahre in Summe oberhalb der gültigen Entgeltgrenze gelegen hat. Hierfür ist bei der KSK ein Antrag zu stellen.

Gibt es einen PKV-Zuschuss für privat versicherte Künstler?
Wer sich als Künstler oder Publizist in der PKV versichert, erhält von der Künstlersozialkasse einen monatlichen Beitragszuschuss zu den monatlichen Beiträgen. Die tatsächliche Höhe des Zuschusses orientiert sich am Beitrag, der im Falle der Versicherungspflicht abhängig vom Einkommen für die GKV zu zahlen wäre. Maximal wird die Hälfte des tatsächlichen PKV-Beitrags erstattet.

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