Krankenversicherung für Selbstständige

Entscheidungskriterien und Checkliste

Für einen Unternehmensgründer stellt sich gleich mit Beginn der Geschäftstätigkeit die Frage nach der Krankenversicherung. Dass der Schutz eine existenzielle Bedeutung hat, ist unbestritten. Doch welches System bietet die bessere Absicherung? Selbstständige können kraft Gesetz die gesetzliche Krankenkasse (GKV) oder die private Versicherung (PKV) wählen. Für die richtige Entscheidung müssen zahlreiche Faktoren beachtet werden.

Fragt man Selbstständige, nach welchen Kriterien die Wahl der Krankenversicherung ausgerichtet wird, so fällt in der Regel der günstige Preis als erste Antwort. Erst an zweiter und dritter Stelle rangieren die Versicherungsleistungen und der Service / Abwicklung. Für einen gesunden Menschen mag diese Betrachtungsweise nachvollziehbar sein. Begibt man sich jedoch in ärztliche Behandlung, werden die Unterschiede bei den Leistungen zwischen gesetzlichen und privaten Kassen deutlich. 

GKV oder PKV - Welche Unterschiede gibt es?

Die Frage nach der richtigen Krankenversicherung lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt vielmehr von zahlreichen persönlichen Fragestellungen ab. Die wichtigsten Unterschiede der beiden Systeme GKV und PKV sind nachfolgend dargestellt:

Was unterscheidet die gesetzliche von der privaten Krankenversicherung?

Gesetzliche Kassen verwenden die Einnahmen direkt für die Leistungsausgaben der Versicherten. Finanzielle Rücklagen für höhere Kosten im Alter oder durch den medizinischen Fortschritt werden nicht gebildet. Der demographische Wandel wird aktuell nicht berücksichtigt. Der Beitrag richtet sich in der GKV nach dem Einkommen. Unter bestimmtem Voraussetzungen können der Ehepartner und Kinder beitragsfrei mitversichert werden.

Für Leistungen gilt in der GKV die Vorschrift des § 12 Absatz 1 Sozialgesetzbuch V (SGB V). Demnach bestimmt die Leistungen der Gesetzgeber. Sie müssen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein.

Die PKV bildet für jeden Versicherten eine Altersrückstellung. Über einen Sparanteil werden in jungen Jahren Rücklagen zur Finanzierung höherer Kosten im Alter gebildet. Der Beitrag berechnet sich nach dem Eintrittsalter, dem versicherten Tarif sowie dem Gesundheitszustand.

Für private Krankenversicherer greift § 1 Absatz 2 Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Versicherte bestimmen dabei den Umfang der Leistungen selbst. Sie genießen Wahlfreiheit bei der Auswahl des Behandlers. Die Versorgung erfolgt nach den „Regeln der ärztlichen Kunst“ und ist an kein Budget geknüpft.

Welche Leistungen sind versichert?

Für Ärzte gelten für gesetzlich Versicherte die Budgetbestimmungen des SGB V. So kann es vorkommen, dass eine Arztpraxis z.B. zum Ende eines Quartals außer in Notfällen keine Termine mehr vergibt. Auch für Medikamente gilt ein jährliches Richtgrößenvolumen. Auf diese Weise kommt es zu einer Rationierung von Medikamenten. Über Zuzahlungen z.B. für Arzneimittel oder Massagen werden Versicherte an den Kosten beteiligt. Bestimmte Leistungen wie z.B. Sehhilfen sind in der GKV ausgeschlossen.

Privatpatienten genießen eine Therapie- und Verordnungsfreiheit. Ärzte können ihre Leistungen je nach Schwierigkeit und Zeitaufwand über die Gebührenordnung für Ärzte oder Zahnärzte abrechnen. Versicherte können die Leistungen frei wählen. So kann z.B. je nach Tarif im Krankenhaus das Einbett-, Zweibett- oder Mehrbettzimmer versichert werden. Auch bei Vorsorgeuntersuchungen, beim Zahnarzt oder im Ausland bietet die PKV ein umfangreiches Leistungsspektrum.

