Private Krankenversicherung wechseln

Möglichkeiten zum PKV-Wechsel hängen vom Status ab

Die Wechselmöglichkeiten in der privaten Krankenversicherung hängen davon ab, wie Sie aktuell versichert sind. Sind Sie bereits privat versichert und wollen in eine andere PKV? Wollen Sie aus der PKV zurück in die GKV? Oder überlegen Sie als freiwilliges GKV-Mitglied im Jahr 2016 in die Private zu wechseln? Je nach Status gibt es unterschiedliche Voraussetzungen, Fristen und Optionen.

Einmal privat - immer privat, diese Aussage gilt in den meisten Fällen. Wer ein Leben Mitglied einer Versicherung ist, sollte vor dem Abchluss vieles beachten: Wie finanzstark ist der Versicherer? Wie stabil sind die Beiträge? Und vor allem: Welche Leistungen sind versichert bzw. welche Ausschlüsse gibt es? Ein Wechsel ist somit mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Wie Sie sicher und günstig die Kasse wechseln, erfahren Sie mit unserem Ratgeber.

1. Wechsel von der GKV in die PKV

Wechsel-Regelungen ab 2016

Wer als Arbeitnehmer gesetzlich versichert ist, kann nur dann in eine private Krankenkasse wechseln, wenn das Bruttogehalt oberhalb von 56.250 Euro liegt. Beamte, Freiberufler und Selbstständige können unabhängig von dieser Einkommensgrenze in die Private wechseln.

Unterschiede zwischen GKV und PKV

Der Umstieg vom gesetzlichen in das private System bedeutet aus verschiedenen Gründen einen radikalen Wechsel. In der PKV gibt es:

  • Keine beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartner und Kindern.
  • Kostenerstattungsprinzip: Rechnungen von Ärzten und für Arzneimittel erhält der Versicherte und reicht diese zur Erstattung an die Versicherung ein.
  • Beitragskalkulation: Nicht das Einkommen, sondern Alter, Vorerkrankungen und versicherte Leistungen bestimmen die Versicherungsprämie.
  • Freie Tarifwahl: Im Gegensatz zum vorgegebenen Leistungskatalog der GKV legt der Privatversicherte seinen Leistungsumfang und die Eigenbeteiligung selbst fest.

Schritt für Schritt in die PKV wechseln

1. Voraussetzungen für Wechsel prüfen

Beamte, Freiberufler und Selbständige können jederzeit in die PKV wechseln. Arbeitnehmer müssen oberhalb der aktuellen Versicherungspflichtgrenze verdienen. Zudem müssen die Wechselfristen eingehalten werden. Grundsätzlich kann man die GKV-Mitgliedschaft zum Ende des übernächsten Monats kündigen.

2. Ansprüche an eine PKV formulieren

  • Welche Leistungen sind mir wichtig (Brille, Heilpraktiker, Zahnersatz)?
  • Welches PKV-Unternehmen ist wirtschaftlich solide?
  • Welche Versicherer zählen zu den Testsiegern?

3. Lohnt der Wechsel in die PKV?

  • Bietet die PKV mehr Leistungen als die GKV?
  • Gibt es eine Beitragsersparnis?
  • Wie stabil sind die Beiträge in der PKV?

4. Antrag bei der PKV stellen

  • Vor Vertragsbeginn erfolgt in der privaten Krankenversicherung eine Gesundheitsprüfung.
  • Bei Vorerkrankungen sollte ein Antrag bei mehreren Versicherern gestellt werden.
  • Die Gesundheitsangaben müssen für alle mitversicherten Personen vorgenommen werden.
  • Persönliche Angaben (Adresse, Bankverbindung, Steuer-ID) ergänzen.

5. Kündigung der alten Krankenversicherung

Unter Beachtung der Kündigungsfrist muss die GKV-Mitgliedschaft schriftlich gekündigt werden. Die Kündigungsbestätigung der gesetzlichen Kasse erfolgt nur, wenn der Vertrag bei der privaten Krankenversicherung nachgewiesen werden kann. Der Wechsel in die PKV wird erst wirksam, wenn der Nachweis über die neue PKV rechtzeitig bei der alten Krankenkasse vorgelegt wird.

6. Nachweis der Vorversicherung

Nach Vertragsbeginn muss der PKV der Nachweis über die Vorversicherungszeiten in der GKV vorgelegt werden. Nur dann entfallen die Wartezeiten und Leistungen können sofort in Anspruch genommen werden.

