27.11.2017

PKV: Welcher Tarif ist von der Beitragskeule betroffen?

AXA, Allianz, Barmenia und Hallesche mit Beitragsanpassungen

Bis zum Monatsende erhalten Millionen Privatversicherte die Mitteilung über die ab Januar 2018 gültigen Prämien. In der Regel enthalten die Schreiben der Versicherer Beitragserhöhungen. Mitunter steigen die Beiträge im zweistelligen Prozentbereich an. Welche Tarife betroffen sind und was Versicherte dagegen tun können.

Ob Allianz, AXA, Barmenia, Central, Hallesche oder Signal Iduna - Privatversicherte dieser Unternehmen erhalten in diesen Tagen die Mitteilung über die anstehende Beitragserhöhung. Zum 1. Januar 2018 verteuern sich zahlreiche Tarife - im Extremfall um bis zu 30 Prozent.

Hintergrund zur Beitragsanpassung 2018

In der Vergangenheit begründeten die privaten Krankenversicherer die Beitragsanpassung stets mit höheren Ausgaben für medizinische Leistungen und Personal sowie dem medizinischen Fortschritt. Zudem musste die gestiegene Lebenserwartung bei der Prämienkalkulation erfasst werden.

Neu ist, dass auch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) einen massiven Druck auf die Beiträge ausübt. Ein Teil der Beiträge, der nicht für Kosten aufgewendet werden muss, wird für die Versicherten am Kapitalmarkt angelegt. Damit sollen höhere Gesundheitskosten im Alter abgefedert werden. Konnten die PKV-Anbieter bis vor ein paar Jahren für ihre Kunden noch mit einem Garantiezins von 3,5 Prozent kalkulieren, so liegt der Rechnungszins derzeit bei lediglich 2,5 bis 2,75 Prozent. Allein dieser Rückgang sorgt für einen Beitragsanstieg von mehr als 10 Prozent.

Welche Tarife werden 2018 teurer?

Ob Neukunden oder Bestandsversicherte, ob Bisex- oder Unisex-Tarife - in fast allen PKV-Tarifen kommt es zum 1. Januar 2018 zu Prämienanpassungen. Besonders betroffen ist z.B. der Tarif Vital300-U der AXA. Hier müssen Neukunden zum Jahreswechsel 38 Prozent mehr hinblättern. Und auch im Einsteigertarif ELBonus-U wird es mit einer Steigerung von 21 Prozent deutlich teurer. Zwar hat es in diesen Tarifen seit 2013 keine Anpassung gegeben, trotzdem ist der Anstieg enorm.

Die Allianz erhöht die Neugeschäftsbeiträge für die Tarife AMBSU (AktiMed Best), AM90PU und AMP90U (AktiMed Plus) im zweistelligen Prozentbereich. Auch die Primärarzttarife AMP90PU, AMP70PU und AM90PU werden stark erhöht. Im Schnitt über alle Kunden verteuert die Allianz die Beiträge um sieben Prozent.

Nach Jahren mit stabilen Beiträgen muss die Hallesche zum 01.01.2018 in den wichtigsten Tarifen eine Beitragsänderung vornehmen. So erhöhen im Premiumsegment die Tarife NK1 um 9 Prozent und NK.2 um 5 Prozent. Der Tarif NK.4 wird um 31,58 EUR teurer. Im mittleren Preis-Leistungsbereich erhöhen sich die Prämien für die Tarife KS.1, KS.2 und KS.Bonus um 8 Prozent. Doch auch Altversicherte in den PRIMO-Tarifen müssen mit Anpassungen zwischen 10,17 bis 17,76 Prozent rechnen (PRIMO SB 1 Z, PRIMO Bonus, PRIMO Bonus Z+).

Bei der Central müssen Versicherte der Tarife central.privat2, central.privat3 und central.privatpro2 Erhöhungen von mehr als 10 Prozent hinnehmen. Die Signal Iduna erhöht die Prämien für die Tarifreihe Esprit und KOMFORT in nahezu allen Tarifstufen. Bei der Barmenia müssen Versicherte der Tarife einsA expert 1 und einsA expert2 sowie einsA prima1, einsA prima2 und einsA prima3 massive Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen.

Was können Versicherte bei Beitragserhöhungen tun?

Seit ein paar Jahren gibt es für Privatversicherte gesetzlich festgelegte Möglichkeiten, beim aktuellen Versicherer in einen günstigeren Tarif zu wechseln. Jeder Kunde hat das Recht, in einen günstigeren Tarif mit gleichartigem Versicherungsumfang beim eigenen Anbieter zu wechseln. Dabei werden die bisher angesparten Altersrückstellungen mitgenommen und eine erneute Abfrage der Gesundheitsdaten entfällt. Doch wie findet man einen günstigeren Tarif?

Sinnvoll ist es, einen Versicherungsberater oder -makler einzuschalten, der über langjährige Erfahrungen im PKV-Markt verfügt. Diese können beim Versicherer die möglichen Tarife erfragen und stellen dem Kunden einen Vergleich von Beitrag und Leistung von Alt- und Neutarif zur Verfügung. Nur so ist gewährleistet, dass der Tarifwechsel nicht zu einer Verschlechterung des Versicherungsumfangs führt.

Eine Alternative zum Tarifwechsel ist die Erhöhung der Selbstbeteiligung. So bleiben wirklich identische Leistungen versichert, nur muss der Betroffene im Krankheitsfall tiefer in die eigene Tasche greifen. Wem das alles nichts nützt und die Unzufriedenheit mit der eigenen PKV gar zu groß ist, kann einen Wechsel des Anbieters in Betracht ziehen. Hier hat der Gesetzgeber den Wechselzeitraum bei Beitragsanpassungen auf zwei Monate ausgeweitet. Aktuell bedeutet das für Betroffene, dass sie sich über den Jahreswechsel hinaus bis zum 31. Januar 2018 für einen alternativen Versicherer entscheiden können.

Vergleich zur privaten Krankenversicherung