Was ist die Praxisgebühr bei gesetzlichen Krankenkassen?

Die Praxisgebühr in Höhe von 10 Euro braucht seit Januar 2013 nicht mehr entrichtet zu werden. Studien gelangten zu dem Ergebnis, dass die Erhebung der Gebühr nicht den gewünschten Lenkungseffekt erzielte.

Die Erhebung der Praxisgebühr

Mit der Einführung der Praxisgebühr im Jahr 2004 wollte man den Krankenkassen zusätzliche finanzielle Mittel bescheren. Zudem plante man mit Hilfe der Praxisgebühr eine Vermeidung einer weiteren Erhöhung der Beitragssätze. Als angenehmer Nebeneffekt sollte sich die Zahl der Arztbesuche reduzieren.

Die Regierung setzte fest, dass bei einem Arztbesuch pro Quartal 10 Euro fällig werden. Wer zum Zahnarzt musste, wurde nochmals zur Kasse gebeten und auch in Notfallpraxen musste die Praxisgebühr zusätzlich entrichtet werden. Für Kontrollbesuche beim Zahnarzt, Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen sowie Schutzimpfungen brauchten die Patienten keine Gebühr zu entrichten. Jugendliche unter unter 18 Jahren und Menschen, die eine Zuzahlungsbefreiung von der Krankenkasse vorlegten, mussten ebenfalls nichts zahlen.

Die Abschaffung der Praxisgebühr

Da die Krankenkassen derzeit finanziell gut aufgestellt sind, sie verfügen über einen Überschuss von weit über 20 Milliarden Euro, beschloss die Regierung im November 2012 die Abschaffung der Praxisgebühr zum 1. Januar 2013. Zudem ergaben Untersuchungen, dass die Praxisgebühr nicht zum gewünschten Erfolg, nämlich einem Absinken der Arztbesuche, führte. Nach einem kurzen Rückgang im ersten Jahr pendelten sich die Deutschen auf ihrem gewohnt hohem Niveau ein und konsultieren durchschnittlich 18 Mal pro Jahr einen Mediziner.

Die Erhebung der Praxisgebühr hatte somit keinen steuernden Charakter. Vielmehr verursachte sie zusätzlichen Arbeitsaufwand und damit erhöhte Kosten für die Arztpraxen. Der Normenkontrollrat ermittelte, dass die Verwaltungskosten der Praxisgebühr bei rund 300 Millionen Euro liegen. Im vergangenen Jahr bescherte die Praxisgebühr den Kassen jedoch 2 Milliarden Euro an Mehreinnahmen.

Überweisungen

Mit dem Wegfall der Praxisgebühr braucht der Hausarzt keine Überweisungen zum Facharzt als Beleg für die Befreiung von der Praxisgebühr auszustellen. Allerdings empfiehlt sich der Gang zum Hausarzt, bevor man einen Facharzt aufsucht, da der Hausarzt über das weitere Vorgehen informiert wird, wenn er dem Patienten eine Überweisung ausstellt. Wenn der Hausarzt den Überblick behält, können überflüssige Mehrfachuntersuchungen und potentiell nicht aufeinander abgestimmte Medikamentenverordnungen vermieden werden.

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