Beratungsprotokoll

Vorschriften für Anlageberatung

BeratungsprotokollSeit 2010 müssen Banken und Sparkassen die Anlageberatung mit dem Beratungsprotokoll dokumentieren. Verbraucher sollen durch die schriftliche Dokumentation besser vor Falschberatung geschützt werden. Das Wertpapierhandelsgesetz sieht Strafen bis zu 50.000 EUR vor, wenn das Beratungsprotokoll nicht den Erfordernissen entspricht.

Definition Beratungsprotokoll

Das Beratungsprotokoll wird in Deutschland bei allen Banken seit dem 01. Januar 2010 für die Dokumentation der Anlageberatung im Wertpapierbereich genutzt. Es muss vom Anlage- oder Bankberater immer dann erstellt werden, wenn Wertpapiere jeglicher Art gekauft oder verkauft werden, für die der Berater vorher eine Empfehlung ausgesprochen hat. Lediglich dann, wenn der Kunde einen Kauf- oder Verkaufsauftrag für Wertpapiere ohne Beratung ausführen will, ist ein Beratungsprotokoll nicht notwendig.

Das Beratungsprotokoll soll demnach die im persönlichen Gespräch getroffenen Vereinbarungen schriftlich festhalten und vor allem die jeweiligen Empfehlungen dokumentieren. Mit dem Beratungsprotokoll haben dann sowohl Verbraucher wie auch Banken ein Dokument in Händen, mit denen das Beratungsgespräch nachvollzogen werden kann. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn Regressanforderungen gestellt werden. Sollte der Berater tatsächlich falsche Empfehlungen ausgesprochen haben, ist die Bank regresspflichtig, und zwar über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Durch diese strengen Vorschriften soll die Kundenberatung bei den Banken, die in den letzten Jahren aufgrund von Fehlberatungen in die Kritik geraten ist, wieder transparenter und sicherer werden. Zudem soll das Protokoll dem Kunden die Möglichkeit eröffnen, gegen eine Falschberatung gerichtlich vorzugehen.

Gesetzliche Grundlagen

Die gesetzliche Grundlage des Beratungsprotokolls für die Anlageberatung ist die Novelle des Wertpapierhandelsgesetzes (kurz WpHG Novelle). Das Wertpapierhandelsgesetz, forderte die umfassende Beratung der Anleger über die jeweiligen Chancen und Risiken einer Wertpapieranlage. Zudem mussten die Berater umfassend erfragen, welche Risiken der Anleger bereit ist, bei seiner Kapitalanlage einzugehen. Sofern der Anleger angab, kein Risiko eingehen zu wollen, mussten die Banken dies bei der Auswahl der Produkte entsprechend beachten. So sollte verhindert werden, dass Anleger hoch riskante Produkte erwerben, obwohl sie eigentlich sicherheitsorientiert waren. Die Finanzkrise zeigte jedoch, dass die Angaben im Wertpapierhandelsgesetz nicht immer beachtet wurden oder aber keine umfassende Aufklärung der Risiken seitens des Beraters erfolgte.

Das Beratungsprotokoll für die Anlageberatung ist daher als eine Erweiterung des Wertpapierhandelsgesetzes gedacht und soll Anleger besser vor Falschberatung schützen. Durch das Beratungsprotokoll besteht eine umfassende Dokumentationspflicht des Beratungsgesprächs. Eine Ausfertigung dieses Protokolls zusammen mit allen notwendigen Produktunterlagen erhält dabei der Kunde, eine weitere Ausfertigung verbleibt bei der Bank zur Archivierung.

Inhalt des Beratungsprotokolls

Beim Beratungsprotokoll werden den Banken vom Gesetzgeber verschiedene Mindest-Inhalte vorgegeben. Hierzu gehört zuerst die Angabe der am Gespräch beteiligten Personen. Neben dem Anlageberater sind hier auch der Kunde selbst sowie weitere Teilnehmer, etwa Ehepartner oder Kinder, zu nennen. Daneben müssen die Banken die jeweilige Depotnummer angeben, die die Grundlage des Gesprächs darstellt. Zusätzlich können die Banken hier auch weitere vom Kunden vorgetragene Wünsche dokumentieren, etwa der Wunsch nach Verfügbarkeit des Kapitals.

