Umweltbank

Alternative Bank zur Geldanlage

Es ist wie bei anderen alternativen Banken: Die UmweltBank wächst trotz Finanz- und Wirtschaftskrise. 2008 erhöhte sich ihre Bilanzsumme um 12,9 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro. Die Zahl der Kunden legte um rund 15 Prozent zu, 69.000 Menschen vertrauten der Bank ihr Geld an. Für diesen Erfolg ist ein ökologisches Geschäftsmodell die Grundlage. Teil 3 unserer Serie „Alternative Banken“: die UmweltBank in Nürnberg.

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Weitere Zahlen sprechen eine klare Sprache: Das Anlagevolumen betrug 2008 712,2 Millionen Euro, 13,5 Prozent mehr als im Vorjahr.  Das Volumen der zugesagten Kredite lag knapp über einer Milliarde Euro, ein Plus von 20,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und: Der Jahresüberschuss wuchs um ein Prozent, er betrug 6,6 Millionen Euro. Ein weiterer Indikator verrät, wofür die UmweltBank eintritt: 2008 haben die geförderten Projekten 1,6 Millionen Tonnen C02 vermieden (+ 16,6 Prozent); rund 11.100 Projekte erhielten einen Kredit von der UmweltBank (+ 24,8 Prozent).

Anlagekriterien der Umweltbank

Dabei legt die UmweltBank strenge Kriterien an, sie schreibt auf ihrer website: „Die UmweltBank gibt ihren Kunden ein in der deutschen Bankenlandschaft einmaliges Versprechen: Sie garantiert jedem Anleger, dass Kredite ausschließlich an Umweltprojekte vergeben werden.“ Der Gründer der UmweltBank ist Horst P. Popp, der 1994 dieses ökologische Geschäftsmodell entwickelte. 1995 gab das Unternehmen seine ersten grünen Bankaktien heraus, 1997 nahm es die Arbeit auf.

Die UmweltBank hat Ausschluss- und Positivkriterien entwickelt, nach denen sie Kredite vergibt. 2008 flossen 47 Prozent der Kredite in den Bereich Sonnenenergie, 29 Prozent waren für den Bereich „ökologisches und soziales Bauen“ gedacht. Mit 16 Prozent der Kredite wurden Wind- und Wasserkraft gefördert – und 8 Prozent gingen in den Bereich „Biomasse / Biogas / ökologische Landwirtschaft u. a.“

Ausschlusskriterien bei der Geldanlage

  • Großkraftwerke (Braun- / Steinkohle; Atomenergie)
  • Waffen oder Militärgüter (Produktion/Handel)
  • Umweltschädliche Produkte oder Technologien (Produktion / Handel)
  • Nichteinhaltung von Umweltauflagen
  • Sozial unverträgliche Projekte, z. B. auf Ausbeutung von Kindern basierende Produktion
  • Gentechnik in der Landwirtschaft
  • unfaire Geschäftspraktiken, z. B. Korruption, Menschenrechtsverletzungen

Positivkriterien bei der Geldanlage

  • Energiesparmaßnahmen
  • Regenerative Energiegewinnung (Windenergie, Photovoltaik, Solarthermie, Biomasse und Biogas, Wasserkraft)
  • Dezentrale Energiegewinnung (Blockheizkraftwerke)
  • Umweltfreundliches Bauen (Niedrigenergiebauweise, Passivhäuser, Verwendung ökologischer Baustoffe, Landschaftsschutz / Reduktion von Flächenverbrauch, Regenwasserrückgewinnung)
  • Ökologische Landwirtschaft und ökologische Forstwirtschaft
  • Kreislaufwirtschaft/Recycling (Abfallvermeidung, Rohstoffeinsparung und Ressourcenschonung, umweltverträgliche Entsorgung, Naturkläranlagen)
  • Schadstoffverringerung und -beseitigung (umweltschonende Verkehrsmittel, Bodenschutz / Sanierung, Lärmverminderung, Luftreinhaltung)
  • Nachhaltige Wirtschaftsweise (Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von langlebigen, ressourcenschonenden, regionalen und damit umweltfreundlichen Produkten)

Umweltrat überwacht Umweltgarantie

Ihre „Umweltgarantie“ lässt die UmweltBank von einem speziellen Kontrollgremium überwachen, dem „Umweltrat“: Er ist das ökologische Gegenstück zum Aufsichtsrat der Bank und genauso organisiert. Der „Umweltrat“ hat mit drei Personen dieselbe Mitgliederzahl, er arbeitet mit derselben Geschäftsordnung. Seine Mitglieder berichten der Hauptversammlung – und können einzelne Projekte der Bank prüfen. Sie beraten die Ausschluss- und Positivkriterien und bewerten einzelne Bauvorhaben.

Sparformen der Umweltbank

Die UmweltBank bietet unterschiedliche Sparformen an – vom „UmweltPluskonto“ über das „UmweltSparbuch“ bis zum „UmweltSparvertrag“. Daneben betreibt sie einen Handel mit Genussscheinen: Das sind spezielle Wertpapiere, die zwischen Anleihe und Aktie stehen.

Wer den Genussschein eines Unternehmens kauft, erwirbt ein „Genussrecht“, was bedeutet: Er hat ein Anrecht auf eine Ausschüttung aus dem jährlichen Bilanzgewinn. Ein Stimmrecht ist damit nicht verbunden. Im Fall einer Insolvenz ist Genussschein-Kapital „nachrangig“ gegenüber Forderungen anderer Gläubiger – es kann zu einem Totalverlust der Geldanlage kommen. Daher liegt die Rendite zwischen zwei und vier Prozent über dem durchschnittlichen Zinssatz von Bundesanleihen. Das ist der Risikozuschlag. Im Moment hat die UmweltBank einen Genussschein der „Euro Wind AG“ im Angebot (Laufzeit 12 Jahre; 6,45 Prozent Zinsen pro Jahr). Das Unternehmen investiert europaweit in Windenergie-Anlagen.

Auf diese Weise hat die UmweltBank die Nase im Wind, in ihrer Unternehmenspolitik heißt es: „Nachhaltigkeit verstehen wir als Strategie und Trend der Zukunft, welche die auf kurzfristigen Gewinn basierende Wegwerf-Gesellschaft ersetzen muss und wird.“

Ein Beitrag von Ingo Leipner

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