11.11.2016

PKV: Beitragsanpassung 2017 aufgrund von Niedrigzins

Welche Versicherer ihre Beiträge anpassen

Zum Jahreswechsel erhalten Millionen Privatversicherte eine Beitragsanpassung von ihrer privaten Krankenversicherung (PKV). Der PKV-Verband hatte bereits vor „untypischen Beitragserhöhungen“ im zweistelligen Prozentbereich zum 1.1.2017 gewarnt. Bei einigen Versicherern steht bereits fest, dass die Prämien deutlich nach oben. Steigende Leistungsausgaben und der seit Jahren anhaltende Niedrigzins auf den Kapitalmärkten sind die Hauptgründe.

Es ist ein Ritual, dass alljährlich im November privat Krankenversicherte betrifft, und zwar die Mitteilung über die neuen Prämien in der PKV zum Jahreswechsel. Nach den bereits vorliegenden Mitteilungen zur Beitragsanpassung 2017 lässt sich feststellen, dass es Tarife mit einer Beitragsgarantie bis Ende 2017 gibt und auf der anderen Seite bestimmte Tarife um bis zu 30% erhöht werden müssen. Grundsätzlich sind vor allem die geschlechtsunabhängig kalkulierten Bisex-Tarife von stärkeren Erhöhungen betroffen, während für die seit Ende 2012 eingeführten Unisex-Tarife (gleiche Prämien für Frauen und Männer) nur geringere Anpassungen erforderlich sind.

Welche Tarife sind betroffen?

Bei der AXA Krankenversicherung müssen Altkunden in den Tarifen Vital 750 (Männer), ECORA 1300 (Männer), EL 400 (Frauen und Männer) sowie EL Bonus und EL-Bonus-N (Männer) deutliche Aufschläge hinnehmen. Die Anpassungssätze liegen bei 17 bis 26%. Betroffene müssen teilweise bis zu 100 € mehr pro Monat für ihren Versicherungsschutz entrichten. Demgegenüber gilt für die Unisex-Tarife Vital 300 / 99-U und Vital 300 / 900-UA eine Beitragsgarantie bis Ende 2017.

Auch beim Münchener Verein geht es für Bestandskunden teilweise im zweistelligen Prozentbereich nach oben. So verteuert sich z.B. der Tarif BONUS-CARE (Tarif 861) um über 12% (oder 67 €). Ähnliche Zahlen gibt es bei der HanseMerkur für die Tarife KVT1, KVT1000 und KVT500. Bei der Hallesche Krankenversicherung liegen die Erhöhungen im Neugeschäft für Unisex-Tarife bei ca. 3-5% in den Tarifstufen KS.2, NK.2 und NK.Bonus. Im NK.4 liegt die Anpassung sogar noch darüber. Allerdings verringern sich die Prämien in den Tarifen KS.3, MAS.1 und MAS.Bonus.

Bei der INTER Krankenversicherung gibt es im Qualimed Basis 1200 U und Qualimed Basis 300 U hohe Anpassungsraten. Hier liegt der Aufschlag für Kinder und Jugendliche bei 20%, während Erwachsene zwischen 7 bis 13% mehr zahlen müssen. Noch stärker geht es bei der Continentale in den Unisex-Tarifen mit den Beiträge nach oben. Im COMFORT-U liegt der Beitragsanstieg bei 9 bis 14%, der ECONOMY-U muss sogar zwischen 22 bis 25% erhöht werden. In der BUSINESS-Tarifreihe geht es um bis zu 12% nach oben.

Warum gibt es diese starken Erhöhungen?

In der PKV führen in diesem Jahr zwei Faktoren zu den überdurchschnittlichen Anpassungsraten: Steigende Leistungsausgaben und niedrige Zinsen am Kapitalmarkt. Die Kosten für medizinische Behandlungsmethoden und neuartige Medikamente verteuern den Gesundheitsschutz. Private Krankenversicherer können die Tarife erst anpassen, wenn bestimmte auslösende Faktoren anspringen. Dies führt dazu, dass bestimmte Tarife über Jahre nicht angepasst werden (können). Liegen die Voraussetzungen für eine Beitragserhöhung vor, werden dann sämtliche neue Faktoren einkalkuliert, u.a. auch die höhere Lebenserwartung und das Zinsumfeld.

Vor allem der anhaltende Niedrigzins belastet die PKV-Gesellschaften und erfordert eine Anpassung der Altersrückstellungen. Im Schnitt erwirtschaften die Versicherer heutzutage bis zu 2 Prozentpunkte weniger für die Kapitalanlagen im Vergleich zu 2010. Daraus ergibt sich ein massiver Anpassungsbedarf, damit die höheren Gesundheitskosten im Alter finanziert werden können.

Was können Versicherte tun?

Eine Beitragserhöhung muss man nicht klaglos hinnehmen. Versicherte haben folgende Optionen:

Welche dieser Varianten die geeignete ist, lässt sich nur individuell bei Ansicht der Versicherungsleistungen und der angesparten Altersrückstellungen beurteilen. Vorteil für die meisten Privatversicherten: Ein Großteil der PKV-Unternehmen wendet bereits die Tarifwechselleitlinien des PKV-Verbandes an. Damit verpflichten sich die Versicherer, ihre Kunden beim Tarifwechsel zu unterstützen und verständliche Informationen zur Verfügung zu stellen.

Vergleich zur privaten Krankenversicherung