Wie funktioniert der PKV-Tarifwechsel?

Vor allem die Generation 50plus sowie Personen im Ruhestand sorgen sich um die Bezahlbarkeit ihrer privaten Krankenversicherung (PKV). Durch die gesetzliche Regelung zum PKV-Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft (§ 204 Versicherungsvertragsgesetz - VVG) kann jeder Privatversicherte ohne Gesundheitsprüfung und Risikozuschlag in einen günstigeren Tarif wechseln. So kann man Beiträge sparen - ganz ohne Leistungseinbußen. Die Tipps & Fallstricke beim Tarifwechsel.

Die Gesetzeslage zum PKV-Tarifwechsel

Die gesetzlichen Grundlagen zum Tarifwechsel innerhalb der eigenen Krankenversicherung sind in § 204 VVG geregelt. Dort heißt es, dass der Versicherungsnehmer von seiner PKV eine Tarifumstellung in einen Tarif mit gleichartigem Versicherungsschutz verlangen kann. Im einzelnen sieht das Gesetz folgendes vor:

  • Mitnahme der Altersrückstellungen.
  • Keine Gesundheitsprüfung, sofern der Leistungsumfang identisch ist.
  • Bei Mehrleistungen kann ein Leistungsausschluss, Risikozuschlag und Wartezeit verlangt werden.
  • Der Versicherte kann den Leistungsausschluss für die Mehrleistung verlangen.
  • Für den Wechsel aus dem bzw. in den Basistarif gelten besondere Bedingungen.

Das Tarifwechselrecht steht jedem Privatversicherten unabhängig vom Alter oder Gesundheitszustand zu. Vor allem langjährig Versicherte über 55 Jahren profitieren von einer Tarifumstellung. Denn die angesammelten Altersrückstellungen werden in den neuen, günstigeren Tarif übertragen. Dadurch fällt die zu zahlende Prämie noch geringer aus. Wichtig: Eine aktuelle Gesundheitsprüfung ist nur erforderlich, wenn der neue Tarif höhere Leistungen als der alte Tarif beinhaltet.

Jedes PKV-Unternehmen ist zudem gesetzlich verpflichtet, ihren Kunden ab dem 60. Lebensjahr einen Vorschlag für einen günstigeren Vertrag zu unterbreiten. Der Versicherer muss dabei einen vergleichbaren Versicherungsschutz anbieten, der zu einer Reduzierung des Beitrags führt. Nach § 6 Abs. 4 VVG hat jeder Versicherer eine Auskunfts- und Beratungspflicht seinen Kunden gegenüber zu erfüllen. Wenn der Versicherer mauert, sollte man notfalls eine Beschwerde beim Vorstand des Versicherers einreichen oder beim Ombudsmann für die private Krankenversicherung einreichen.

Kann man in den Notlagentarif wechseln?

Nein, die Umstellung in den Notlagentarif wird automatisch durch den Versicherer vorgenommen. Ein eigenständiger Wechsel in den oder aus dem Notlagentarif durch den Versicherten ist ausgeschlossen. Wenn ein Kunde nach der zweiten Mahnung innerhalb eines Monats den Beitragsrückstand nicht ausgleicht, wird der PKV-Vertrag ruhend gestellt. Danach erfolgt die Umstellung in den Notlagentarif. Aktuell (Stand: Dezember 2013) sind 97.400 Personen im Notlagentarif versichert.

Informationen der Verbraucherzentralen

Die Verbraucherzentrale Hamburg bietet ebenfalls einen Service für Privatversicherte an, die ihren Tarif wechseln wollen. Die wichtigsten Informationen sind in einem Infoblatt zusammengefasst. Zudem bieten die Verbraucherschützer eine persönliche Beratung an. Gegen ein Honorar von 50 EUR für eine 45-minütige Beratung erhalten Wechselwillige eine computergestützte Beratung. Wer den Betrag nicht aufwenden möchte, kann sich mit dem hinterlegten Musterbrief von seiner PKV Angebote für Alternativtarife anfordern.

Vorsicht vor Wechselberatern

Die Not von Privatversicherten mit zu hohen Prämien nutzen seit ein paar Jahren verschiedene Dienstleister, um beim Tarifumstieg in einen günstigeren Tarif behilflich zu sein. Wer diese Beratung in Anspruch nimmt, sollte allerdings beachten, dass sich das Honorar aus der Ersparnis zwischen Alt- und Neutarif errechnet. Je größer diese ausfällt, desto höher ist das Honorar. Da besonders günstige Tarife empfindliche Leistungslücken enthalten können, sollte man die Tarifmerkmale vor einem Wechsel umbedingt vergleichen. Denn die Rückkehr in einen leistungsstärkeren Tarif ist nur mit erneuter Gesundheitsmöglich möglich. Meist ist es übrigens ausreichend, sich durch einen Mitarbeiter des Versicherers oder einen unabhängigen Makler beraten zu lassen - dann kostet der Tarifwechsel keinen Cent.