Überdies ist die Tendenz der letzten Jahrzehnte eindeutig: Das Leistungsniveau in der GKV wird sukzessive reduziert und ist vom Gesetzgeber abhängig. In der PKV besteht ein vertraglich garantierter Anspruch auf die versicherten Leistungen - und zwar dauerhaft.

Woran orientiert sich die Beitragskalkulation?

Bei gesetzlichen Kassen richtet sich der Beitrag nach dem Einkommen. Je höher das Einkommen, desto höher ist auch der Krankenkassenbeitrag - bis maximal zur Beitragsbemessungsgrenze. Für 2017 liegt der Höchstbeitrag in der GKV bei 785,37 EUR (inkl. Zusatzbeitrag von 1,1% und Pflegebeitrag). Versicherte ohne Kinder zahlen sogar 796,12 EUR. Höhere Beiträge bedeuten übrigens nicht, dass sich der Leistungsumfang ausweitet. 

Ganz anders erfolgt die Kalkulation in der PKV. Hier bestimmt sich der Beitrag nach dem Alter, den versicherten Leistungen und dem Gesundheitszustand zu Vertragsbeginn. Durch einen Sparanteil, den Altersrückstellungen, werden höhere Kosten für die Gesundheit im Alter aufgefangen. Künftige medizinischen Entwicklungen, z.B. neue Therapieformen, bessere Medikamente, sind in der PKV immer mitversichert, führen aber auch dazu, dass die Prämien von Zeit zu Zeit angepasst werden müssen.

Gesetzliche Krankenversicherung für Selbstständige

Selbstständige können freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) werden. Dazu müssen jedoch folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Selbstständige müssen in den letzten fünf Jahren

  • mindestens 24 Monate oder
  • unmittelbar vor dem Ausscheiden ununterbrochen mindestens 12 Monate

in der GKV versichert gewesen sein. Dabei werden die Zeiten der beitragsfreien Versicherung im Rahmen der Familienversicherung angerechnet. Bis zu drei Monate nach Ausscheiden aus der Versicherungspflicht in der GKV kann bei den Krankenkassen die freiwillige Mitgliedschaft beantragt werden. Danach bleibt nur noch der Wechsel in die private Krankenversicherung.

Zugrunde liegendes Mindesteinkommen

Der Beitrag für Selbstständige in der GKV orientiert sich dabei an der gesamten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Versicherten. Bei hauptberuflich Selbstständigen werden nach dem Sozialgesetzbuch für 2018 mindestens 2.283,75 EUR als fiktives Einkommen herangezogen. Der Mindestbeitrag in der GKV orientiert sich an der sogenannten Bezugsgröße.

Nur in Härtefällen (auf Antrag) oder beim Bezug des Gründungszuschusses, wird ein geringer Beitrag herangezogen, dann werden für Selbstständige 1.522,50 EUR veranschlagt.

Ein Beitrag unterhalb des Mindestbeitrags ist nicht zulässig. Dies ergibt sich aus § 240 Abs. 4 Satz 2 SGB V. In verschiedenen Urteilen wurde als beitragspflichtige Einnahme das sogenannte Arbeitseinkommen festgelegt. Dabei handelt es sich um "Umsatz minus Betriebsausgaben". Oder anders ausgedrückt: Der nach den allgemeinen Gewinnermittlungsvorschriften des Einkommensteuerrechts ermittelte Gewinn der selbständigen Tätigkeit.

Der Maximalbeitrag wird höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze berechnet.

Wechsel der Krankenkasse

Ein Wechsel der Krankenkasse kann zum Ablauf des übernächsten Monats vorgenommen werden, sofern die vorherige Mitgliedschaft mindestens 18 Monate (= Bindungsfrist) bestanden hat. Die Bindungsfrist gilt jedoch nicht, wenn ein Wechsel in dir private Krankenversicherung vorgenommen wird.

