Unisex-Tarife

Die Folgen des EuGH-Urteils

Unisex TarifeVersicherungen müssen ab 2. Dezember 2012 Unisex-Tarife anbieten. Das Geschlecht ist künftig bei der Beitragskalkulation kein Risikofaktor mehr. Während Renten- und Krankenversicherungen für Frauen günstiger werden, verteuern sich Kfz-, Unfall- und Lebensversicherungen.

Was sind Unisex-Tarife?

Versicherungsprämien werden nach dem Äquivalenzprinzip kalkuliert. Die Beiträge richten sich nach bestimmten Risikofaktoren. Dazu zählen z.B. das Alter, der Beruf oder die Versicherungssumme. Nicht mehr dazu zählen darf nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) das Geschlecht. Eine Versicherung muss für Frauen genauso viel kosten wie für einen Mann und andersherum, wenn die sonstigen Bedingungen identisch sind.

Das bisherige Prinzip der Geschlechterunterscheidung stellt nach Ansicht der Richter eine unzulässige Diskriminierung dar. Die Versicherungsunternehmen müssen die Prämien neu kalkulieren. Weil dies jedoch nicht so ohne weiteres umzusetzen ist, räumt der EuGH den Unternehmen eine Übergangsfrist bis zum 21.12.2012 ein. Bis dahin müssen die EU-Vorschriften in nationales Recht umgewandelt worden sein. Ab diesem Zeitpunkt dürfen keine geschlechtsspezifischen Unterschiede mehr gemacht werden. Für jede Versicherung gilt für Neugeschäft der Unisex-Tarif.

Zwar gilt bereits seit 2004 die Regelung, dass eine Diskriminierung zwischen Männern und Frauen bei Versicherungsbeiträgen verboten ist. Allerdings erlaubte eine Ausnahmeklausel die Geschlechterunterscheidung, sofern das Merkmal für den Beitrag risikoerheblich ist. Für bereits bestehende Verträge ist hingegen keine Anpassung an die Unisex-Vorschriften geplant. Gut möglich, dass es diesbezüglich noch Klagen gibt.

Unisex-Tarife: Auswirkungen auf Versicherungen

Verbraucherschützer, die die Einführung von Unisex-Tarifen in den letzten Jahren vehement gefordert hatten, befürchten nun, dass die Versicherungsprämien im Schnitt teurer werden. Es sei ein Irrglaube, wenn man erwarte, dass sich die Preise in der Mitte treffen würden, so ein Experte. Dies hat der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GdV) in der Vergangenheit bereits bestätigt. Für Männer rechne sich z.B. die private Rentenversicherung künftig weniger, so dass die Zahl der Neuabschlüsse sinken werde. Dies treibe jedoch die Kosten aller - auch der Frauen - nach oben. Zudem müssen die Mehrkosten der Umstellung der Kalkulation auf die Tarife aller umgelegt werden. So schätzt die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) die Kosten einer rückwirkenden Umstellung auf bis zu 30 Milliarden Euro.

Der Versicherungsverband hat bereits in Beispielrechnungen die Beitragsdifferenz zwischen Frauen- und Männer-Tarifen ermittelt:

Bei der Unfallversicherung werden die sich die Prämien für Frauen ebenfalls erhöhen. Nur bei den privaten Krankenversicherungen wird es ab 2012 zu einer spürbaren Entlastung kommen. Bisher liegen hier die monatlichen Prämien um bis zu 30 Prozent auseinander. Günstiger dürfte es für das weibliche Geschlecht ebenfalls bei Berufsunfähigkeitsversicherungen werden. Die Prämien zwischen Männern und Frauen weichen bisher um knapp ein Drittel voneinander ab. Wie stark die Prämien der Unisex-Tarife in der BU-Versicherung letztlich zu den bisherigen Beiträgen variieren, hängt auch davon ab, wie viel Neugeschäft die Versicherer durch die Beitragsanhebungen bei den Männern überhaupt noch erhalten.

Generell lässt sich die Frage bezüglich der Prämien bei Unisex-Tarifen sagen, dass manche Versicherungen für Frauen teurer und manche günstiger werden. Allerdings bestehen weiterhin Kalkulationsunsicherheiten. Dies führt dazu, dass die Versicherer einen Sicherheitspuffer einbauen müssen. In der Praxis wird dies dazu führen, dass die Tarife für alle eher ein wenig teurer werden.

Unisex-Tarif bei der Riester-Rente

Bereits seit 2006 gibt es bei der Riester-Rente den Unisex-Tarif. Der Gesetzgeber hat bei der staatlich geförderten Altersvorsorge bereits erkannt, dass die Differenzierung zwischen den Geschlechtern eine unzulässige Diskriminierung darstellt. Männer erhalten seitdem eine geringere Rente, weil die längere Lebenserwartung der Frauen mitfinanziert werden muss. An der Beliebtheit der Riester-Verträge haben die Unisex-Tarife nichts geändert. Im Gegenteil: Aufgrund der hohen Fördersätze entscheiden sich immer mehr Bundesbürger für den Abschluss eines Vertrags.

Bei anderen Policen, bei denen das Geschlecht bereits jetzt ein zentrales Merkmal bei der Beitragskalkulation darstellt, gibt es ebenfalls bereits einheitliche Tarife. Dies gilt z.B. bei Industrieversicherungen oder bei den Rückversicherungen.

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