Was ist der Pflege-Bahr?

Pflege-Bahr- Für den Ernstfall private Vorsorge betreiben

Alle, die sich vor einem finanziellen Engpass im Falle einer Pflegebedürftigkeit schützen wollen, profitieren seit dem 4. Januar 2013 vom sogenannten Pflege-Bahr, der staatliche Zuschüsse für private Pflegeversicherungen leistet.

Pflege-Bahr soll Lücken schließen

Pflege und Versorgung im Alter sind mit steigenden Kosten verbunden, die im Idealfall bis zur Hälfte von den Pflegekassen übernommen werden. Menschen der Pflegestufe 3 erhalten beispielsweise nur bis zu 1.550 Euro monatlich und dies, obwohl ein Platz im Pflegeheim im Durchschnitt mit 3.000 Euro zu Buche schlägt. Reichen eigene Mittel des Betroffenen nicht aus, können finanzielle Ansprüche auch die Angehörigen treffen. Mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz sind Anreize geboten, sich auf freiwilliger Basis zusätzlich und kapitalgedeckt für den Ernstfall abzusichern. Unter der Bezeichnung Pflege-Bahr, benannt nach dem Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, ist die Neuverordnung seit dem 4. Januar 2013 in Kraft gesetzt.

Verbunden damit sind auch Angebote von Versicherungsunternehmen, eine förderfähige Pflegevorsorgeversicherung anbieten. Menschen mit geringem Einkommen haben dann erstmalig die Chance, mit staatlichen Zulagen von 60 Euro jährlich als Beitragsentlastung eine zusätzliche Pflegeversicherung abzuschließen. Der Pflege-Bahr beinhaltet auch, dass Versicherer einen Antragsteller nicht aufgrund besonderer gesundheitlicher Risiken ablehnen dürfen. Risikozuschläge, Gesundheitsüberprüfungen oder gar Leistungsausschlüsse sind somit nicht erlaubt, damit eine breite Masse von Versicherten die staatliche Förderung nutzen kann. Verbunden damit ist aber auch, dass der Eigenbeitrag für eine Pflegeversicherung den Mindestbeitrag von zehn Euro je Monat nicht unterschreiten darf.

Pflege-Bahr: Förderungen erleichtern Kapitaldeckung

Der Pflege-Bahr soll die finanziellen Auswirkungen des demografischen Wandels innerhalb unserer Gesellschaft mildern, denn immer mehr Menschen müssen meist über viele Jahre in Pflegeheimen aufwendig von Fachpersonal versorgt werden. Mit einer zielgerichteten und privaten Eigenvorsorge lassen sich finanzielle Engpässe verhindern, wenn die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht ausreichen. Zu den Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums gehört, dass eine förderfähige Pflege-Zusatzversicherung auf alle drei Pflegestufen zugeschnitten sein muss. Als Mindestabsicherung gilt für die Pflegestufe 3 eine monatliche Mindestleistung in Höhe von 600 Euro.

Von einer zentralen Stelle aus sollen in Zukunft die Zulagen über den Pflege-Bahr ausgezahlt werden, ähnlich wie die Förderung der Riester-Rente. Alle erforderlichen Formalitäten, die im Zusammenhang mit diesen speziellen Zusatzversicherungen stehen, müssen die Versicherer für ihre Kunden übernehmen, wenn erstmalig ein Antrag auf Zulagen gestellt wird. Dann profitieren die Versicherten von einer automatischen Förderung durch den Staat, ohne regelmäßig den Antrag aktualisieren zu lassen. Auf diese Weise soll der Verwaltungsaufwand in Grenzen gehalten werden und Abschlusskosten für den neuen Versicherungsvertrag werden auf ein Minimum begrenzt, sofern eine Police für eine Pflege-Zusatzversicherung förderfähig ist.

Pflege-Bahr: persönliche Kriterien entscheiden über Anspruch

Der Pflege-Bahr stellt auch Menschen mit geringen finanziellen Mitteln finanzielle Zusatzleistungen im Pflegefall in Aussicht. Jeder Zulagenberechtigte darf einen förderfähigen Versicherungsvertrag abschließen. Zu den Voraussetzungen gehört, dass der Antragsteller volljährig ist und als Versicherungsnehmer bei einer privaten oder gesetzlichen Pflegeversicherung geführt wird. Alle, die bereits Leistungen aus einer Pflegeversicherung beziehen, gehören nicht zu den Begünstigten, da mit dem Pflege-Bahr ausschließlich ein Vorsorgeprodukt gefördert werden soll. Ist der Leistungsfall eingetreten, entspricht dies nicht mehr den Bedingungen, um Geldleistungen aus einer privaten Zusatzversicherung beanspruchen zu dürfen.

Die zentrale Prüfstelle überprüft zunächst einen Antrag, der vom jeweiligen Versicherungsunternehmen weiter geleitet wird, auf seine Zulagenberechtigung. Um alles Weitere muss sich der Versicherte nicht mehr kümmern. Fällt das Prüfergebnis jedoch negativ aus, muss der Versicherer den Antragsteller darüber informieren, damit dieser einen Antrag auf Festsetzung stellen kann, um möglicherweise doch noch in den Genuss der Zulagen über den Pflege-Bahr zu kommen. Orientiert am Versicherungsunternehmen kann für den Leistungsfall ein Pflegetagegeld oder ein Pflegemonatsgeld vereinbart werden, die sich allein auf Geldleistungen beziehen und dem Versicherten zur individuellen Verfügung stehen.

Vergleich zur privaten Krankenversicherung

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