Patientenakte lesen - wie geht das?

Patienten dürfen jederzeit Einsicht in persönliche Unterlagen nehmen und ihre Patientenakte lesen. Der Gesetzgeber regelt, welche Bedingungen zu beachten sind. Überblick zu den gesetzlich geregelten Patientenrechten.

Patientenakte lesen: Aktenführungspflicht vereinfacht Patientenrechte

Patienten, die Einzelheiten über ihre Gesundheit erfahren wollen, einen ärztlichen Fehler bei der Behandlung vermuten oder Einsicht in Laborergebnisse nehmen wollen, haben in Deutschland jederzeit das Recht ihre eigene Patientenakte lesen zu dürfen. Will ein Angehöriger des betroffenen Patienten Gebrauch davon machen, kann eine Betreuungsurkunde, ein Erbschein oder eine kopierte Vorsorgevollmacht erforderlich werden, was im Einzelfall vom jeweiligen Arzt abhängig ist.

Ein vertrauliches Gespräch mit dem Arzt sollte vorangehen und wer den Verdacht hat, dass ein ärztliches Fehlverhalten während einer Behandlung vorliegt, sollte gleichzeitig seinen privaten Versicherer oder die Krankenkasse informieren. In einigen Fällen erstellen die Träger selber ein Gutachten und fordern in diesem Zusammenhang die Patientenakte an.

Wenngleich der Arzt dazu verpflichtet ist, seinem Patienten Einsicht zu gewähren, damit dieser die Patientenakte lesen kann, verweigern einige Mediziner die Herausgabe. In diesem Fall muss die kopierte Akte via Einschreiben angefordert werden, mit der genauen Angabe des Zeitraumes, der für den Patienten relevant ist. Jedoch muss ein berechtigtes Interesse an der Akteneinsicht nachgewiesen werden, wenn die Akte eines Angehörigen zur Einsicht angefordert wird. Liegt beispielsweise ein Arztfehler vor, kann ein Anspruch auf Schadenersatz oder Schmerzensgeld eingeklagt werden.

Patientenakte lesen: Einsichtsgewährung für den Rechtsfall

Versicherte, die ihre Patientenakte lesen wollen, müssen mit nicht höheren Kosten rechnen, als einem festgesetzten Preis für Kopien, der in der Regel bei 50 Cent je Kopie liegen darf. Finden sich in der Akte persönliche Angaben des Arztes zum jeweiligen Behandlungsverlauf oder Notizen, die über den medizinischen Befund hinausgehen, besteht für den Arzt das Recht darauf, einzelne Angaben zu schwärzen. Wer seine Patientenakte lesen will und darin wichtige Angaben vermisst, hat das Recht, sich bei dem Krankenhausträger zu beschweren.

Fehlen Angaben in der Akte des Hausarztes, ist die Rechtsabteilung der zuständigen Ärztekammer der Ansprechpartner für Patienten. Alle, die sich einen Rechtsbeistand wünschen, sollten einen Anwalt konsultieren, der sich auf Medizinrecht spezialisiert hat. Geht es um einen Haftungsfall, sollte der berufliche Schwerpunkt des Juristen auf Arzthaftungsfälle ausgerichtet sein.

Grundsätzlich gilt, dass der Patient einen Haftungsfehler nachweisen muss. Ist die Patientenakte jedoch lückenhaft, muss der Arzt die Beweislast auf sich nehmen. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Dokumentationspflicht zwingt den Arzt oder die Klinik dazu, Diagnosen und den Verlauf der getroffenen ärztlichen Maßnahmen lückenlos in der Patientenakte zu dokumentieren, damit diese Informationen jederzeit abrufbar sind.

Patientenakte lesen: Kriterium für den Haftungsfall

Grundsätzlich darf jeder Versicherte seine Patientenakte lesen. In der Regel wird dies beantragt, wenn es Unklarheiten bei der Diagnose oder im Behandlungsverlauf gibt. Der Gesetzgeber legt fest, dass sämtliche Unterlagen für einen Mindestzeitraum von zehn Jahren nach einer abschließenden Behandlung aufbewahrt werden müssen. Da alle beim Arzt oder im Krankenhaus deponierten Unterlagen zu einem Patienten naturgemäß auch personenbezogene Daten erhalten, regelt das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung hierzulande die Möglichkeit, jedem Patienten den Zugang zu ermöglichen, um seine Patientenakte lesen zu können. Dies gilt auch, selbst wenn kein rechtliches Interesse auf eine Einsicht besteht. Auf dieser Basis darf ein Arzt nur dem Patienten selber die Akte zur Einsicht vorlegen, was im Grundsatz der ärztlichen Schweigepflicht entspricht.

Ausnahmen bestätigen jedoch auch bei diesem Prozedere die Regel. So können Eltern als gesetzliche Vertreter Einsicht in die Akte ihrer minderjährigen Kinder vornehmen. Gleiche Bedingungen gelten für Erben, wenn ein Einsichtsanspruch unter vermögensrechtlichen Aspekten erhoben wird und dies nicht grundsätzlich dem Willen eines Verstorbenen widerspricht. Grundsätzlich helfen im Zweifelsfall die Ärztekammern weiter, wenn der Verdacht vorliegt, dass ein ärztlicher Behandlungsfehler zum Tod des Patienten beigetragen hat.

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