Notwendige Versicherungen für Gründer und Jungunternehmer

Wer ein Unternehmen gründet oder sich selbständig macht, muss vieles beachten. Oftmals kommt dabei aber etwas Wesentliches zu kurz: die Absicherung gegen unkalkulierbare oder existenzbedrohende Risiken mit den richtigen Versicherungen. Diese Policen dürfen bei keinem Existenzgründer fehlen.

Jedem Unternehmen, egal wie groß, jedem Unternehmensgründer und natürlich auch jedem Selbständigen entstehen im Geschäftsalltag zahlreiche Risiken. Allerdings kann gerade bei Gründern oder noch jungen Unternehmen häufig nicht jedes einzelne Risiko versichert werden, da dies den finanziellen Rahmen sprengen würde.

Welche Versicherungen im Einzelnen benötigt werden, kommt grundsätzlich auf die Branche an und welchen Risiken man ausgesetzt ist, sowie den Deckungsumfang, der benötigt wird. Durch eine Risikoanalyse wird daher festgelegt, welche Risiken vorrangig versichert werden sollen. Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen persönlichen und betrieblichen Risiken.

Bei betrieblichen unterscheidet man Risiken gegenüber dem Vermögen und Sachgütern. Bei Sachschäden handelt es sich um Schäden, die die Zerstörung von Gegenständen oder die Verletzung von Personen betreffen. Die Vermögensschäden werden in direkt und indirekt unterteilt und können Produktionsausfälle, Schadenersatzforderungen oder Gewinnverlust sein.

Dazu kommen natürlich noch die Versicherungen, die das persönliche Risiko absichern.

Persönliche Versicherungen

  • Krankenversicherung/ Pflegeversicherung
  • Krankentagegeld/ Krankengeld BU Rentenversicherung Arbeitslosenversicherung Unfallversicherung/ Berufsgenossenschaft

Betriebliche Versicherungen

Rechtsschutzversicherung

Der Begriff Firmenrechtsschutz wird als Sammelbegriff für verschiedene gewerbliche Rechtschutzversicherungen verwendet. Hier besteht die Möglichkeit, sich ein Paket nach den eigenen Bedürfnissen zusammenschnüren zu lassen. 

In der Regel gibt es aber mehrere Rechtsbereiche, die durch den Firmenrechtsschutz abgesichert sind. Hierzu zählen für Gewerbetreibende ohne Arbeitnehmer:

  • der Schadenersatzrechtsschutz, 
  • der Disziplinar- und der Standesrechtsschutz, 
  • der Straf- und der Ordnungswidrigkeitenrechtsschutz. 

Selbstständige und Gewerbetreibende, die in ihrem Unternehmen auch Arbeitnehmer beschäftigten, sollten weitere Bereiche in ihre Versicherung einbeziehen, bspw. das Arbeits- und das Sozialrecht.

Der Versicherungsnehmer sollte darauf achten, dass nicht nur er selbst, sondern soweit als nötig auch die Arbeitnehmer sowie die mithelfenden Familienangehörigen versichert sind. Nur unter dieser Voraussetzung übernimmt die Rechtsschutzversicherung unter anderem die Kosten für die anwaltliche Beratung, das Gericht sowie für notwendige Gutachten. Das Forderungsmanagement ist kein Bestandteil des Firmenrechtsschutzes und muss separat abgesichert werden.

Da jedoch bei vielen Selbstständigen ein Interesse besteht, die Kosten für das Forderungsmanagement zu minimieren, bieten inzwischen einige Versicherungsgesellschaften zusätzlich zum Firmenrechtsschutz eine Alternative an. Diese trägt je nach Gesellschaft unterschiedliche Bezeichnungen, beruht aber auf demselben Prinzip, bei dem der Rechtsschutzversicherer beziehungsweise sein Kooperationspartner alle Kosten für das außergerichtliche Inkassoverfahren übernimmt. Ob sich der Abschluss einer solchen Police aber lohnt, sollte daher genau kalkuliert werden. 

Betriebshaftpflichtversicherung

Die Betriebshaftpflichtversicherung ist eine spezielle Form der Gewerbeversicherung. Für einige Branchen und Berufszweige ist der Abschluss gesetzlich vorgeschrieben, bspw. für Anwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Notare, Architekten, Ingenieure, Sachverständige, Ärzte, Apotheker und Versicherungsmakler.

Obwohl die Betriebshaftpflichtversicherung nicht für alle Branchen und Berufsgruppen eine Pflichtversicherung darstellt, ist der Abschluss einer solchen Versicherung dringend zu empfehlen. Der Hauptgrund hierfür liegt in der Tatsache, dass die private Haftpflichtversicherung keine Schäden reguliert, die Dritten im Rahmen der beruflichen Tätigkeit des Schadensverursachers zugefügt wurden. Dies bedeutet also nichts anderes, als dass der Unternehmer beziehungsweise Freiberufler für seine selbst verursachten Schäden im Fall eines bestehenden Schadensersatzanspruches des Geschädigten selbst aufkommen muss. Das gleiche Prinzip gilt auch für Schäden, die durch einen im Unternehmen beschäftigten Mitarbeiter entstanden sind.