Kündigungsverfahren beim Kassenwechsel

Der Wechsel der Krankenkasse ist stets zum Ende des übernächsten Monats möglich. Für eine wirksame Kündigung muss zunächst die Mindestversicherungsdauer von 18 Monaten bei der alten Kasse eingehalten werden. Bei bestimmten Wahltarifen gilt abweichend eine Vertragslaufzeit von einem bzw. drei Jahren.

  • Formlose Kündigung der Mitgliedschaft zum Ende des übernächsten Monats (z.B. Kündigung am 30. Mai zum 31.07.) 
  • Antragstellung bei neuer Krankenkasse. 
  • Kündigungsbestätigung durch die alte Kasse, spätestens innerhalb von zwei Wochen nach Eingang der Kündigung. 
  • Einreichen der Kündigungsbestätigung bei neuer Krankenkasse. Diese stellt daraufhin eine Mitgliedsbescheinigung aus. 
  • Die neue Kasse stellt die Mitgliedsbescheinigung aus. Diese muss innerhalb der Kündigungsfrist er alten Kasse vorgelegt werden, andernfalls ist die Kündigung unwirksam. 

Ein Sonderkündigungsrecht können Selbstständige wahrnehmen, wenn der einkommensabhängige Zusatzbeitragssatz erhöht wird. Die Krankenkasse muss ihre Mitglieder spätestens einen Monat vor dem Erhöhungstermin die Kunden informieren. Die Sonderkündigung muss bis zum Ablauf des Monats vorgenommen werden, für den der Zusatzbeitrag erhöht wird. Der Kassenwechsel erfolgt dann zum Ablauf des übernächsten Monats.

Härtefallregelung für Selbstständige

Seit dem 1. April 2007 gilt eine Härtefallregelung für Selbstständige in der gesetzlichen Krankenkasse. Liegt ein sozialer Härtefall vor, kann auf Antrag ein geringerer Beitrag erhoben werden (2018: 1.522,50 EUR). Allerdings greift dieser Mindestbeitrag nur dann, wenn der Versicherte kein Vermögen aufweist und die Personen, die mit dem Versicherten in einer Bedarfsgemeinschaft leben, geringe Einkünfte erzielen und keine Vermögenswerte besitzen.

Sonderregelung für Selbstständige mit Gründungszuschuss

Eine besondere gesetzliche Regelung greift für Selbständige, wenn sie einen Gründungszuschuss erhalten. Bei Nachweis geringerer Einkünfte werden lediglich 1.522,50 EUR (2018) als Mindesteinkommen für die Beitragsberechnung berücksichtigt.

Sonderfall Statuswechsel

Selbstständige, die vor Beginn der selbstständigen Tätigkeit als Arbeitnehmer versicherungspflichtig in einer gesetzlichen Krankenkasse waren, haben durch den Statuswechsel folgende Optionen bei der Krankenkassenwahl:

  • Freiwillige Weiterversicherung in der GKV: Die Mitgliedschaft wird bei Beginn der Selbständigkeit automatisch in eine freiwillige Weiterversicherung umgewandelt. Der Versicherte muss durch die obligatorische Anschlussversicherung nichts unternehmen.
  • Wechsel in die PKV: Mit Aufnahme der Selbständigkeit besteht die Möglichkeit, in eine private Krankenversicherung zu wechseln. Der Austritt aus der GKV muss innerhalb von zwei Wochen nach Ende der Versicherungspflicht erfolgen. Dafür muss der gesetzliche Kasse der Nachweis einer sich anschließenden privaten Vollversicherung erbracht werden. Der Nachweis muss nicht innerhalb von zwei Wochen vorgelegt werden. Wird die 2 Wochenfrist versäumt, besteht automatisch die freiwillige Mitgliedschaft (§ 188 Abs. 4 SGB V). Hierfür gelten die üblichen Kündigungsfristen.