Wie auch beim Wertpapierhandelsgesetz müssen die Banken dokumentieren, welche Kenntnisse der Kunde im Wertpapiergeschäft allgemein aufweist. Diese Daten können bei einem bereits bestehenden Wertpapierhandelsgesetz übernommen werden, sofern der Kunde bestätigt, dass diese Angaben weiterhin gelten. Sofern der Kunde bei seiner Anlage nun andere Ziele verfolgt oder aber chancenreicher bzw. sicherheitsorientierter investieren möchte, sind diese Angaben komplett neu zu erstellen und im Bogen des Wertpapierhandelsgesetzes separat zu erfassen.

Im nächsten Schritt ist im Beratungsprotokoll anzugeben, aus welchem Anlass das Gespräch geführt wird (bsp. Anlage neuer Gelder, Umschichtungen bestehender Depotpositionen, Verkaufsempfehlung der Bank) und ob die Initiative hierzu von der Bank oder aber vom Kunden ausging.

Erst jetzt wird im Beratungsprotokoll für die Anlageberatung die jeweilige Empfehlung der Bank festgehalten. Dabei können sowohl Kauf- wie auch Verkaufsaufträge und Umschichtungen separat mit der jeweiligen Wertpapierkennnummer sowie dem Volumen erfasst werden.

Sind sich Kunde und Berater über die einzelnen Aufträge einig, muss der Berater den Kunden nun noch über die beim Wertpapierkauf entstehenden Kosten und Provisionen informieren. Auch anfallende Depotgebühren sowie die bei Fondsanlagen anfallenden Verwaltungsgebühren müssen separat genannt werden. Weiterhin ist die Angabe zur Aushändigung von Verkaufsprospekten, Anlageempfehlungen oder weiteren Produktinformationen notwendig.

Um zu prüfen, ob der Umfang der Beratung angemessen war, ist am Ende des Beratungsprotokolls die Angabe über die Dauer der Anlageberatung notwendig. Besonders bei umfangreichen und schwer zu erklärenden Produkten sollten sich Berater daher Zeit für die Fragen ihrer Kunden nehmen, um diese umfassend beantworten zu können. Nur so kann der Kunde die oft komplexen Produkte verstehen und somit Chancen und Risiken selbst einschätzen.

Das Beratungsprotokoll für die Anlageberatung ist nun vom Kundenberater zu unterschreiben. Der Kunde selbst muss keine Unterschrift leisten.

Neue Kommunikationsmittel und Beratungsprotokoll

Um zu gewährleisten, dass das Beratungsprotokoll vor Eingabe eines Wertpapierauftrages vorliegt, sollte es idealerweise im Rahmen der Anlageberatung bei der Bank vor Ort gemeinsam mit dem Kunden ausgefüllt werden.

Viele Kunden haben jedoch nicht die Zeit, einen Beratungstermin bei der Bank wahrzunehmen und informieren sich daher telefonisch oder online über die neuesten Angebote. Insbesondere bei einem Aktienauftrag ist zudem der Zeitfaktor eine wichtige Komponente, denn wird der Auftrag erst einige Tage später ausgeführt, kann dies aufgrund veränderter Kurse zu Verlusten führen.

Sofern der Kunde den Wertpapierauftrag komplett ohne Beratung tätig, ist kein Beratungsprotokoll nötig. Nur dann, wenn der Berater schriftlich, per Mail oder am Telefon eine Anlageempfehlung ausspricht, ist die Erstellung des Beratungsprotokolls notwendig. Dieses kann dem Kunden per Fax, per Mail oder auf dem Postweg zugestellt werden. Erst dann, wenn der Kunde den Erhalt des Beratungsprotokolls bestätigt, kann die Eingabe der Wertpapierorder erfolgen.

Im Einzelfall haben die Banken zudem das Recht, einen Wertpapierauftrag auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden sofort nach dem Telefonat einzugeben. In diesem Fall muss das Beratungsprotokoll umgehend nachgereicht werden. Sollte der Kunde mit den Angaben im Beratungsprotokoll nicht einverstanden sein hat er das Recht, seinen Wertpapierauftrag binnen einer Frist von zwei Wochen zu widerrufen. Dieser wird dann ersatzlos storniert, eventuell erzielte Verluste werden erstattet.