2. Wechsel innerhalb der PKV

Langjährig Versicherte der Bisex-Tarifwelt

Privatversicherte mit Vertragsabschluss vor dem 21.12.2012 befinden sich in der sogenannten Bisex-Tarifwelt mit unterschiedlichen Prämien für Frauen und Männer. Wer nun infolge einer Beitragsanpassung den Versicherer wechseln möchte, sollte folgendes beachten:

  • Versicherte mit Vertragsabschluss ab 2009 können einen Teil der Altersrückstellungen zum neuen Versicherer mitnehmen (sog. Übertragungswert).
  • Versicherte mit Vertragsbeginn vor 2009 verlieren die vollen Rückstellungen beim Versichererwechsel.
  • Wer aus der Bisex- in die Unisex-Tarifwelt wechselt, verliert den Anspruch auf späteren Umstieg in den Standardtarif.
  • Eine Rückkehr in einen Bisex-Tarif ist nicht mehr möglich.

Grundsätzlich ist zu bedenken, dass beim Umstieg auf ein anderes PKV-Unternehmen eine erneute Risiko-/Gesundheitsprüfung erfolgt und beim Neueintritt das aktuelle Eintrittsalter für die Berechnung herangezogen wird.

Vereinfacht formuliert "rechnet" sich in der Regel ein Wechsel für Personen, die erst seit fünf bis sieben Jahren privat versichert sind und das 50. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Für alle anderen kann der Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft als die günstigere Variante erweisen.

Versicherte der Unisex-Tarifwelt

Unisex-Tarife mit gleichen Prämie für Frauen und Männer gelten für Versicherungsbeginne ab 2013. Da die Beiträge bei der Tarifgestaltung vorsichtig kalkuliert worden sind, kommt es nur zu wenigen Beitragsänderungen. Allerdings sollte man sich Sorgen machen, wenn sich der Schutz trotzdem um mehr als 10 Prozent verteuert. Aufgrund der kurzen Versicherungsdauer und der Mitnahmemöglichkeit der Altersrückstellungen sollte bei überproportionalen Prämienerhöhungen ein Wechsel in Erwägung gezogen werden.

PKV Tarifrechner

Sparen durch PKV-Tarifwechsel*

Versicherte Person aktueller Beitrag Beitrag bei Tarifwechsel in den Standardtarif Monatliche Ersparnis
* Das Sparpotenzial lässt sich nicht 1:1 auf jeden Versicherten übertragen. Es hängt von den gebildeten Altersrückstellungen und dem individuellen Versicherungsverlauf ab. Die Berechnungen dienen als Beispiel für eine mögliche Beitragsreduktion durch einen Tarifwechsel.
Frau (65 Jahre) seit 16 Jahren PKV-Kunde 595 Euro 230 Euro 365 Euro
Mann (77 Jahre) seit 16 Jahren PKV-Kunde 673 Euro 243 Euro 430 Euro
Mann (38 Jahre) seit 8 Jahren PKV-Kunde 570 Euro 374 Euro 196 Euro

Vorsicht vor Ratings

Zahlreiche PKV-Anbieter schmücken sich mit Ratings und Noten für ihre Produkte. Wer als Verbraucher Tests von verschiedenen Ratingagenturen vergleicht, wird verwundert feststellen, dass sich auf den Spitzenplätzen meist andere Versicherer tummeln. Wie kann das sein? Gibt es wirklich so viele „sehr gute“ Tarife? Und warum landet ein Anbieter mal auf Platz 1 und mal im hinteren Mittelfeld?

Nun, der Teufel liegt in den Bewertungskriterien. Wenn in einem Test der aktuelle Beitrag zu 70 Prozent in die Note einfließt, so finden sich auf den oberen Rängen meist die Tarife, die aktuell preisgünstig sind. So kann es vorkommen, dass ein Tarif mit unterdurchschnittlichen Leistungen weit oben landet, denn es handelt sich ja um einen günstigen Tarif…Doch auch die Leistungsvergleiche von PKV-Tarifen kratzen in der Regel eher an der Oberfläche, als eine wirklich Aussage über die Stärke eines Tarifs zu bieten.

