Wie ist die Versorgung mit Heilmitteln in der Krankenversicherung?

Grundsätzlich hat jeder gesetzlich Versicherte Anspruch auf Heilmittel. Heilmittel werden verordnet, um eine Krankheit zu heilen oder zu lindern oder um eine Pflegebedürftigkeit zu verhindern. Ist die gesundheitliche Entwicklung bei Kindern gefährdet, können ebenfalls Heilmittel angezeigt sein.

Nur Ärzte dürfen die Verordnungen von Krankengymnastik, Massage, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie, Podologie oder Ergotherapie vornehmen. Ausschließlich Therapeuten mit speziellen Ausbildungen dürfen die Behandlungen durchführen.

Zuständigkeit des Gemeinsamen Bundesausschusses

Der Heilmittelkatalog des Gemeinsamen Bundesausschusses informiert, welche Heilmittel, in welcher Anzahl, bei bestimmten Indikationen, zu einer medizinisch adäquaten und wirtschaftlich vertretbaren Versorgung führen. Außerdem gibt er Auskunft über die Verordnungsfähigkeit unterschiedlicher Heilmittel.

Seit dem 1. Juli 2011 existiert eine Neufassung der Heilmittelrichtlinie. Dem Gemeinsamen Bundesausschuss obliegt die Regelung, Versicherte ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich mit Heilmitteln zu versorgen. Zudem kümmert sich Gemeinsame Bundesausschuss um den diagnostischen oder therapeutischen Nutzen, die medizinische Notwendigkeit und die Wirtschaftlichkeit neuer Heilmittel.

Kinder mit zentralen Bewegungsstörungen

Kinder (bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres), die zentrale Bewegungsstörungen aufweisen, haben Anspruch auf Krankengymnastik. Krankengymnastik kann zur Erleichterung des Bewegungsablaufs nach Bobath oder Vojta verordnet werden. Diese Therapien verstehen sich grundsätzlich als Einzelbehandlung.

Fristen zur Einlösung der Verordnung

Generell muss eine physikalische Therapie innerhalb von 10 Tagen nach Ausstellung des Rezeptes erfolgen. Wer eine Stimm-, Sprech-, Sprach- oder Ergotherapie benötigt, muss das Rezept innerhalb von 14 Tagen einlösen. Wer diese Fristen versäumt, muss damit rechnen, dass die Verordnung ungültig wird.

Wird eine Behandlung über einen längeren Zeitraum unterbrochen, wird das Rezept ebenfalls ungültig. Wer physikalische Therapien erhält, muss Sorge tragen, dass zwischen zwei Heilmittelbehandlungen nicht mehr als 10 Tage liegen. Bei Stimm-, Sprech-, Sprach- oder Ergotherapie darf die Unterbrechung nicht länger als 14 Tage in Anspruch nehmen.

Anzahl der verordneten Einheiten

Die Anzahl der verschriebenen Einheiten ist abhängig vom Krankheitsbild. Generell werden in der physikalischen Therapie zwischen sechs und zehn Einheiten verordnet. Bei der Stimm-, Sprech-, Sprach- oder Ergotherapie sind es zehn Einheiten. Mögliche Folgeverordnungen richten sich nach allgemein gültigen Höchstmengen hinsichtlich der Heilmittel-Behandlungen.

Längerfristige Verordnungen

Ist es medizinisch angezeigt, können Heilmittel auch längerfristig verordnet werden. Vor Antritt der Behandlung, muss diese jedoch von der zuständigen Krankenkasse genehmigt werden. Seit dem 1. Juli 2011 besteht für Patienten, die unter schweren dauerhaften funktionellen/strukturellen Schädigungen leiden, die Möglichkeit, ohne erneute Überprüfung des Behandlungsbedarfs durch einen Arzt, eine langfristige Genehmigung von Heilmittelbehandlungen von der jeweils zuständigen Krankenkasse zu erhalten.

Heilmittel und Frühförderung

Der Anspruch auf Heilmittelversorgung wird nicht durch den Anspruch auf Frühförderung aufgehoben. Ist eine Ergotherapie bereits in der Frühförderung erhalten, kann diese jedoch nicht zusätzlich ambulant verordnet werden.

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