Gerade bei größeren Schäden kann dies dazu führen, dass der Unternehmer beziehungsweise Freiberufler den Schaden aus eigenen Mitteln nicht regulieren kann und deshalb sowohl die geschäftliche als auch private Insolvenz anmelden muss. Im Gegensatz zu einer privaten Haftpflichtversicherung sind die Beiträge zu der Betriebshaftpflichtversicherung nicht nur von der Versicherungssumme, sondern von weiteren Faktoren abhängig. Der Grund hierfür liegt in dem unterschiedlich hohen Risiko der einzelnen Unternehmen. So sind beispielsweise die Beiträge zu dieser Versicherung für Handwerksbetriebe zumeist höher als zum Beispiel für einen Bürodienstleister, da auf einer Baustelle wesentlich häufiger einem Dritten ein Schaden zugefügt wird als beispielsweise in einem Büro. Allerdings hat nicht nur allein die Branche, sondern auch die Anzahl der beschäftigen Mitarbeiter Einfluss auf die Beitragshöhe bei einer Betriebshaftpflichtversicherung. Es besteht jedoch zum Teil die Möglichkeit, durch die Vereinbarung eines Selbstbehalts die Versicherungsprämie zu reduzieren. Der Vorteil dieser Variante liegt darin, dass es den Unternehmen möglich ist, die Kosten für den Versicherungsschutz zu minimieren und in größeren Schadensfällen trotzdem ausreichend abgesichert zu sein.

Firmenunfallversicherung

Hat ein Unternehmen Mitarbeiter, so ist der Arbeitgeber in Deutschland dazu verpflichtet, eine Unfallversicherung abzuschließen. Zwar bietet die gesetzliche Unfallversicherung einen gewissen Schutz, dennoch ist das Leistungsspektrum bei der Firmenunfallversicherung größer und kann auf den individuellen Bedarf abgestimmt werden. Überdies erhöht es die Mitarbeiterbindung und die Motivation der Mitarbeiter.

Dem Arbeitgeber steht es frei, für welche Leistungen er sich entscheidet. Dies orientiert sich auch häufig an der Branche des Betriebes sowie an der Berufsgruppe. Die Firmenunfallversicherung bietet Schutz bei jeder Art von Arbeitsunfällen. Der verunfallte Arbeitnehmer, erhält von der Versicherung nicht nur die Genesungskosten ersetzt, sondern auch Heilkosten, Pflegegeld, Übergangsgeld, Abfindungen oder Sterbegeld. Je nach Ausmaß der Verletzung und der notwendigen Behandlungen übernimmt die Firmenunfallversicherung auch die Kosten für eine Krankenpflege oder eine Haushaltshilfe. Da Arbeitsunfälle auch häufig zur vollständigen Erwerbsunfähigkeit des Mitarbeiters führen können, übernimmt die Versicherung in diesen Fällen auch die Rentenzahlungen. Da die Kosten für die Versicherungsbeiträge zu den Betriebsausgaben zählen, hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, die Beiträge steuerlich abzusetzen.

Geschäftsinhaltsversicherung

Die Geschäftsinhaltsversicherung richtet sich nicht nur an Unternehmen und Firmen, sondern auch an Handwerks-, Handels- und Gewerbebetriebe sowie auch Freiberufler und Selbständige, die über eigene Büroräumlichkeiten verfügen. Zahlreiche Risiken wie zum Brand oder Rohrbruch können zu enormen finanziellen Belastungen werden.

Aus dem Bereich der Sachversicherung bietet hier die Geschäftsinhaltsversicherung einen effektiven Schutz vor den finanziellen Folgen von Beschädigungen weitreichender Art. Zum Versicherungsinhalt gehören die gesamten Geschäftseinrichtungen, von den Büroeinrichtungen über Maschinen, Werkzeuge, Waren, Computer usw. bis hin zu Verpackungsmaterialien, Dekorationsartikel oder auch Besitztümer der Mitarbeiter, die sich am Arbeitsplatz befinden.

Die vertragsinhaltlichen Details orientieren sich hierbei an der jeweiligen Branche bzw. dem Geschäft selbst. Eine individuelle Regelung mit der Versicherung trägt dazu bei, dass alle potentiellen Risiken abgesichert werden können.

Viele Versicherungen bieten die Möglichkeit, individuelle Bausteine in den Vertrag aufzunehmen, um einen optimalen Versicherungsschutz für die individuelle Situation zu erhalten und somit bestens gegen potentielle Risiken abgesichert zu sein. Je nach Ausmaß des Versicherungs- und Leistungsumfangs variieren die Prämien, wobei diese auch von Versicherung zu Versicherung unterschiedlich sind. Im Rahmen eines Versicherungsvergleichs sollte man allerdings nicht nur auf die Prämie selbst achten, sondern auch auf die vereinbarten Leistungen. Denn hier können große Unterschiede auftreten. Viele Versicherungen fordern auch die Erfüllung bestimmter Voraussetzungen, um vereinbarte Prämien oder Rabatte gewährt zu bekommen.