Probleme beim Tarifwechsel

Steigende Behandlungskosten, geringere Verzinsungen der Kapitalanlagen und immer ältere Versicherte - die privaten Krankenversicherungen leider unter steigenden Kosten und müssen diese  in Form an ihre Kunden höherer Beiträge weitergeben. Vor allem für ältere PKV-Kunden ist jedoch ein Wechsel des Anbieters aus gesundheitlichen Gründen kaum möglich. Zudem droht der Verlust der jahrelang aufgebauten Altersrückstellungen, die bei langjährig Versicherten bis zu 500 Euro im Monat ausmachen können. Wirtschaftlich sinnvoller ist in aller Regel der PKV-Tarifwechsel. Seit 1994 ist dieses Wechselrecht im Versicherungsvertragsgesetz in § 204 verankert.

Dort steht, dass Versicherte "in andere Tarife mit gleichartigem Versicherungsschutz unter Anrechnung der aus dem Vertrag erworbenen Recht und der Altersrückstellung" wechseln können. Was sich in der Theorie sinnvoll anhört, stößt in der Praxis jedoch auf Widerstand. Bei den Privatversicherern wird der Tarifwechsel nicht gern gesehen. Die neuen und kostengünstig kalkulierten Tarife sollen junge und möglichst gesunde Neukunden anziehen. Vollziehen jedoch Altversicherte den Wechsel in diese neuen Tarife, drohen auch hier massive Beitragsanpassungen. Kein Wunder, dass Betroffene nur selten einen Tarifvorschlag ihrer Versicherung für den optimalen Tarif erhalten.

Diese Sparmöglichkeiten haben Privatversicherte

Privatversicherte, die über einen zu hohen Beitrag klagen, haben verschiedene Möglichkeiten, den Beitrag zu senken, ohne den Anbieter zu wechseln. Folgende Optionen bieten Einsparungen:

  • Tarif wechseln: Durch den Wechsel in einen anderen Tarif bei derselben Versicherung werden die bisher angesparten Rückstellungen angerechnet. Auch bestimmte Rechte wie z.B. Begrenzungen für Zahnersatz werden übertragen. Eine erneute Gesundheitsprüfung entfällt. Einzige Ausnahme: Der neue Tarif beinhaltet ein größeres Leistungspaket. Anstellte einen Beitragszuschlags kann der Kunde aber einen Leistungsausschluss für die Mehrleistung verlangen. Ein Tarifwechsel bietet das größte Einsparpotenzial.
  • Selbstbeteiligung erhöhen: Die Anhebung der Eigenbeteiligung verringert die Prämie spürbar. Versicherte tragen einen höheren Anteil an den Krankheitskosten und zahlen die Rechnungen bis zu diesem Betrag aus der eigenen Tasche. Beachten sollte man, dass die Wahrscheinlichkeit, den Selbstbehalt auszuschöpfen, mit zunehmendem Alter steigt. Dies erhöht die finanzielle Belastung für die PKV. Und: Auch die Selbstbeteiligung kann - wie die Beiträge auch - angehoben werden.
  • Leistungen abspecken: Wer im bestehenden Tarif auf das Einbettzimmer mit Chefarztbehandlung im Krankenhaus verzichtet oder die Leistungen für Zahnersatz reduziert, kann bis zu 100 Euro pro Monat sparen. Allerdings verschlechtert sich der Leistungsumfang des Vertrags. Eine nachträgliche Erhöhung ist mit einer Gesundheitsprüfung verbunden. Unser Rat: Nur wenn ein Bestandteil nicht benötigt wird, sollte man ihn aus dem PKV-Vertrag streichen.  
  • Übertritt in den Standardtarif: Versicherte, die bereits vor 2009 Mitglied einer privaten Krankenkasse waren, und seit mindestens zehn Jahren versichert sind, können unter bestimmten Voraussetzungen in den Standardtarif wechseln. Zudem müssen Betroffene das 65. Lebensjahr vollendet haben oder, wenn das Einkommen eine bestimmte Einkommenshöhe nicht übersteigt, 55 Jahre alt sein. Für den Standardtarif gelten gesetzlich festgelegte Leistungen, die der gesetzlichen Krankenkasse ähneln. Außerdem ist der Höchstbeitrag an den GKV-Maximalbeitrag gekoppelt.  
  • Wechsel in den Basistarif: Der Basistarif ist ein Sozialtarif der PKV-Unternehmen. Die Leistungen entsprechen dem Kassenniveau. Der Beitrag ist auf den Maximalbeitrag der gesetzlichen Kassen begrenzt. Nur ALG II- oder Grundsicherungsempfänger zahlen den halben Satz. Für die meisten bringt der Umstieg jedoch keine Beitragsersparnis.

In der Praxis wehren sich die Privatversicherer mit allen Mitteln gegen den Umstieg von Versicherten in kostengünstige Tarife. So erhalten Kunden am Telefon schon mal falsche Auskünfte, z.B. dass ein Wechsel aufgrund von Vorerkrankungen nicht möglich sei oder dass es gar keine Alternativtarif gebe. Gern wird auch verschwiegen, dass beim Wechsel in umfassendere Tarife ein Leistungsausschluss für die Mehrleistung (z.B. 2-Bettzimmer mit Chefarztbehandlung) vereinbart werden kann. Unser Tipp: Schalten Sie einen unabhängigen Experten ein, der Sie bei der Krankenversicherung vertritt. Lassen Sie sich nicht abwimmeln, sondern fordern Sie hartnäckig ein Angebot!

Vergleich zur privaten Krankenversicherung

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