Krankengeld für Selbstständige in der GKV

Seit 1. Januar 2009 gibt es in der GKV grundsätzlich keinen Anspruch auf Krankengeld als Lohnersatzleistung. Selbstständige können den Verdienstausfall folgender maßen absichern:

  • Abschluss eines GKV-Wahltarifs
  • Absicherung über eine Krankentagegeldversicherung in der PKV
  • Zahlung des allgemeinen Beitragssatzes in der GKV.

Durch die Wahl der letzten Möglichkeit haben Selbstständige einen Anspruch auf die Zahlung des gesetzlichen Krankengeldes ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Achtung: Wer sich für den gesetzlichen Wahltarif entscheidet, ist drei Jahre an diesen Tarif gebunden (Bindungsfrist).

Kosten für Selbstständige in der GKV 2018

GKV
Mindestbeitrag 319,76 Euro*
Mindestbeitrag mit Krankengeld 333,43 Euro*
Mindestbeiteitrag bei Gründungszuschuss oder Bedürftigkeit 213,15 Euro*
Mindestbeiteitrag bei Gründungszuschuss oder Bedürftigkeit mit Krankengeld 222,86 Euro*
Maximalbeitrag ohne Krankengeld 619,50 Euro*
Maximalbeitrag mit Krankengeld 646,05 Euro*

*Hinzu kommen noch der von den Krankenkassen individuell erhobene Zusatzbeitrag (2018: durchschnittlich 1,0%) sowie der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung.

Private Krankenversicherung für Selbstständige

Selbstständige können jederzeit einen Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) vollziehen. Dabei werden die Versicherungszeiten in der GKV auf die Wartezeiten in der PKV angerechnet.

Selbstständige erhalten keinen Beitragszuschuss zur Krankenversicherung vom Arbeitgeber. Daher bieten viele private Krankenversicherer spezielle Tarife für Selbstständige an, bei denen man sich preisgünstig versichern kann. In späteren Jahren kann der Versicherungsschutz mit höherwertigen Leistungen aufgestockt werden.

Worauf man bei der Wahl der PKV achten sollte:

  • Versichern Sie mindetens ambulante, stationäre und Zahnleistungen. Auch das Krankentagegeld sollte nicht fehlen.
  • Durch die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung kann die monatliche Prämie (deutlich) reduziert werden.
  • Luxusleistungen kosten Geld. Überprüfen Sie, ob es einen günstigen Einsteigertarif gibt, der ohen Gesundheitsprüfung später aufgestockt werden kann.
  • Ein Tarif für Krankenhaustagegeld ist meist überflüssig. Wichtig ist dagegen ein ausreichender Schutz gegen Einkommensausfall, das Krankentagegeld.
  • Achten Sie auf einen Krankenversicherer, der solide wirtschaftet und realistische Prämien kalkuliert.

Günstige PKV-Tarife für Selbstständige im Jahr 2017

Anbieter Tarif Selbstbeteiligung in EUR Beitrag in EUR
Berechnungsbeispiel für:
Prämien für 30-jährige Selbständige (Mann/Frau) mit Mehrbettzimmer und 70 EUR Krankentagegeld ab dem 43. Tag
Quelle: SoftFair, Stand: 01.07.2017
HanseMerkur KVS3, T43, PVN 1.000 248,73
Württembergische ESU 900, KTU 43, PVN 900 280,23
Signal Iduna START, ESP-VS 43, PVN 480 282,81
Hallesche Primo.SB2 Z, URZ., KT.43, PVN 600 293,49
Continentale COMFORT-U, V43-U, PVN fallbezogen 311,27

PKV-Testsieger für Selbstständige

Nur ein PKV-Tarif konnte im Test 2014 der Stiftung Warentest mit der Bestnote abschneiden. Der Preisunterschied zwischen günstigen und teuren Tarifen ist ebenfalls enorm. Die Spanne reicht von 395 Euro im Monat bis 813 Euro. Als bester Anbieter für Selbstständige wurde die Provinzial Hannover ausgezeichnet. Auch die Bayerische Beamten-Krankenkasse und die HUK-Coburg erhielten überdurchschnittliche Bewertungen.