Inventarversicherung

Wird das Inventar durch äußere Einwirkungen wie ein Feuer beschädigt oder komplett zerstört, ist der finanzielle Ruin meist vorprogrammiert. Ein entsprechender Versicherungsschutz schützt vor den finanziellen Risiken und ergänzt weitere wichtige Policen wie eine Betriebshaftpflichtversicherung oder eine Gewerberechtsschutzversicherung.

Zum Versicherungsumfang einer Inventarversicherung gehören neben Einrichtungsgegenständen in Fertigungshallen und Verwaltungsbüros auch fertige und sogenannte Halbfertigware wie auch alle anderen Gegenstände eines Unternehmens, die zur allgemeinen Betriebsausstattung zählen. Eine Inventarversicherung beinhaltet meist ein Paket an versicherten Objekten. Entscheidet sich ein Betrieb für diesen Versicherungsschutz, gehört bei Vergleichen zwischen unterschiedlichen Anbietern auch der Leistungsumfang auf den Prüfstand. Vielfach ist es auch möglich, einzelne Maschinen separat versichern zu lassen und anderes Inventar aus dem Versicherungsschutz heraus zu nehmen.

Der erweiterte Versicherungsschutz durch eine Inventarversicherung kann fahrbare wie auch stationäre Maschinen umfassen, die für den metall- oder holzverarbeitenden Bereich benötigt werden. Der Versicherungsschutz bezieht sich auf den gewerblichen Bereich und sieht auch Ausschlüsse vor, die separat versichert werden müssen. Laptops, EDV-Anlagen und einzelne Computer sind nicht bei jedem Versicherungsunternehmen automatisch mitversichert.

Elektronikversicherung

Typische Versicherungsfälle wie Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasserschäden oder Schäden durch Blitzeinschlag sind in der Regel durch die Gebäude- oder Inventarversicherung abgedeckt. Bezüglich teurer elektronischer Geräte und Anlagen ist dieser Versicherungsschutz jedoch begrenzt, denn schnell ist die vereinbarte Deckungssumme durch teure Produktionsanlagen überschritten.

Anders ist der Versicherungsumfang der Elektronikversicherung gestaltet, denn diese Absicherung ist auf Schäden an hochwertigen elektronischen Anlagen und Geräten spezialisiert und kommt daher für die Behebung der Schäden oder den Ersatz der Anlagen unabhängig vom Wert auf. Darüber hinaus erstreckt sich der Versicherungsumfang der Elektronikversicherung auf einen deutlich weiteren Bereich. Sie deckt nicht nur Schäden durch höhere Gewalt und Unglücksfälle ab, sondern erstreckt sich auch auf solche Beschädigungen, die durch Bedienungsfehler oder bewusste Zerstörungen hervorgerufen werden. Es handelt sich um eine Allgefahrendeckung, die nur solche Ereignisse vom Versicherungsschutz ausschließt, die ausdrücklich in den Vertragsbedingungen aufgeführt sind. Die Leistungen aus der Versicherung beziehen sich auf den Ersatz von Schäden durch Diebstahl, Bedienungsfehler und Fahrlässigkeit, höhere Gewalt, Überspannung, Induktion sowie Brand, Blitzschlag oder Explosion. Auch Sengschäden sowie vorsätzlich herbeigeführte Schäden durch Sabotage oder Vandalismus werden durch die Elektronikversicherung ersetzt. Wasser, Feuchtigkeit und Überschwemmung sind ebenfalls anerkannte Ursachen für die Schadenbehebung durch den Versicherer. Lediglich die üblichen nicht versicherbaren Schäden sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. 

Versicherungsnehmer können neben Unternehmen oder Eigentümern der Anlagen auch Leasing-Geber, Leasing-Nehmer, Mieter oder Entleiher sein. 

Um den finanziellen Verlust durch einen Schaden an einer elektronischen Anlage so gering wie möglich zuhalten, ist schnellstmögliche Abhilfe erforderlich. Versicherer, die eine Elektronikversicherung anbieten, sind deshalb darauf eingestellt, schnell und unkompliziert die vereinbarten und notwendigen Versicherungsleistungen zu erbringen. Um auch Kosten, die durch Datenverlust entstehen oder Mehrkosten abzusichern, kann die Versicherung um eine Mehrkostenversicherung oder eine Datenträgerversicherung ergänzt werden. Die Leistungen beziehen sich auf den Ersatz der Reparatur- oder Wiederbeschaffungskosten. Ist eine Ersatzbeschaffung nicht vorgesehen, erstattet der Versicherer den Zeitwert.

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