Zertifikate
Grundlagen und Erläuterung
Eine mögliche Art von Geldanlage stellen die so genannten Zertifikate dar. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Finanzprodukten, die in den umfangreichen Bereich der Derivate fallen. Von der Art der Wertpapiers her fallen die Zertifikate in den Bereich Schuldverschreibungen, weshalb der Anleger auch immer das vorhandene Emittentenrisiko beachten muss.
Bei den Zertifikaten ist es so, dass diese immer an einen Wert eines anderen Produktes gekoppelt sind, wie zum Beispiel an bestimmte Aktien, an Rohstoffe oder an einen Index. Dieses jeweilige Finanzprodukt, auf den sich das Zertifikat bezieht, wird auch als Basiswert bezeichnet. In den meisten Fällen ist es so, dass der Wert des Zertifikates in einem festgelegten Verhältnis an den Preis des jeweiligen Basiswertes gekoppelt ist.
Funktionsweise von Zertifikaten
Geht man als Anleger zum Beispiel davon aus, dass sich der DAX Index in der Zukunft positiv entwickeln wird, so bietet ein Zertifikat mit Basis DAX dann eine gute Möglichkeit, in die Entwicklung des DAX zu investieren. Ein DAX-Zertifikat spiegelt den Wert des DAX, der zum Beispiel bei 5.500 Punkten liegt, allerdings nicht 1:1 wieder (dann müsste ein Zertifikat 5.500 Euro kosten), sondern in einem bestimmten Verhältnis, zum Beispiel 1:100. Bei einem DAX-Stand von 5.500 Punkten würde ein solches Zertifikat beim Verhältnis 1:100 dann also 55 Euro kosten.
Zukünftige Entwicklungen vollzieht das Zertifikat dann in prozentualer Hinsicht nach. Steigt der DAX also zum Beispiel drei Prozent, steigt auch der Wert des Zertifikates um drei Prozent. Wenn man sich dieses Beispiel verdeutlicht, wird die grundsätzliche Funktionsweise des Produktes Zertifikat schon recht deutlich.
Zertifikate: Welche Arten gibt es?
Bezüglich der Zertifikate muss man als Anleger allerdings wissen, dass es in diesem Bereich ganz unterschiedliche Varianten gibt. Es gibt also bei den vielen Zertifikaten am Markt keine einheitlichen Ausstattungen, sondern Zertifikate beinhalten oftmals ganz verschiedene Bedingungen und sind strukturell verschieden.
So gibt es zum Beispiel die so genannten Discountzertifikate, der Anleger kann in Garantiezertifikate, Hebelzertifikate, Knock-Out Zertifikate, Bonuszertifikate und noch viele andere Varianten investieren. Grundsätzlich kann man zwischen Zertifikaten mit einer befristeten Laufzeit und ohne Laufzeitbegrenzung wählen, den so genannten Open-End Zertifikaten.
Die unterschiedlichen Zertifikate unterscheiden sich zudem vor allen Dingen hinsichtlich des Anlagerisikos. Wer als Kunde zum Beispiel im Bereich Zertifikate großen Wert auf relativ hohe Sicherheit legt, der kann sich beispielsweise für ein Garantiezertifikat entscheiden, denn hier wird ein sehr großer Teil des investierten Kapitals, zumeist zwischen 80 und 100 Prozent, in der Hinsicht garantiert, dass man mindestens das investierte Kapital bei Fälligkeit des Zertifikates zurück erhält.
Bei den Hebelzertifikaten ist es zum Beispiel ganz anders, denn dort gibt es keine Garantien, dafür aber durch den Hebel eine Chance auf sehr gute Renditen, natürlich bei gleichzeitig höherem Risiko. Man muss also bei der Auswahl des Zertifikates als Anleger ganz genau schauen, um welche Art von Zertifikat es sich handelt, damit man den eigentlichen Zweck der Anlage auch verfolgen kann.
Vorteile und Nachteile von Zertifikaten
Wie jedes andere Produkt im Bereich der Geldanlagen, so weisen natürlich auch die Zertifikate für den Anleger Vor- und Nachteile auf. Zu den Vorteilen des Zertifikates zählt sicherlich die Tatsache, dass der Kunde bereits mit sehr wenig Kapital in vielen verschiedene Finanzprodukte über den „Umweg“ Zertifikat investieren kann, sogar in Rohstoffe oder in Indizes.
Diese große Auswahl an Zertifikaten ist ebenfalls ein Vorteil, denn aufgrund der unterschiedlichen Arten von Zertifikaten, angefangen vom Garantiezertifikat bis hin zum Knock-Out Zertifikat, ist im Grunde für jeden Typ von Anleger ein passendes Zertifikat vorhanden. Das beginnt beim sehr sicherheitsbewussten Anleger und endet beim sehr spekulativ eingestellten Kunden, der sich eine sehr hohe Rendite wünscht.
Diese große Vielfalt kann gleichzeitig aber auch als Nachteil der Zertifikate angesehen werden. Gerade als Anfänger wird man auf den ersten Blick nicht erkennen können, ob es sich bei dem gewünschten Zertifikat, in welches man investieren möchte, um ein Garantiezertifikat oder um eine Hebelzertifikat handelt. Es besteht also die Gefahr, dass man als Anleger mit der „falschen“ Auswahl des Zertifikats Risiken eingeht, die man eigentlich ausschließen wollte.
Somit muss man sich die Bedingungen zu jedem in Frage kommenden Zertifikat genau durchlesen. Das Zertifikat an sich ist aufgrund der vielen Varianten also ein sehr kompliziertes Produkt, anders als beispielsweise die Aktie oder der Investmentfonds, die alle nach dem gleichen Prinzip funktionieren. Ein weiterer Nachteil ist, dass neben dem Kursrisiko bei jedem Zertifikat für den Anleger ein Emittentenrisiko besteht. Der Emittent des Zertifikates kann wie jedes andere Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Ist dieses der Fall kann es durchaus sein, dass man als Zertifikatsinhaber und gleichzeitiger Gläubiger des Emittenten sein Kapital nicht zurück erhält. Bei Fonds gibt es dieses Emittentenrisiko zum Beispiel aufgrund des gebildeten Sondervermögens nicht.
