Hausarzttarife

Die Hausarztarife der Krankenkassen bieten die Möglichkeit Geld zu sparen. Versicherte haben zwar eine eingeschränkte Arztwahl, haben aber eine geringere Wartezeit. Die Leistungen der Tarife im Überblick und Tipps von Stiftung Warentest.

Der Hausarzt ist für viele Patienten Vertrauensperson und erster Ansprechpartner in Gesundheitsfragen. Die Hausarzttarife der gesetzlichen Krankenkassen setzen auf eine hausarztzentrierte Versorgung: Versicherte suchen mit Ausnahme von Notfällen erst einmal den Hausarzt ihres Vertrauens auf.

Hausarzttarife im Überblick

Viele Patienten wenden sich bei gesundheitlichen Beschwerden bevorzugt an ihren Hausarzt. Den Hausarzt und seine Patienten verbindet häufig ein besonderes Vertrauensverhältnis, wobei der Hausarzt oft die Rolle eines Familienarztes übernimmt. Fast 40 Prozent der deutschen Ärzte haben sich als Hausarzt niedergelassen. Zu den Hausärzten gehören: Fachärzte für Allgemeinmedizin, hausärztliche Fachärzte für Innere Medizin, praktische Ärzte und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin.

Seit Sommer 2009 bieten die gesetzlichen Krankenkassen flächendeckend Hausarzttarife an. Das Modell der hausarztzentrierten Versorgung macht den Hausarzt zur ersten Anlaufstelle für Patienten in allen Gesundheitsbelangen. Mit Ausnahme von medizinischen Notfällen, gynäkologischen und augenärztlichen Behandlungen suchen Patienten, die sich für die Hausarzttarife entschieden haben, ihren Hausarzt auf. Der Hausarzt koordiniert die Behandlung und leitet seine Patienten an Kliniken oder spezialisierte Fachärzte weiter. Das Modell der hausarztzentrierten Versorgung soll den gesetzlichen Kassen in erster Linie Kosten sparen, da Mehrfachbehandlungen und unnötige Arztbesuche mit der Koordination durch den Hausarzt stark eingeschränkt werden.

Der Hausarzttarif ist einer der Wahltarife der gesetzlichen Krankenkassen. Wer am Hausarztmodell teilnehmen möchte, muss sich für den Hausarzttarif über seinen gewählten Familienarzt anmelden. Dieser Hausarzt wird dann von der Krankenkasse als erster Ansprechpartner in Gesundheitsfragen eingesetzt. Die Patienten verpflichten sich mit einer Teilnahme am Hausarztmodell, ihren gewählten Hausarzt in Gesundheitsfragen auch tatsächlich aufzusuchen.

Hausarzttarife: Die Vorteile des Hausarztmodells

Besonders Patienten, die auf dem Land wohnen, sowie ältere Menschen fühlen sich seit Jahren an ihren Familienarzt gebunden. Der Hausarzt kennt die Krankheits- und Lebensgeschichte seiner Patienten und hat auch für private Belange ein Ohr. Eine Teilnahme am Hausarztprogramm der gesetzlichen Krankenkassen bietet sich demnach für Versicherte an, die sich in Gesundheitsfragen bevorzugt an ihren Hausarzt wenden. Mit einer Teilnahme an der hausarztzentrierten Versorgung der gesetzlichen Kassen sparen Versicherte bares Geld: Einige Krankenkassen bieten ihren Versicherten, die sich für die Hausarzttarife entscheiden, niedrigere Krankenkassenbeiträge oder reduzierte Zuzahlungen für Medikamente an.

Hausarzttarife haben zwei Vorteile: Patienten können Kosten sparen und sich in Gesundheitsfragen an den Hausarzt ihres Vertrauens binden. Dieser Familienarzt koordiniert die medizinische Versorgung seiner Patienten und wägt ab, ob ein Facharztbesuch oder ein Klinikaufenthalt auch tatsächlich notwendig ist. Das Ziel dieser koordinierten Versorgung ist die Vermeidung überflüssiger Facharzt- und Klinikbesuche. Die Krankenkassen sind bestrebt, mit dem Hausarztprogramm unnötige Behandlungskosten einzusparen. Im Bedarfsfall verweist der Familienarzt seine Patienten jedoch an Fachärzte und Kliniken, wobei sich Patienten mit einer Überweisung wiederum die Praxisgebühr beim Facharzt sparen. Ihren bevorzugten Hausarzt können sich die Patienten beim Hausarztmodell selbst aussuchen, verpflichten sich aber auch zu einer Bindung an den selbst gewählten Familienarzt.

Hausarzttarife: Die Nachteile

Mit der Entscheidung für die Teilnahme am Hausarztmodell schränken gesetzlich Versicherte ihre freie Arztwahl ein. Zudem nehmen nicht alle niedergelassenen Familienärzte am Hausarztprogramm der Krankenkassen teil. Wenn der bevorzugte Hausarzt der hausarztzentrierten Versorgung nicht angeschlossen ist, macht es für seine Patienten auch keinen Sinn, am Hausarztmodell teilzunehmen. Diese Versicherten suchen meist weiterhin ihren Familienarzt in Gesundheitsfragen auf, kommen aber nicht in den Genuss der finanziellen Ermäßigungen, die von den Kassen für Patienten teilnehmender Hausärzte vorgesehen sind. Da die hausarztzentrierte Versorgung nicht über die Kassenärztliche Vereinigung abgewickelt wird, müssen sich teilnehmende Mediziner mit einem erhöhten Verwaltungsaufwand arrangieren.

Weil vier Augen mehr sehen als zwei: Beim Hausarztmodell holen sich Patienten in der Regel keine ärztliche Zweitmeinung ein. Erkennt der Familienarzt also Krankheitsanzeichen nicht zuverlässig, können sich für seine Patienten gesundheitliche Nachteile ergeben. Kritiker der Hausarzttarife sind der Ansicht, dass komplexe fachärztliche Gesundheitsfragen und Diagnosen durch den Hausarzt nicht ausreichend beantwortet werden können. Die Hausarzttarife sehen zwar Überweisungen der Patienten an Fachärzte vor, wobei der Familienarzt die Überweisung an einen Facharzt aber erst einmal einleiten muss. Für Patienten, die sich in Gesundheitsfragen direkt an einen Facharzt ihrer Wahl wenden, ist das Hausarztmodell also ungeeignet.