Daher: Verlassen Sie sich nicht auf die Aussagen einzelner Testberichte. Hinterfragen Sie die Systematik einer PKV-Bewertung. Und lassen Sie sich die Allgemeinen Versicherungsbedingungen von einem ausgewiesenen Experten erklären. Dies sind in der Regel nicht die Mitarbeiter einer Verbraucherzentrale, sondern Versicherungsexperten, die das Kleingedruckte auch verstehen.

PKV-Beiträge: So viel kostet die PKV 2015

Eintrittsalter Einsteigerschutz Komfortschutz Topschutz
Hinweis: Bei abweichenden Leistungsvorgaben kann es zu Mehr- oder Minderprämien kommen.
25 ab 208,72 EUR ab 238,38 EUR ab 350,63 EUR
30 ab 235,58 EUR ab 269,99 EUR ab 387,47 EUR
35 ab 266,34 EUR ab 295,79 EUR ab 423,16 EUR
40 ab 302,11 EUR ab 323,75 EUR ab 464,57 EUR
45 ab 334,36 EUR ab 360,52 EUR ab 516,15 EUR
50 ab 372,01 EUR ab 405,74 EUR ab 576,86 EUR
grobe Eckdaten der Berechnung bis 600 EUR Selbstbeteiligung, Mehrbettzimmer, 60% Zahnersatz bis 600 EUR Selbstbeteiligung, 2-Bettzimmer, 75 % Zahnersatz, Heilpraktiker, amb. Psychotherapie ohne Primärarztprinzip, bis 600 EUR Selbstbeteiligung, 1-2-Bettzimmer, 75 % Zahnersatz, Heilpraktiker, ambulante Psychotherapie, GOÄ stationär über Höchstsatz

Wie kann man die PKV wechseln?

Wer bereits privat versichert ist, kann die PKV wechseln. Dies kann dann der Fall sein, wenn man mit den Leistungen nicht mehr zufrieden ist oder die Beiträge erhöht werden. Es gibt zwei Wechselmöglichkeiten:

  • Ordentliche Kündigung: In der Regel können Sie Ihre private Krankenversicherung mit einer Frist von drei Monaten zum Kalender- oder Versicherungsjahresende kündigen.
  • Außerordentliche Kündigung: Im Falle einer Beitragserhöhung können Sie die PKV mit Wirkung zum Erhöhungsdatum innerhalb eines Monats wechseln.

Der Wechsel der privaten Krankenversicherung kann jedoch mit Nachteilen verbunden sein. Daher sollte man sich auf jeden Fall den Rat eines unabhängigen Experten einholen.

Wer den Wechsel auf eigene Faust durchführen möchte, sollte einige Ratschläge beachten. In der Regel ist es vorteilhaft, den bestehenden Vertrag anzupassen oder einen Tarifwechsel beim aktuellen Versicherer vorzunehmen. Bei einem Wechsel zu einem anderen Unternehmen gehen in der Regel die angesparten Altersrückstellungen verloren. Daher sollte man klären, wie hoch die Rückstellungsbeträge sind und ob ggf. Teile davon mitgenommen werden können.

Bei Vorerkrankungen ist es ratsam, zunächst bei verschiedenen PKV-Unternehmen einen Antrag zu stellen. Nach erfolgter Risikoprüfung besteht die Möglichkeit, den nach Preis- und Leistungsgesichtspunkten optimalen Versicherer auszuwählen.

Der Kassenwechsel entfaltet jedoch nur dann seine Wirksamkeit, wenn neben dem Kündigungsschreiben auch ein Nachweis über eine bestehende Folgeversicherung eingereicht wird. Die neue PKV muss sich nahtlos an den alten Vertrag anschließen. Der Folgeversicherungsnachweis muss innerhalb von vier Wochen nach der Kündigung beim alten Versicherer eingegangen sein.

Verlängerte Kündigungsfristen bei Prämienerhöhungen

Die Kündigungsregelungen für Privatversicherte bei Beitragserhöhungen wurden kundenfreundlicher gestaltet. Nach Erhalt der Prämienanpassung (in der Regel bis Ende November) kann man sich zwei Monate (also bis Ende Januar des folgendes Jahres) um eine Alternative kümmern. Die Kündigung erfolgt zum Erhöhungstermin. Die Folgeversicherung muss sich direkt anschließen.

Zusätzlich lässt sich die Mitgliedchaft in der PKV ordentlich kündigen. Hierbei liegt die Frist bei drei Monate zum Kalenderjahres- oder Versicherungsjahresende. Wichtig: Dem bisherigen Versicherer muss der Nachweis der Folgeversicherung vorgelegt werden. Geschieht dies nicht, wird die Kündigung abgelehnt.