Im Test des Wirtschaftsmagazins Focus-Money im September 2017 schneiden bei den leistungsstarken Top-Tarifen die AXA und die Hallesche mit der Bestnote "hervorragend" ab. Beim map-Report 2017 werden wirtschaftliche Stabilität und Kundenservice bewertet. Hier liegen Provinzial, Debeka und Alte Oldenburger auf den ersten Plätzen.  

Beim Test des „Deutsches Institut für Service-Qualität“ (DISQ) konnten sich im Frühjahr 2017 Barmenia, AXA, Allianz und Münchener Verein als Top-Anbieter behaupten. Das DISQ bewertet den Service sowie in Zusammenarbeit mit Frank & Bornberg die Kosten und Leistungen von Grund-, Standard- und Topschutz-Tarifen.

Selbständige Künstler und Publizisten

Für selbständige Künstler und Publizisten (Musiker, Kunstschaffende, Schriftsteller, Journalisten etc.) gelten die Vorschriften aus dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KVSG). Demnach ist dieser Personenkreis in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung versicherungspflichtig. Hintergrund ist die besondere finanzielle Situation durch schwankende und unregelmäßige Einnahmen.

Die Prüfung der Versicherungspflicht erfolgt durch die Künstlersozialkasse (KSK) und die Deutsche Rentenversicherung Bund. Die Mitgliedschaft kann frei bei einer gesetzlichen Kasse gewählt werden (AOK, BKK, Ersatzkasse, IKK, Knappschaft).

Befreiung von GKV-Pflicht möglich

Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Befreiung von der Versicherungspflicht in der GKV möglich. Wer erstmalig eine künstlerische Tätigkeit aufnimmt und der Künstlersozialkasse den Nachweis einer privaten Krankenvollversicherung erbringt, kann sich auf Antrag befreien lassen. Der Antrag muss bis spätestens drei Monate nach Feststellung der GKV-Pflicht bei der KSK gestellt werden. Die Befreiung gilt rückwirkend ab Beginn.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Befreiung bis zu drei Jahren nach Aufnahme der Tätigkeit zu beenden. In diesem Fall beginnt nach Ablauf der Dreijahresfrist die Versicherungspflicht in der GKV.

Eine Befreiungsmöglichkeit besteht für Künstler und Publizisten, wenn das regelmäßige Arbeitseinkommen der letzten drei Jahre in Summe oberhalb der gültigen Entgeltgrenze gelegen hat. Hierfür ist bei der KSK ein Antrag zu stellen.

PKV-Zuschuss für privat versicherte Künstler

Privat krankenversicherte Künstler und Publizisten erhalten von der Künstlersozialkasse (nicht vom Auftraggeber!) einen Beitragszuschuss zur PKV. Die tatsächliche Höhe des Zuschusses orientiert sich am Beitrag, der im Falle der Versicherungspflicht für die GKV zu zahlen wäre. Maximal wird die Hälfte des tatsächlichen PKV-Beitrags erstattet.

Fazit: Vorteile liegen bei privaten Krankenkassen

Ob nun die gesetzliche oder die private Krankenversicherung für Selbstständige die bessere Wahl ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich zeichnet sich die GKV dadurch aus, dass die Beiträge einkommensabhängig erhoben werden, d.h. wer weniger verdient, zahlt geringere Krankenkassenbeiträge. Zudem können Familienangehörige, z.B. Ehepartner und Kinder, ohne zusätzlichen Beitrag mitversichert werden.

