07.11.2016

AXA: Beitragsschock für PKV-Altkunden

Prämienanpassung in Bisex-Tarifen bis zu 25%

Ende der Woche erhalten die Kunden der AXA Krankenversicherung die Mitteilung über die Beitragsanpassung zum 1. Januar 2017 in der privaten Krankenversicherung (PKV). Betroffen sind vorwiegend Altkunden in sogenannten Bisex-Tarifen. Die Prämien verteuern sich im zweistelligen Prozentbereich - teilweise bis zu 25%.

Man konnte es nach den Meldungen der vergangenen Wochen bereits erahnen, dass die anstehenden Beitragsanpassungen heftig ausfallen würden. Der PKV-Verband warnte aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten bereits vor „untypischen Beitragserhöhungen“ zum Jahreswechsel. Im Schnitt sollten die Prämien für rund sechs Millionen Privatversicherte um elf bis zwölf Prozent steigen. Nun liegen die ersten Zahlen vor und man muss feststellen, dass die tatsächlichen Anpassungssätze deutlich darüber liegen können.

AXA: Vital 750, ECORA 1300 und EL Bonus mit Ausreißern

Einen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Wochen noch kommen mag, liefert aktuell die AXA Krankenversicherung. Nachdem im vergangenen Jahr bereits einzelne Tarife überdurchschnittlich betroffen waren, sind nun die restlichen Tarife an der Reihe. Beim Blick auf die betroffenen Tarife fällt auf, dass die aktuell angebotenen Unisextarife nicht erhöht werden. Hier greift die vom Versicherer ausgesprochene Beitragsgarantie bis 1.1.2018 (Vital 300 / 900-U, Vital 300 / 900-UA).

Demgegenüber müssen langjährig Versicherte mit heftigen Ausschlägen rechnen. Dies betrifft vor allem Versicherte in den Tarifen Vital 750 (Männer), ECORA 1300 (Männer), EL 400 (Männer und Frauen), EL Bonus und EL-Bonus-N (Männer). Im Vital 750 liegen die Erhöhungen zwischen 17,39% (oder 78,97 €) bis hin zu 19,47% (oder 100,33 €). In den Einsteigertarifen EL 400, EL Bonus und EL Bonus-N reichen die Werte von 20,64% (oder 74,52 €) bis zu 25,78% (oder 67,62 €).

Niedrigzins und gestiegene Leistungsausgaben als Preistreiber

In der Begründung zur Beitragsanpassung verweist die AXA vor allem auf die Rechnungszinsabsenkung und die überproportional gestiegenen Leistungsausgaben. Die niedrigen Renditen am Kapitalmarkt sorgen dafür, dass der ursprünglich für den Tarif kalkulierte Rechnungszins abgesenkt werden muss. Dies hat zur Folge, dass ein deutlich höherer Betrag für die Altersrückstellung von den Kunden aufgebracht werden muss. Als Faustformel gilt, dass eine Zinssenkung von 0,1 Prozent eine Beitragserhöhung von 1 bis 1,5 Prozent nach sich zieht. Kein Wunder also, wenn jetzt die Bisex-Tarife im zweistelligen Prozentbereich angehoben werden. Von der Niedrigzinsphase sind alle private Krankenversicherer betroffen.

Weiterhin begründet die AXA den Prämienanstieg mit den deutlich gestiegenen Ausgaben für Diagnoseverfahren, Medikamente sowie neuen Behandlungsmethoden. Spannend dürfte nun sein, mit welchen Ausschlägen bei anderen PKV-Gesellschaften zu rechnen ist.

Kundeninformation und Optionen

Im Monat November informieren die privaten Krankenversicherer traditionell ihre Kunden über die neuen Beiträge ab dem 1. Januar des Folgejahres. Hat sich ein Versicherer den Tarifwechselleitlinien des PKV-Verbandes angeschlossen, erhält jeder Versicherte, der das 55. Lebensjahr vollendet hat, einen Hinweis zur Beitragsreduzierung. Trotzdem sollte der Umstieg in einen anderen Tarif sorgfältig geprüft werden. Denn nicht immer bietet der neue Tarif den gewünschten Versicherungsumfang und / oder die gewünschte Ersparnis.

Weiterhin besteht bei einer Beitragsanpassung die Möglichkeit, dem Versicherer den Rücken zu kehren und sich einem neuen Anbieter anzuschließen. Der Wechselzeitraum endet zum 31. Januar 2017, so dass Betroffene ausreichend Zeit für einen Vergleich haben. Vorsicht: Langjährig Privatversicherte verlieren bei einem Wechsel die bisher angesparten Altersrückstellungen. Zudem erfolgt bei einem Neuabschluss eine erneute Gesundheitsprüfung. Bei Vorerkrankungen und gesundheitlichen Beschwerden besteht somit die Gefahr, dass Zuschläge einem Wechsel im Wege stehen.

Vergleich zur privaten Krankenversicherung