Warentermingeschäft
Warenterminhandel beliebt bei Erzeugern und Anlegern
Warentermingeschäft - Ursprung und Zweck
Das Warentermingeschäft hat seinen Ursprung im frühen 18. Jahrhundert, zu einer Zeit, als der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Importprodukten eine besondere Bedeutung erlangte. In Amsterdam wurden die ersten Termingeschäfte auf landwirtschaftliche Erzeugnisse eingeführt, um auf diese Weise Landwirten und Plantagenbesitzern in Übersee eine sichere Kalkulationsgrundlage zu bieten. Sie konnten ihre Erzeugnisse durch dieses besondere Börsengeschäft bereits verkaufen, wenn das Preisniveau für sie günstig war und so ein mögliches Risiko durch zukünftige Preisschwankungen ausschließen.
Nachdem zunächst Getreide an der Terminbörse gehandelt wurde, erlangte das Warentermingeschäft vor allem mit dem Import von Kaffee und anderen Erzeugnissen aus den früheren Kolonialregionen eine besondere Bedeutung. Später kamen weitere Rohstoffe wie Öl oder Metall hinzu, deren Preisbildung ebenfalls frühzeitig gesichert werden konnte. Für Händler hatte der Warenterminhandel den Vorteil, dass Waren bereits geordert werden konnten, lange bevor sie tatsächlich erhältlich waren. Sie konnten sich somit ihre Waren frühzeitig sichern und ihre Verkaufsposition behaupten. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte der Warenterminhandel eine größere Bedeutung, als im Jahr 1848 das Chicago Board of Trade gegründet wurde. Während der großen Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er Jahre reduzierte sich die Bedeutung dieses spekulativen Handels und setzte erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder mit neuen Erfolgen ein.
Warentermingeschäft - Chancen und Risiken
Das Warentermingeschäft war eines der ersten spekulativen Geschäfte an der Börse, das sich zunächst auf einen fiktiven Handel ausrichtete. Zu dem Zeitpunkt, zu dem die Waren an der Börse gehandelt werden, sind sie noch nicht verfügbar, werden aber unabhängig von einer möglichen zukünftigen Entwicklung bereits verkauft mit der Absicht, den tatsächlichen Warenaustausch erst zu einem späteren Zeitpunkt zu vollziehen. Erzeuger erhalten durch den Terminhandel ihrer Waren an der Börse eine hohe Preissicherheit und somit eine zuverlässige Kalkulationsgrundlage, denn sie wissen bereits vor der Ernte, welchen Preis sie für ihre Erzeugnisse erzielen werden. Händler genießen einen vergleichbaren Vorteil, da ihnen schon frühzeitig der Preis bekannt ist, den sie für die Ware bezahlen müssen. Auch sie verschaffen sich dadurch eine gewisse Kalkulationssicherheit.
Wie alle Geschäfte mit Ausrichtung in die Zukunft birgt aber auch das Warentermingeschäft Unsicherheiten, denn es ist zu einem frühen Zeitpunkt noch nicht sicher, ob die Lieferung tatsächlich zum vereinbarten Termin und in dem vereinbarten Umfang stattfinden wird. Ernte- oder Produktionsausfälle aufgrund höherer Gewalt lassen sich auch an der Börse nicht vorhersagen. Eine Besonderheit des Warenterminhandels besteht aber darin, dass der geschlossene Kontrakt sowohl vom Käufer wie auch vom Verkäufer weiter verkauft werden kann. Entwickelt sich der Preis zum Beispiel positiv, so besteht für den Käufer die Möglichkeit von Kursgewinnen.
Warentermingeschäft als Gegenstand des Handels
Seit der Einführung des Terminhandels an der Börse hat sich das Warentermingeschäft zu einem Kontrakthandel entwickelt und dient nicht mehr in erster Linie dem gesicherten Handel mit Rohstoffen und Import-Erzeugnissen. Vielmehr ist der eigentliche Börsenhandel in den Vordergrund getreten, wie er für verschiedene Spekulationsgeschäfte an Bedeutung gewonnen hat, zum Beispiel
- Futures,
- Wertpapierhandel,
- Derivate,
- Warentermingeschäft,
- Termingeschäft.
Dennoch bewirkt der öffentliche Handel an der Börse eine gewisse Transparenz in Bezug auf das allgemeine Interesse an bestimmten Waren und auf die Preisbildung. Es lässt sich aber inzwischen nicht mehr eindeutig unterscheiden, welchem Hauptzweck der Terminhandel dient. Das einzelne Geschäft wird in Form von Kontrakten geschlossen, die Mindestmengen, Preis und Lieferzeitpunkt bestimmen. Verliert aber einer der Kontraktpartner das Interesse an dem Geschäft oder erwartet ein besseres Ergebnis, so bietet er seinen Kontrakt an der Börse zum Verkauf an. Im Kaffeehandel ist daher inzwischen der Umsatz von Kontrakten an der Börse dreimal so hoch, wie der effektive Warenhandel. Das mag einer der Gründe dafür sein, dass der Warenterminhandel immer wieder kritisch beurteilt wird. Trotz des spekulativen Charakters dieser Börsengeschäfte ist der Handel mit Termingeschäften an der Börse ein deutlicher Indikator für das Interesse an bestimmten Produkten und Branchen.
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