Krankenversicherung für Existenzgründer

Gesetzlich oder privat? Existenzgründer können wählen

Eine der ersten Entscheidungen, die ein Gründer zu treffen hat, ist die Wahl der Krankenversicherung. Da Selbständige kraft Gesetz nicht pflichtversichert sind, können sich Existenzgründer zwischen gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen entscheiden. Beiträge und Leistungen von GKV und PKV sind jedoch unterschiedlich. 

Wer den Schritt in die Selbständigkeit wagt, sollte sich vorab über die Kosten der Krankenversicherung im Klaren sein. Denn als Selbständiger muss man den Beitrag vollständig aus der eigenen Tasche zahlen, also Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil! Zur Vermeidung von Nachteilen empfiehlt es sich, vorab Kontakt mit der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) aufzunehmen, um feststellen zu lassen, ob die Tätigkeit tatsächlich selbstständig oder als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ausgeübt wird.

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Krankenversicherungspflicht gilt auch für Gründer

Jeder Existenzgründer muss den Schutz durch eine Krankenversicherung nachweisen, egal ob bei einer gesetzlichen oder privaten Kasse. Aufgrund des Versichertenstatus können sich Selbstständige frei entscheiden, ob sie Mitglied eines gesetzlichen oder eines privaten Versicherers werden.

Existenzgründer können sich in der GKV nur als freiwilliges Mitglied versichern. Dazu müssen sie bereits vor Gründung gesetzlich versichert gewesen sein. Allerdings sorgt eine Regelung im Sozialgesetzbuch dafür, dass seit 2013 keine Vorversicherungszeiten erfüllt sein müssen und keine ausdrückliche Willenserklärung vorliegen muss (§ 188 Absatz 4 SGB V). Mit anderen Worten: Wer bereits als Arbeitnehmer Kassenmitglied war, kann sich unmittelbar im Anschluss als Selbstständiger weiterversichern. Der Gesetzgeber spricht in diesem Zusammenhang von einer „obligatorischen Anschlussversicherung“.

Die Krankenkasse informiert über die Weiterversicherung als freiwilliges Mitglied. Mit Zugang des Schreibens besteht ein 2-wöchiges Sonderkündigungsrecht, um in eine private Krankenversicherung zu wechseln. Die Kündigung wird nur dann wirksam, wenn der GKV die Absicherung im Krankheitsfall anderweitig (GKV oder PKV) abgesichert ist. Ansonsten läuft die GKV-Mitgliedschaft fort und kann zum Ende des übernächsten Monats gekündigt werden. Alternativ kann der Gründer gleich zu Beginn einer PKV beitreten. 

Grundsätzlich stellen sich für die Wahl der Krankenversicherung folgende Fragen:

  • Welche Leistungen sind wichtig?
  • Welchen Beitrag kann ich mir in der Startphase leisten? 
  • Wie teuer ist die Krankenversicherung, wenn die Gründung erfolgreich verläuft? 
  • Was passiert, wenn ich Insolvenz anmelden muss?
  • Wie teuer ist die Krankenversicherung in der Rente?
  • Kann ich zurück in die gesetzliche Kasse?

Was zahlen Existenzgründer in der GKV?

Grundsätzlich gilt auch für Gründer der Höchstbeitrag in der GKV, da die Beitragsbemessungsgrenze (2018: 4.425 Euro im Monat) als Einnahme herangezogen wird. Wer weniger verdient, muss dies der Krankenkasse nachweisen. Der Kassenbeitrag wird jedoch wenigstens vom Mindesteinkommen von derzeit 2.283,75 Euro im Monat (75 % der monatlichen Bezugsgröße) bemessen. 