Die privaten Versicherungstarife bieten hingegen folgende Vorteile:

  • Tarifauswahl - je nach Wunsch können kostengünstige Einstiegstarife oder leistungsstarke Luxustarife gewählt werden.
  • Beitragsreduktion durch Vereinbarung einer Selbstbeteiligung.
  • Höherer Leistungsumfang im Vergleich zur GKV.
  • Beitragsrückserstattung, wenn keine Leistungen in Anspruch genommen werden.
  • Medizinischer Fortschritt ist mitversichert.
  • Bildung von Rückstellungen, um höhere Kosten im Alter aufzufangen.
Icon Würfel FAQ

FAQ zu GKV und PKV für Selbständige:

Bieten die privaten Krankenkassen spezielle Tarife für Selbständige?

Die privaten Anbieter halten ein breites Tarifspektrum bereit:

  • Kostengünstige Einsteigertarife
  • Tarife mit optimalem Preis-/Leistungsverhältnis
  • Komforttarife mit "Luxusleistungen"

So kann jeder Versicherte zu Versicherungsbeginn selbst entscheiden, ob der Fokus auf eine günstige Prämie oder einen höheren Leistungsumfang gelegt werden soll. Meist bieten die besonders günstigen Grundschutztarife ein Optionsrecht, mit der Vertrag ohne erneute Gesundheitsprüfung aufgestockt werden kann.

Die Festlegung einer Selbstbeteiligung trägt dazu bei, die monatlichen finanziellen Belastungen durch die Krankenkassenbeiträge gering zu halten. Hierfür bieten einige Gesellschaften spezielle "Unternehmer-Tarife" mit Eigenbeteiligungen von bis zu 5.000 Euro pro Jahr. Wer sich für ein solches Angebot entscheidet, sollte den Selbstbehalt stets auf dem Girokonto bereit halten.

Kann ein beherrschender GGF den Arbeitgeberzuschuss erhalten?

Wird im Rahmen der Prüfung der Sozialversicherungspflicht festgestellt dass der Gesellschafter-Geschäftsführer (GGF) nicht abhängig beschäftigt ist, sondern eine Selbständigkeit vorliegt, so besteht in diesem Fall für den GGF kein Anspruch auf Zuschuss zum Krankenversicherungsbeitrag nach § 257 SGB V. Wenn die GmbH trotzdem einen Zuschuss auszahlt, ist dieser wie Arbeitslohn voll zu versteuern.

Keine Krankenversicherung trotz Versicherungspflicht?

Wer trotz der Versicherungspflicht nicht krankenversichert ist, muss ein Bußgeld zahlen. Betroffen sind vor allem bisher privat versicherte Selbständige, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen konnten und denen der Vertrag gekündigt wurde. Wenn der Unversicherte seiner Pflicht zum Abschluss eines Vertrages nicht nachgekommen ist und er sich in ärztliche Behandlung begeben muss, kann es teuer werden. Die Krankenkasse verlangt die Nachzahlung der Beiträge rückwirkend ab Beginn der Versicherungspflicht. Zusätzlich wird noch eine Strafgebühr erhoben.

Wann können Unternehmer in die PKV wechseln?

Wer erstmalig eine selbständige Tätigkeit aufnimmt, kann sich zwischen gesetzlichen und privaten Anbietern frei entscheiden. Die Einkommensgrenze zum PKV-Wechsel gilt für diesen Personenkreis nicht. Ein Übertritt in das private System ist also ohne eine bestimmte Einkommens- oder Umsatzhöhe möglich. Dies gilt im übrigen auch für Selbständige, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind (z.B. Handwerker). Der Mitgliedschaft in der PKV kann also gleich bei Geschäftsaufnahme erfolgen.

Wer bereits selbständig tätig und freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Kasse ist, muss die Kündigungsfrist beachten. Sie beträgt zwei Monate zum Monatsende, d.h. wer im Mai Mitglied einer Privatkasse werden möchte, muss spätestens im Februar der GKV kündigen. Wird bis zum Vertragsbeginn in der PKV der alten Kasse keine Versicherungsbestätigung des neuen Anbieters vorgelegt, ist die Kündigung unwirksam. Diese Regelung gilt seit Einführung der KV-Versicherungspflicht 2009.

