Verlustvortrag

Einkommensverluste können zukünftige Steuerbelastungen reduzieren

Nicht immer müssen Einkünfte positiv sein, aber es gibt Gestaltungsmöglichkeiten, mit denen man daraus das Beste machen kann. Wie man mit negativen Einkünften in zukünftigen Jahren durch den Verlustvortrag Steuern sparen kann, stellen wir hier dar.

Steuerlicher Verlustausgleich und Verlustvortrag

Im deutschen Steuerrecht besteht die Möglichkeit, Verluste und Gewinne verschiedener Einkommensarten miteinander zu verrechnen. Grundsätzlich erfolgt die Verrechnung auf verschiedenen Ebenen

  • Horizontaler Verlustausgleich,
  • Vertikaler Verlustausgleich,
  • Verlustvortrag,
  • Verlustrücktrag.

Der horizontale Verlustausgleich umfasst die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten einer Einkommensart, während der vertikale Verlustausgleich auch die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten verschiedener Einkunftsarten beinhaltet. Ist ein Verlustausgleich innerhalb eines Jahres aber nicht möglich, sondern auch nach Ausschöpfung aller Verrechnungsmöglichkeiten verbleibt nach wie vor ein Verlust, so lässt sich dieser im Fall des Verlustrücktrags auf zurückliegende Jahre verteilen, sofern die Steuererklärungen dieser Jahre nicht bereits erfolgt sind.

Besteht die Möglichkeit zum Verlustrücktrag nicht, so kann der Verlust steuermindernd mit den Einkünften in den Folgejahren durch einen Verlustvortrag verrechnet werden. Diese Regelungen sieht Paragraph 10 d des Einkommensteuergesetzes für alle einkommenssteuerpflichtigen Personen vor. In dem Jahr, aus dem der Verlust erwirtschaftet wird, fallen aufgrund dessen, dass die Verluste über die Einkünfte überwiegen, keinerlei Einkommenssteuern an, denn nur positives Einkommen kann versteuert werden. Dieses steuerrechtliche Instrument wurde geschaffen, um die Verwirklichung des Leistungsfähigkeitsprinzips zu gewährleisten. Daher ist eine Fortschreibung von Verlusten in zukünftige Veranlagungsperioden nur dann möglich, wenn für die Zukunft positive Einkünfte erwartet werden. Es wird dabei unterstellt, dass die Verluste in einem Jahr die Grundlage für Gewinne in den Folgejahren darstellen.

Voraussetzungen für den einkommenssteuerrechtlichen Verlustvortrag

Der Verlustvortrag ist nicht grenzenlos möglich und kann nur durchgeführt werden, wenn er von der Finanzbehörde in einem gesonderten Bescheid festgestellt wurde. Dieser Bescheid über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags wird zum Ende eines Kalenderjahres von der Finanzbehörde ausgestellt und berechtigt zur Übertragung des Verlustes in das Folgejahr. Der Höchstbetrag für den Verlustvortrag beläuft sich auf eine Million Euro sowie auf zwei Millionen Euro für Ehepaare. Darüber hinausgehende Beträge können bis zu einem Anteil von 60 Prozent berücksichtigt werden. Die steuerliche Berücksichtigung von Verlusten aus zurückliegenden Jahren erfolgt vorrangig gegenüber möglicherweise angefallener außergewöhnlicher Belastungen, Sonderausgaben oder anderen Abzugsbeträgen.

Ein gleichzeitiger Verlustrücktrag und eine Fortsetzung der Verluste in Folgejahre sind nicht möglich. Verluste aus Steuerstundungen, die nach dem 10. November 2005 entstanden sind, können nicht verrechnet werden. Ergibt sich im Folgejahr erneut nach Abzug aller steuerreduzierenden Aspekte und des übertragenen Verlustes, so kommt es zu einer erneuten Übertragung in das nächste Jahr. Mit dem Tod des Steuerpflichtigen gehen verbliebene, von der Finanzbehörde festgestellte, übertragbare Verluste unwiederbringlich verloren. Sie können daher auch nicht von den Erben geltend gemacht werden. Selbst dann, wenn ein Verlust aus einem früheren Jahr in einer Steuererklärung nicht mehr angegeben wird, weil sich der Steuerpflichtige vorübergehend im Ausland aufhält, ist nach der Rückkehr erneut die Berücksichtigung möglich.

Verlustvortrag im Handelsrecht

Neben der steuerrechtlichen Bedeutung gibt es auch besondere Regelungen über den Verlustvortrag im Handelsrecht. So kann der Verlust eines Unternehmens, das einem Konzern, also einem Zusammenschluss mehrerer Unternehmen, angehört, mit den Gewinnen eines anderen Unternehmens innerhalb des Konzerns verrechnet werden. Diese Möglichkeit ist insbesondere dann interessant, wenn ein verlustreiches Unternehmen von einem Unternehmen, das vergleichsweise hohe Gewinne erwirtschaftet hat, übernommen wird. Unter Umständen stellt allein die Möglichkeit der Verrechnung von Gewinnen und Verlusten das Hauptmotiv für eine Firmenübernahme dar. Grundsätzlich ist eine derartige Verlustverrechnung nur zwischen nationalen Unternehmen zulässig, so dass die Übernahme eines ausländischen Unternehmens nicht zu einer Verrechnung der Gewinne des einen Unternehmens mit den Verlusten des anderen führt. Der Europäische Gerichtshof hat jedoch eine solche Regelung inzwischen in Teilen als Verstoß gegen europäisches Recht gewertet.

In der Bilanz eines Unternehmens ist ein Verlust, der vor der Versteuerung ermittelt wurde, gesondert auszuweisen. Insbesondere dann, wenn Rücklagen nicht zur Deckung des Verlustes eingesetzt werden sollen, und ein Gewinnvortrag nicht für die Deckung des Verlustes ausreichen würde, machen Unternehmen bevorzugt von diesem Instrument Gebrauch. Entsteht aber ein Gewinn allein aufgrund dessen, dass auf eine Gewinnausschüttung verzichtet wurde, so ist dieser bei der Gewinn- und Verlustverrechnung zu berücksichtigen.

Anzeige
Weitere Artikel