Praxisgebühr

Seit 2004 mussten alle gesetzlich versicherten Patienten eine Zuzahlung beim Arzt leisten: Pro Quartal fiel die Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro an. Ab 1. Januar 2013 gibt es die Praxisgebühr nicht mehr. Der Koalitionsausschuss hat Anfang November die Abschaffung beschlossen.

Das Modell Praxisgebühr

Das deutsche Krankenversicherungssystem wird modernisiert. In den vergangenen Jahren hat der Gesetzgeber bereits Änderungen wie die Auflage des Gesundheitsfonds und die Einführung einer Praxisgebühr durchgesetzt, um die Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen zu sichern. Bei der Praxisgebühr handelt es sich um eine Zuzahlung in Höhe von zehn Euro, die durch den Versicherten beim Arzt oder in der Klinik geleistet wird. Gesetzlich Versicherte werden mit diesem Modell um bis zu 120 Euro im Jahr zusätzlich belastet.

Die Praxisgebühr fällt immer quartalsweise an. Die gesetzliche Grundlage zur Einführung dieser Patientenzuzahlung wurde 2003 mit dem „Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung“ geschaffen.

Die Höhe der Gebühr wird im Sozialgesetzbuch geregelt. Die Einführung der Patientenzuzahlung beim Arzt rief bei einem Großteil der gesetzlich Versicherten erst einmal Unmut hervor, da Patienten für ihren Arztbesuch nun vierteljährlich eine Gebühr aus eigener Tasche erbringen müssen. Mit einem Urteil aus dem Jahre 2009 hat das Bundessozialgericht aber bestätigt, dass es sich bei der Praxisgebühr nicht um eine verfassungswidrige Zusatzbelastung für Patienten handelt.

Die Praxisgebühr fällt für alle ärztlichen, zahnärztlichen und psychotherapeutischen Behandlungen an. Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen leisten ihre Zahlung direkt beim behandelnden Arzt, Zahnarzt, beim Psychotherapeuten und auch beim Notdienst. Die Praxisgebühr kann durch den Patienten alternativ auch an seinen Arzt überwiesen werden.

Die Praxisgebühr: Wer zahlt wie viel?

Die Praxisgebühr fällt für alle Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen an, die das 18. Lebensjahr erreicht haben. Die Zuzahlung fällt damit auch bei freiwillig versicherten Patienten bei den gesetzlichen Kassen an. Von der Praxisgebühr sind lediglich Privatpatienten ausgenommen, die eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben. Einen Sonderstatus genießen Beamte, Zivildienstleistende und Soldaten der Bundeswehr: Sie zahlen zwar keine Praxisgebühr, leisten in den meisten Fällen aber 40,00 Euro in Form von Abzügen. Die Patientengebühr ist auch von Empfängern von Sozialleistungen wie dem ALG II zu erbringen – Härtefälle können sich aber eine Bescheinigung zur Befreiung ausstellen lassen.

Die Praxisgebühr wird in insgesamt drei Behandlungsklassen erhoben: Notdienste, Zahnärzte und niedergelassene Ärzte. Dies bedeutet für Patienten, dass eine weitere Behandlung im gleichen Quartal nur innerhalb dieser Behandlungsklassen kostenlos ist. Wer also seine Gebühr beim Notdienst entrichtet hat, muss die Zuzahlung beim Zahnarzt oder Hausarzt im selben Quartal nochmals leisten. Auch beim Facharzt zahlen gesetzlich Versicherte grundsätzlich eine Praxisgebühr, wenn sie keine Überweisung vom Hausarzt vorlegen können. Die Zuzahlung kann sich damit auf bis zu 120,00 Euro jährlich belaufen. Um Praxisgebühren zu sparen, können Versicherte lediglich eine abschließende Zahnarztbehandlung im betreffenden Quartal durchführen lassen oder sich immer eine Überweisung holen, wenn ein Facharztbesuch im gleichen Quartal ansteht.

Praxisgebühr: Die Ausnahmen

Die unbeliebte Praxisgebühr fällt nicht für jede Arztbehandlung an: Vorsorgeuntersuchungen bleiben von der Gebühr gefreit. Die Befreiung für Vorsorgeuntersuchungen umfasst die Vorsorge für Schwangere, die Krebsvorsorge und den Vorsorge-Check beim Zahnarzt. Beim Zahnarzt wird die Gebühr auch nicht für halbjährliche Röntgenaufnahmen, Screenings und die Zahnsteinentfernung erhoben. Wer zum Arzt geht, um sich eine Schutzimpfung abzuholen, muss für viele Impfungen ebenfalls keine Gebühr leisten.
Einige Krankenkassen haben Wahltarife eingeführt, für deren Teilnahme ebenfalls keine Praxisgebühr erhoben wird. Dieses Modell umfasst strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch Kranke und teilweise auch Hausarztmodelle.
Die Praxisgebühr fällt auch bei Inanspruchnahme privatärztlicher Leistungen nicht an. Zu diesen Leistungen gehören Wunschbehandlungen, die nicht im Katalog der gesetzlichen Krankenkassen verzeichnet sind und deren Kosten damit nicht übernommen werden. Dies betrifft unter anderem Zahnersatz und die Empfängnisverhütung beim Gynäkologen. Gesetzlich Versicherte, die sich für privatärztliche Leistungen entscheiden, werden wie ein Privatpatient behandelt und kommen für die Kosten selbst auf. Im Gegensatz zur privaten Kasse kann diese Arztrechnung aber nicht eingereicht werden – der Patient bleibt also auf den Kosten sitzen.
Eine Befreiung von der Zuzahlung ergibt sich auch für Arztbehandlungen, die über die gesetzliche Unfallversicherung oder über einen Rentenversicherungsträger in Anspruch genommen werden.