Was bedeuten die Unisex-Tarife in der PKV für Selbständige?

Seit 2013 gelten für Frauen und Männer bei privaten Krankenkassen sogenannte Unisex-Tarife. Die Tarife müssen seitdem geschlechtseinheitlich kalkuliert werden. Bislang wurden Männer bei den PKV-Beiträgen geringer eingestuft als Frauen. Durch die Neuregelung sind die Neugeschäftsprämien für Männer zwischen 5 bis 35% heraufgesetzt worden.

Nichtsdestotrotz bietet der Wechsel in die Privatkrankenversicherung für Selbständige oftmals immer noch einen Beitragsvorteil. Wer sich ein höheres Leistungsspektrum dauerhaft sichern möchte, erhält in der PKV einen bedarfsgerechten Tarif.

Was passiert bei der Schließung einer Krankenkasse?

Die Insolvenz einer gesetzlichen Krankenkasse ändert nichts am Versicherungsschutz der Mitglieder. Allerdings müssen freiwillig versicherte Selbständige innerhalb von drei Monaten einen Wechsel der Krankenkasse vornehmen. Aufgrund der Versicherungspflicht bleibt der Schutz auch dann bestehen, wenn sie diese Frist versäumen. Sie fallen in die Kasse zurück, bei der sie vor der aktuellen Krankenkasse versichert waren.

Für die neue Gesellschaft besteht eine Aufnahmepflicht aufgrund von § 175 Abs. 1 SGB V - unabhängig vom Alter oder Gesundheitszustand.

Wie hoch ist die Strafgebühr für Nichtversicherte in der PKV?

Die gesetzlichen Regelungen zum Bußgeld in der PKV finden sich in den Musterbedingungen der PKV (MB KK). Der erste Monat der Versicherungspflicht wird nicht berechnet. Danach fällt für fünf Monate der volle Beitrag und für jeden weiteren Monat ein Sechstel des PKV-Monatsbeitrags an. Maximal fällt die Rückzahlung für fünf Jahre an, was ab dem 1.1.2014 der Fall ist. Insgesamt können somit bis zu 14 Monatsbeiträge als Strafzahlung für Nichtversicherte anfallen.

Wie ist die Kündigungsfrist für freiwillig Versicherte in der GKV?

Freiwillig in der gesetzlichen Kasse versicherte Personen können ihre Mitgliedschaft jederzeit unter Einhalt einer Kündigungsfrist von zwei Monaten kündigen. Wer sich also z.B. im April bei einer anderen Kasse versichern möchte, muss im Laufe des Januar bei der alten Krankenkasse kündigen. Die Kündigung muss in Schriftform bis Ende des Monats eingegangen sein.

Eine Ausnahme bildet der Wahltarif Krankengeld. Wer diesen Tarif abgeschlossen hat, ist mindestens drei Jahre lang fest an seine Kasse gebunden. Für alle anderen Wahltarife gilt eine Bindefrist von 18 Monaten. Die zuvor genannten Fristen werden außer Kraft gesetzt, wenn die Kasse erstmals einen Zusatzbeitrag verlangt oder einen bestehenden Zusatzbeitrag erhöht.

Worauf zahlen Selbstständige in der GKV Beiträge?

Selbstständige müssen sämtliche Einnahmen, die der Besteuerung unterliegen, der Krankenkasse mitteilen. Am einfachsten geht dies mit dem aktuellen Einkommensteuerbescheid. An Hand der dort ermittelten Einkünfte wird der Beitrag für die GKV berechnet. Folgende Einnahmen werden berücksichtigt:

  • Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit: Gewinn abzüglich Betriebsausgaben wie Personalkosten, Abschreibungen und Aufwendungen für Betreibsräume
  • Einnahmen aus Kapitalvermögen
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

Die Grenze für die Einnahmen bildet die aktuelle Beitragsbemessungsgrenze. Einkünfte, die darüber hinaus gehen, werden nicht mehr beitragsmäßig belastet.