Unter diesen Mindestbeitrag darf der GKV-Satz für Gründer nicht fallen. Ausnahmen: Auf Antrag kann der Beitrag geringer ausfallen, wenn ein sozialer Härtefall vorliegt oder wenn der Gründer Gründungszuschuss bezieht. In diesen Fällen werden 1.522,50 Euro im Jahr 2018 als Einkommen für die Beitragsberechnung herangezogen. Was heißt das nun in Zahlen?

  • GKV-Höchstbeitrag: 814,20 Euro
  • GKV-Mindestbeitrag: 420,16 Euro
  • GKV-Mindestbeitrag (Härtefall/Gründungszuschuss): 280,40 Euro

Berechnungsgrundlage: Allgemeiner Beitragssatz mit Krankengeldanspruch in Höhe von 14,6 % plus durchschnittlichem Zusatzbeitragssatz von 1,0 % (2018) und Pflegebeitragssatz für Kinderlose von 2,8 %.

Sonderregelung Gründungszuschuss

Eine Besonderheit greift bei Gründern, die einen Gründungszuschuss erhalten. Dieser Personenkreis muss den Krankenkassenbeitrag lediglich aus einem Mindesteinkommen von 1.487,50 EUR zahlen, sofern die geringen Einkünfte nachgewiesen werden. Für den Gründungszuschuss gelten folgende gesetzliche Voraussetzungen:

  • Gründung erfolgt aus der Arbeitslosigkeit heraus.
  • Restanspruch auf Arbeitslosengeld I beträgt noch mindestens 150 Tage.
  • Selbstständigkeit wird hauptberuflich ausgeübt.
  • Tragfähiges Unternehmenskonzept.

Private Krankenversicherung - eine Alternative für Gründer?

Existenzgründer können sich ohne Einkommensgrenzen für die private Krankenversicherung (PKV) entscheiden. In der Privaten richtet sich der Beitrag nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Geschlecht, dem Alter sowie dem Versicherungsumfang. Dies bedeutet, dass junge Menschen weniger zahlen als ältere. Gerade als Existenzgründer ist der Preis für die Krankenversicherung eine entscheidende Größe. Denn gerade zu Beginn der Selbständigkeit sollte man die Kosten im Griff behalten. In der PKV werden daher sogenannte Einsteigertarife angeboten. Die Leistungen orientieren sich am gesetzlichen Versorgungsniveau und bieten einen Grundschutz bei Krankheit. Vorteil dieser Tarife ist der geringe Beitrag.

Innerhalb einer bestimmten Frist (i.d.R. 5 Jahre) kann der Versicherungsschutz des Grundtarifs ohne erneute Gesundheitsprüfung ausgebaut werden. Auf diese Weise können Existenzgründer in der PKV den Versicherungsschutz den eigenen Einkommensverhältnissen anpassen.

Wer sich für einen Eigenbeteiligung zu den Krankheitskosten entscheidet, kann die monatliche Beitragsbelastung reduzieren. Die Höhe der Selbstbeteiligung kann je nach Tarif und Anbieter zwischen 300 und 3.000 Euro pro Jahr frei gewählt werden. Wichtig dabei ist nur, dass dieser Betrag vom Versicherungsnehmer auf dem Girokonto zurückgelegt wird. Denn im Krankheitsfall muss dieser Betrag zunächst aus dem eigenen Geldbeutel bezahlt werden.

Entscheidungskriterien für die PKV

Bei der Wahl der privaten Krankenversicherung spielen bestimmte Faktoren eine Rolle, die man vor einem Abschluss beachten sollte. Dazu zählen:

  • Welche Leistungen bietet der Tarif?
  • Seit wann existiert der Tarif?
  • Wie hoch waren die Beitragssteigerungen?
  • Wie solide ist das Versicherungsunternehmen?
  • Welche Höherversicherungsoptionen gibt es?
  • Welchen Service bietet die Versicherungsgesellschaft?

Da der Preis bei der PKV stets eine wichtige Rolle spielt, sollte man sich die Beitragsentwicklungen aus der Vergangenheit zeigen lassen. Aufschluss über die Qualität eines Versicherers geben zudem Test- und Ratingberichte von Finanztest, Assekurata, Morgen&Morgen oder dem map-Report.

