Warenkreditversicherung

Schutz vor Forderungsausfall

Als Unternehmer ist man zahlreichen Risiken ausgesetzt. Wer sich vor Forderungsausfall schützen möchte, benötigt die Warenkreditversicherung. Damit sichern Unternehmer ihre Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen. Nachfolgend erhalten Sie Informationen rund um die Versicherung gegen Forderungsausfälle.

Lieferanten geben ihren Kunden einen Kredit. Denn zwischen Lieferung und Bezahlung einer Ware oder Dienstleistung, vergehen oft mehrere Monate. Mit der Warenkreditversicherung sichert man sein Gewerbe gegen die Insolvenz der Kunden im In- und Ausland ab.

Warenkreditversicherung oder Forderungsausfallversicherung

Die Warenkreditversicherung (WKV) ist eine Kreditversicherung und bezeichnet die laufende Versicherung eines Lieferantenkredites. Durch diese Versicherung ist der Ausfall von Forderungen mit kurzen oder mittleren Laufzeiten, durch den Kreditgeber vertraglich abgesichert.

Hierbei handelt es sich um Forderungen für Warenlieferungen oder Dienstleistungen. Die Warenkreditversicherung schützt insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen vor hohen finanziellen Schäden und dient dazu, eventuell entstehende Verluste im allgemeinen Geschäftsverkehr abzusichern. Dies lohnt sich meist, wenn der Ausfall einer Forderung für das Unternehmen zur einer existenzbedrohenden Situation werden würde. Selbiges ist meist der Fall, wenn das Unternehmen nur wenige Kunden, mit ziemlich hohen Umsätzen hat.

Diese Versicherung sorgt für überschaubare Planungssicherheit im Unternehmen. Außerdem werden Gewinneinbrüche kalkulierbarer und die langfristige Liquidität kann beobachtet und gewahrt werden.

Die Warenkreditversicherung nennt man auch Forderungsausfallversicherung, da Ausfälle von Forderungen gedeckt oder reguliert werden. Diese Versicherung gilt nicht für Kredite im eigentlichen Sinne, wie Immobilienkredite oder Bankdarlehen.
Die Forderungsausfallversicherung sichert nicht den Kreditnehmer, sondern den Kreditgeber ab.

Wann springt die Warenkredit- oder Forderungsausfallversicherung ein?

Wenn ein Unternehmen Waren an einen Kunden liefert, gewährt es somit einen Kredit. Die Leistung der Warenkreditversicherung bezieht sich auf folgendes Problem: Die Zeit, die von der Lieferung einer Ware oder der Ausführung einer Dienstleistung und deren Bezahlung vergeht, beträgt in der Regel von einem Monat bis zu 180 Tagen.

Der Abnehmer geht gegenüber dem Lieferanten eine Verpflichtung, einen Kredit ein. Man nennt diesen auch Lieferantenkredit. Es entsteht nun das Risiko, dass beim abnehmenden Unternehmen vor Bezahlung der erbrachten Leistung die Liquidität (Zahlungsmöglichkeit) sinkt und das Unternehmen die entstandene Forderung nicht zahlen kann.

Ein Beispiel:

Das mittelständische Unternehmen Eisenherz stellt in der Massenproduktion Schrauben, Nägel und andere Draht- oder Metallstifte her und liefert diese an Kunden des produzierenden und verarbeitenden Gewerbes aus. Das Unternehmen Möbeling produziert serienmäßig Schräke und Regale her und kauft zur Herstellung dieser unterschiedliche Materialien ein. Die Unternehmen Eisenherz und Möbeling haben einen Lieferantenvertrag.
Eisenherz liefert regelmäßig vertraglich gebunden Schrauben und Nägel an Möbeling.

Firma Möbeling gibt eines Tages die Insolvenz und die absolute Zahlungsunfähigkeit bekannt. Firma Eisenherz hat aber die nächste Lieferung schon hergestellt und auf den Weg gebracht. Damit die Forderung, also die Rechnung der Firma Eisenherz an die Firma Möbeling über die Nägellieferung, nicht uneinbringbar wird und Firma Eisenherz somit einen erheblichen Vermögensschaden erleidet, tritt die Forderungsausfallversicherung ein. Diese übernimmt den Ausfall dieser Forderung nach Prüfung des Falls entweder teilweise oder komplett und sichert so den Kreditgeber Eisenherz.