PKV Tarifrechner

Tarifwechsel nach § 204 VVG als Alternative

Eine Alternative zum GKV-PKV-Wechsel stellt der Tarifwechsel dar. Der § 204 Versicherungsvertragsgesetz garantiert jedem Kunden, jederzeit in einen anderen Tarif mit gleichartigem Versicherungsschutz beim selben Versicherer wechseln zu dürfen. Vorteil dieser Variante: Bereits erworbene Rechte und angesparte Altersrückstellungen bleiben erhalten. Allerdings verweigern viele Versicherer ihren Kunden zunächst den Umstieg. Vor allem alte Kunden - versicherungstechnisch gesprochen "schlechte Risiken" - erhalten nur mühsam die Information zu kostengünstigen Tarifen. Die PKV-Gesellschaften verlieren durch den Tarifwechsel nicht nur bares Geld, sondern müssen gleichzeitig hinnehmen, dass die günstig kalkulierten Neutarife gleich mit hohen Leistungsausgaben rechnen müssen. Dies hat künftige Beitragsexplosionen zu Folge.

Nichtsdestotrotz sind die Versicherer verpflichtet, ihren Bestandskunden eine Beratung und Gegenüberstellung von Alt- und Neutarifen anzubieten. In der Praxis empfiehlt sich die Beauftragung eines PKV-Beraters. Unabhängige Experten haben in der Regel einen direkten Draht zu den Vertragsabteilungen und klären die Versicherten über die Änderungen bei den Leistungen auf.

Vor allem bei Leistungseinbußen ist abzuklären, ob die Beitragsersparnis den Rückgang der Leistungen aufwiegt. Übrigens dürfen die Versicherer den Tarifwechsel nicht mit Hinweis auf höhere Leistungen im Neutarif verwehren. In diesem Fall kann der Kunde nämlich auf die Mehrleistungen verzichten. Auch ein Zuschlag für den Wechsel darf nicht erhoben werden. Das Bundesverwaltungsgericht untersagte der Allianz Krankenversicherung, einen Mehrbeitrag für Bestandskunden beim Wechsel in einen Neutarif zu erheben (Az. 8 C42.09).

Umstieg in Basis- oder Standardtarif möglich?

Seit 2009 muss jedes private Krankenversicherungsunternehmen einen Basistarif anbieten. Dabei handelt es sich um einen Sozialtarif mit gesetzlich fixiertem Höchstbeitrag. Die Leistungen orientieren sich im Katalog der gesetzlichen Krankenkassen. Kein Antragsteller darf aufgrund von Vorerkrankungen abgelehnt werden. Ein Risikozuschlag darf ebenfalls nicht verlangt werden.

  • Eine Zugangsberechtigung zum Basistarif haben freiwillig gesetzlich Versicherte in den ersten sechs Monaten nach Eintritt der Freiwilligkeit oder PKV-Kunden mit Vertragsbeginn ab 2009. Wer bereits zuvor Mitglied einer Privatversicherung war, kann den Basistarif wählen, wenn Hilfebedürftigkeit im Sinne des Sozialrechts vorliegt, dass 55. Lebensjahr vollendet haben oder Rentner sind. Bereits Privatversicherte können von ihrer PKV in den Basistarif einer beliebigen anderen PKV wechseln. Die Altersrückstellungen mindern den Beitrag. Mit Zusatzversicherungen kann der Versicherungsschutz des Basistarifs aufgestockt werden.
  • Ältere PKV-Kunden können zudem in den sogenannten Standardtarif wechseln. Auch hier liegt der Leistungsumfang lediglich auf GKV-Niveau und der Beitrag ist auf den GKV-Höchstbeitrag begrenzt. Im Unterschied zum Basistarif erfolgt im Standardtarif eine Gesundheitsprüfung, so dass Beitrag in der Regel geringer ausfällt. Wechselberechtigt sind Personen, die das 65. Lebensjahr vollendet haben, bereits vor 2009 Mitglied einer PKV waren und seit mindestens zehn Jahren privat versichert sind. Einzige Ausnahme: Versicherte ab 55, deren Einkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze der GKV liegt, können ebenfalls den Standardtarif wählen. Die angesparten Altersrückstellungen werden im ebenfalls angerechnet. Zusatzversicherungen können hingegen nicht abgeschlossen werden.