Ein grundsätzliches Kriterium bei der Wahl der Krankenversicherung ist die Absicherung der Familienangehörigen. Eine beitragsfreie Familienversicherung für Ehepartner und Kinder gibt es bei den Privaten nicht. Somit ist die Frage der weiteren Familienplanung mitentscheidend bei der Wahl der Krankenkasse.

Einmal privat, immer privat - die Rückkehr in die Gesetzliche ist grundsätzlich ausgeschlossen. Einzige Ausnahme bildet die Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung. Gesetzlich ausgeschlossen ist die Rückkehr in die GKV für Personen ab dem 55. Lebensjahr.

Was kosten private Krankenversicherungstarife?

Versicherer Tarif Selbstbeteiligung in EUR Beitrag in EUR
HanseMerkur KVS3, T43, PVN 1.000 217,54
Württembergische ESU 900, KTU 43, PVN 900 248,05
Signal Iduna START, ESP-VS 43, PVN 480 252,47
Hallesche Primo.SB2 Z, URZ., KT.43, PVN 600 260,68
AXA EL Bonus-U, Kompakt Zahn-U, KTGV 42-U, PVN 360 270,91

Welche Krankenversicherung ist die richtige?

Klar spielen für StartUps die Kosten erfahrungsgemäß eine große Rolle. Als Gründer ist das Budget beschränkt und hohe Auszahlungen aus der Firma meist nicht drin. Die Wahl der Krankenkasse sollte jedoch nicht allein vom Beitrag abhängig gemacht werden. Je nach individueller Familiensituation kann die GKV oder PKV vorteilhaft sein. Folgende Kriterien sollten beachten werden:

  • Welche Leistungen sollen abgesichert werden?
  • Soll ein Ehe-/Lebenspartner oder ein Kind mitversichert werden?
  • Liegen Vorerkrankungen vor?
  • Wie alt sind Sie bei Vertragsabschluss?
  • Wie hoch soll die Selbstbeteiligung ausfallen?

Grundsätzlich lässt sich der Versicherungsschutz in der PKV flexibler gestalten. So kann man zu Vertragsbeginn einen günstigen Einsteigertarif wählen, der lediglich die Basisleistungen abdeckt, und bei Etablierung des Geschäftsmodells in einen höhenwertigen Tarif, z.B. mit Chefarztbehandlung, wechseln. Die GKV punktet mit der Möglichkeit, Familienmitglieder unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos mitzuversichern. 

Ausnahmeregelung für Künstler und Publizisten

Für selbständige Künstler und Publizisten greifen die Bestimmungen des Künstlersozialversicherungsgesetzes (KSVG). Für diesen Personenkreis gilt die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung. Hintergrund sind die unregelmäßigen und schwankenden Einkünfte von Schriftstellern, Journalisten und Künstlern. Die Mitgliedschaft besteht bei der gewählten Krankenkasse (AOK, BKK, Ersatzkasse, IKK, Knappschaft).

Doch keine Regel ohne Ausnahme. Unter folgenden Voraussetzungen können auch Künstler und Publizisten in die PKV wechseln:

  • Erstmalige Aufnahme einer künstlerischen Tätigkeit: Wird der Künstlersozialkasse eine PKV nachgewiesen, kann auf Antrag von der Pflichtmitgliedschaft in der GKV abgesehen werden. Der Antrag kann bis drei Monate nach Feststellung der Versicherungspflicht bei der Künstlersozialkasse gestellt werden. 
  • Bei laufender künstlerischer Tätigkeit, wenn in drei aufeinander folgenden Kalenderjahren das Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt. Die Befreiung muss bis zum 31. März des auf den 3-Jahres-Zeitraum folgenden Kalenderjahres beantragt werden.