Keine Krankenversicherung - was tun?

In Deutschland haben im Jahr 2015 ca. 78.000 Menschen keine Krankenversicherung. Eigentlich dürfte es dies seit 2007 gar nicht geben, als die Krankenversicherungspflicht eingeführt wurde. Trotzdem gibt es immer noch Personen, die aus dem System gefallen sind. Wie der Weg zurück in die Krankenkasse gelingt und welche Strafen und Nachzahlungen drohen, haben wir zusammengestellt.

Offiziell sind in Deutschland ca. 78.000 Menschen ohne Krankenschutz. Doch die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Dennoch: Dass es überhaupt Personen ohne gesetzliche oder private Krankenversicherung gibt, ist per Gesetz eigentlich ausgeschlossen. Trotzdem gibt es Fälle, in denen der Schutz erlischt, z.B. wenn es jemand versäumt, sich freiwillig bei einer Krankenkasse anzumelden.

Seit 2013 ist zumindest die Lücke geschlossen worden, die entsteht, wenn sich der Versicherungsstatus ändert. Wenn z.B. ein Angestelltenverhältnis endet, führt die bisherige Krankenkasse die Mitgliedschaft automatisch im Rahmen der freiwilligen Versicherung weiter. Und der Ausstieg aus der Krankenversicherung ist nicht mehr möglich. Denn eine Kündigung wird nur vorgenommen, wenn der bisherigen Kasse der Nachweis einer sich anschließenden Krankenversicherung vorgelegt wird.

Warum gibt es Menschen ohne Krankenversicherung?

Oftmals handelt es sich bei den Personen ohne Versicherungsschutz um Selbstständige oder ehemals Selbstständige, mit geringen Einkünften. Dieser Personenkreis muss die Krankenversicherung komplett selbst bezahlen. Einige können sich die hohen Prämien einfach nicht leisten. Ihnen wurde die Mitgliedschaft vor Einführung der Versicherungspflicht (2007 in der GKV, 2009 in der PKV) gekündigt. Und wer sich nicht um eine Absicherung gekümmert hat, steht ohne Schutz da.

Welche Strafen drohen, wenn man sich nicht versichert?

Zwar ist es nicht strafbar, sich nicht zu versichern, aber es drohen empfindliche Nachzahlungen und Säumniszuschläge. Die Beiträge müssen nämlich rückwirkend entrichtet werden - und zwar für den Zeitraum, im dem trotz Versicherungspflicht keine Krankenversicherung bestanden hat. Maximal müssen Beiträge für einen Zeitraum von vier Jahren zurückgezahlt werden, weil Schulden nach vier Jahren laut Gesetz verjähren.

In der GKV liegt die "Strafgebühr" für jeden unversicherten Monat bei etwa 43 Euro zuzüglich Säumniszuschlag, bis die Beitragsschulden komplett getilgt sind. In der PKV hängt die Nachzahlung vom abgeschlossenen Tarif. Hier gilt: Je höher die Prämie, desto höher die Nachzahlung.

Wie hoch ist der Säumniszuschlag bei Nichtversicherung?

In der gesetzlichen Krankenversicherung wurde der Säumniszuschlag von fünf auf ein Prozent des ausstehenden Beitrags gesenkt. Damit soll Personen mit finanziellen Problemen der Weg zurück in die Krankenversicherung nicht unnötig erschwert werden. Trotzdem: Die Kassen erheben die Verzugszinsen bereits ab dem ersten Tag der Fälligkeit. Wer seiner Kasse also 3.000 Euro schuldet, zahlt monatlich Verzugszinsen von 30 Euro.

Was passiert, wenn man seine Beiträge nicht mehr zahlt?

Anders als früher ist eine Kündigung aufgrund der Nichtzahlung von Beiträge in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung ausgeschlossen. Aber: Der Versicherungsschutz ist eingeschränkt. Es besteht nur noch Schutz bei akuten Erkrankungen, Schmerzzuständen und Notfällen. Auch Schwangere und Kinder werden weiterhin versorgt. Eine gesetzliche Regelung zur Notfallversorgung existiert jedoch nicht. Hier legt jeder Anbieter die Spielregeln selbst fest. In der PKV erfolgt nach einem Jahr der Nichtzahlung die automatische Umstufung in den Notlagentarif. Die Beiträge liegen zwischen 95 Euro bis 130 Euro im Monat.

So kommen Sie zurück in die Krankenversicherung

  • Wer bereits eine Krankenversicherung hatte, wendet sich an den Versicherer, bei dem zuletzt eine Mitgliedschaft bestand. Gesetzlich Versicherte wenden sich also an ihre gesetzliche Kasse, Privatversicherte müssen zurück in die PKV.
  • Wer noch nie eine Krankenversicherung hatte, muss sich als Beamter, Freiberufler oder Selbstständiger an die PKV wenden. Angestellte und Rentner müssen sich eine gesetzliche Kasse suchen.

Wichtig: Eine Ablehnung des Aufnahmeantrags bei der zuständigen GKV oder PKV ist nicht möglich. In der privaten Krankenversicherung besteht allerdings nur das Recht auf den Basistarif. Einzige Ausnahme: Der Versicherer darf den Antrag ablehnen, wenn Sie ihn mutwillig durch falsche Gesundheitsangaben getäuscht haben.

Kann ich mich ohne Krankenversicherung vom Arzt behandeln lassen?

Auch Unversicherte müssen in Notfällen und bei Beschwerden vom Arzt behandelt werden. Nur in begründeten Ausnahmefällen darf ein Arzt die Behandlung ablehnen. Nach dem Termin muss der Patient innerhalb von zehn Tagen seinen Versicherungsschutz nachweisen. Dies erfolgt über die Gesundheitskarte oder Chipkarte der PKV. Wer keinen Nachweis erbringt, erhält wie ein Privatpatient eine Rechnung zugeschickt, die aus der eigenen Tasche zu zahlen ist.

Vergleich zur privaten Krankenversicherung

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