Arzneimittelversorgung

Arzneimittel sind therapeutische Mittel, die insbesondere chemische, pflanzliche oder tierische Inhaltsstoffe haben können. Arzneimittel, die noch bis vor 100 Jahren von den Apotheken oft als Rezeptur angefertigt wurden, werden heute überwiegend als industriell hergestellte Fertigarzneimittel in den Apotheken verkauft. Besonders seit den 40er Jahren sind erhebliche Fortschritte bei der Arzneimittelentwicklung erzielt worden, sodass die medikamentöse Therapie heute große Bedeutung für die Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen hat.

Arzneimittel können in verschiedene Gruppen eingeteilt werden: nach ihren Wirkstoffen (zum Beispiel chemisch definierte Stoffe oder Pflanzenextrakte), nach ihrem Anwendungsgebiet (zum Beispiel Schmerz-, Beruhigungs-, Schlaf- oder Betäubungsmittel) und nach ihrer Darreichungsform (zum Beispiel Tabletten, Salben, Injektionen).

Das in Deutschland gültige Arzneimittelgesetz (AMG) setzt EU-einheitliche Vorgaben um und enthält strikte Vorgaben für die Herstellung, Prüfung, Zulassung, Verschreibung und den Handel mit Arzneimitteln. Arzneimittel mit hoher Wirksamkeit und hohem Risiko oder neuartigen Wirkstoffen sind verschreibungspflichtig und dürfen nur auf ärztliche Verordnung (Rezept) abgegeben werden (verschreibungspflichtige Arzneimittel). Darüber hinaus gibt es auch Arzneimittel, die ohne Rezept erhältlich sind, nämlich apothekenpflichtige Arzneimittel, die nur in Apotheken verkauft werden dürfen (nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel), und freiverkäufliche Mittel, die zum Beispiel auch in Drogeriemärkten erhältlich sind.

In der gesetzlichen Krankenversicherung hat jeder Versicherte Anspruch auf Versorgung mit Arzneimitteln, sofern sie in Deutschland zugelassen sind (also zum Beispiel keine Nahrungsergänzungsmittel) und apothekenpflichtig sind (also zum Beispiel keine freiverkäuflichen Vitamine aus Drogeriemärkten). Bestimmte Arzneimittel dürfen die Krankenkassen aufgrund ergänzender gesetzlicher Regelungen nicht bezahlen: Arzneimittel an Volljährige zur Behandlung geringfügiger Gesundheitsstörungen, zum Beispiel Hustensäfte bei Erkältungen, und Arzneimittel der Negativliste, die durch Rechtsverordnung als unzweckmäßig oder unwirtschaftlich ausgeschlossen sind. Arzneimittel, bei denen eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht (so genannte Lifestyle-Arzneimittel) sind ebenso aus der Leistungspflicht der GKV ausgenommen wie nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel. Weitere Voraussetzung für die Leistungspflicht der Krankenkassen ist eine ärztliche Verordnung (Rezept).

In der stationären Versorgung erhalten die Patientinnen und Patienten Arzneimittel im Rahmen der Krankenhausbehandlung; hierfür werden keine Rezepte ausgestellt. Seit 2004 werden nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel in der Regel von den Krankenkassen nicht mehr erstattet. Fast alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel werden weiterhin von den Krankenkassen bezahlt, sofern sie vom Arzt auf Kassenrezept verordnet worden sind.

Der behandelnde Arzt entscheidet über die Verordnung der Arzneimittel. In der ambulanten Versorgung soll der Arzt ein Kassenrezept ausstellen, wenn das Arzneimittel zur Behandlung medizinisch notwendig, zweckmäßig und wirtschaftlich ist und wenn das Mittel nicht durch gesetzliche Bestimmungen ausgeschlossen ist. Damit die notwendigen Arzneimittel verordnet, zugleich aber auch überflüssige Kosten in der Arzneimittelversorgung vermieden werden, gibt es besondere gesetzliche Regelungen zur Sicherung von Qualität und Wirtschaftlichkeit. So vereinbaren die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Landesorganisationen der Krankenkassen sogenannte Richtgrößen für die Verordnung von Arzneimitteln.

Richtgrößen sind Durchschnittswerte für die Verordnung von Arzneimitteln (inklusive Verbandmittel und Sprechstundenbedarf) je Jahr und Patient. Richtgrößen werden für die einzelnen Arztgruppen jeweils gesondert festgelegt - ein Onkologe, der Krebspatienten betreut, hat natürlich wesentlich höhere Verordnungskosten als ein allgemein praktizierender Arzt.

Mithilfe von Richtgrößen kann die Wirtschaftlichkeit der ärztlichen Verordnungsweise überprüft werden. Ärzte, die die Richtgrößensumme überschreiten und keine Praxisbesonderheiten (zum Beispiel einen hohen Anteil chronisch kranker Patienten) nachweisen, können für die Mehrkosten in Regress genommen werden.

Mit der Gesundheitsreform sind zudem diverse weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Arzneimittelversorgung in Kraft getreten. So werden Beratungsangebote der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Krankenkassen an die Ärzte gefördert: Für solche Informationsangebote über eine moderne und kostengünstige Arzneitherapie kann jetzt ein Teil der Ärztevergütungen bereitgestellt werden. Erfolgreiche Anstrengungen der Ärzteschaft zur Einhaltung der vereinbarten Versorgungs- und Wirtschaftlichkeitsziele werden von den Krankenkassen durch einen Bonus belohnt. Ärzte können künftig mit dem Prüfungsausschuss für ihre Praxis eine spezifische Richtgröße vereinbaren.

Die Prüfungsausschüsse, in denen Vertreter der Ärzte und Krankenkassen mit gleicher Stimmenzahl vertreten sind, wurden gestärkt. Sie haben einen neutralen Vorsitzenden, so dass Krankenkassen und Ärzte sich im Prüfungsausschuss nicht gegenseitig lähmen können. Die Prüfungen werden durch Mitarbeiter einer Geschäftstelle vorbereitet und nicht mehr durch die Mitglieder des Prüfungsausschusses selbst. Dies verbessert die Arbeitsfähigkeit der Prüfgremien. Die Vorstände der Gremien der Krankenkassen und der Vertragsärzte haften dafür, dass diese Vorgaben ordnungsgemäß umgesetzt werden.