Probleme durch Forderungsausfall

Selbst intakte Lieferantenunternehmen können durch unverschuldete Forderungsausfälle selber schnell in Zahlungsschwierigkeiten gelangen und damit in eine so genannte Folgeinsolvenz. Um dies zu verhindern, übernimmt oder verringert jetzt zum Schutz vor den damit verbundenen Vermögensschäden die Warenkreditversicherung die Entschädigung für den Forderungsverlust des Lieferanten. Die Warenkreditversicherung übernimmt nicht nur die Auszahlung bei einem Forderungsverlust, sondern auch die Bonitätsprüfung, fehlende Bonitätsinformationen sind oft eine Ursache für Forderungsausfälle.

Grundlage jeder Prüfung ist die Bonität des Abnehmers. Das Bonitätsurteil beruht auf Informationen aus dem gesamten Umfeld des Kunden, auf Bilanzen und Geschäftsberichten sowie Handels- und Bankauskünfte, um die Kreditwürdigkeit eines Kunden festzustellen. Zu beachten ist allerdings, dass bei der Warenkreditversicherung ein Anspruch auf Versicherungsschutz oft erst dann entsteht, wenn nach Rechnungsstellung eine Frist von ein bis zwei Monaten vergangen ist. Die Frist ist notwendig damit ein Tatbestand des Nichtzahlens rechtskräftig vorliegt und die Forderungsausfallversicherung in Kraft treten kann.

Säulen der Warenkreditversicherung

Die Warenkreditversicherung basiert auf drei Säulen:

  • Schadenverhütung,
  • Schadenminderung,
  • Schadenvergütung.

Durch frühzeitige Überprüfung der Kunden hinsichtlich ihrer Liquidität sorgt die Schadenverhütung dafür, dass Schadensforderungen gar nicht erst entstehen. Ist ein Schaden eingetreten, tritt die Schadenminderung durch die gezielte Vereinung von Interessensgruppen in Kraft. Hier wird Aufwand betrieben, den Forderungsausfall so klein wie möglich zu halten. Die Schadenvergütung der Forderungsausfallversicherung tritt dann ein, wenn ein Zahlungsausfall entstanden ist und verringert oder übernimmt nach ordentlichem Prüfen den Vermögensschaden.

Abgrenzungen zu anderen Versicherungen

Die Warenkreditversicherung unterscheidet sich von der Investitionsgüterkreditversicherung und der Exportkreditgarantie. Die Investitionsgüterkreditversicherung ist eine spezielle Variante der Warenkreditversicherung und deckt wirtschaftlich das Risiko eines Forderungsausfalls bei der Lieferung von Investitionsgütern (Kapitalgütern) ab.
Die Exportkreditgarantie sichert politische Risiken ab.

Eine Weiterentwicklung der Warenkreditversicherung ist die Ausfuhrkreditversicherung oder auch Exportkreditversicherung. Hier werden durch private Versicherungsunternehmen oder im Rahmen staatlicher Ausfuhrgewährleistungen wirtschaftliche und politische Risiken im Außenhandelsgeschäft gedeckt.

Zugehörig zu den Kreditversicherungen sind unter Anderem auch die Konsumentenkreditversicherung, dies ist eine Restschuldversicherung, die den Kreditgeber schützt, die Kautionsversicherung, die ähnlich der Bürgschaft bei einer Bank funktioniert sowie die Vertrauensschadenversicherung, die Unternehmen vor Vermögensschäden aus unerlaubten Handlungen von Betriebsangehörigen schützt.

Die Konsumentenkreditversicherung versichert die Kreditgeber gegen Kreditausfälle. Der Versicherer übernimmt für den Kreditgeber den Schaden, sowie das Inkasso- und Regressverfahren. Es werden heutzutage zu einigen Ratenkrediten auch Konsumentenkreditversicherungen angeboten. Wenn der Kreditgeber nicht bereit ist, einen Kredit ohne Abschluss einer solchen Versicherung abzuschließen, muss ein Kreditnehmer dies akzeptieren.

Die Kautionsversicherung übernimmt kostengünstig die Bürgschaft für bestimmte vertragliche Verpflichtungen durch den Versicherungsnehmer. Überwiegend werden Kautionsversicherungen im Baugewerbe abgeschlossen und sind sowohl national als auch international als Bürgschaft anerkannt.

Die Vertrauensschadenversicherung ist eine besondere Form der Kreditversicherung. Die Vertrauensschadenversicherung bietet Unternehmen Schutz gegen Schäden, die Mitarbeiter durch vorsätzliche Handlungen verursachen und die zum Schadenersatz verpflichten.

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