Umsatzsteuer und Umsatzsteuerbefreiung

Grundlagen der Umsatzsteuer

Vielen Deutschen fällt es schwer, die Umsatzsteuer von der Vorsteuer und der Mehrwertsteuer zu unterscheiden. Wir helfen Ihnen dabei, in diesem Steuersystem den Überblick zu behalten und informieren Sie ausführlich über die verschiedenen Steuerarten.

Umsatzsteuer - Eine begriffliche Abgrenzung

Die Umsatzsteuer ist eine direkte Steuer, die ein Unternehmen an den Staat für die Veräußerung einer Ware oder einer Dienstleistung abführen muss. Der Steuerschuldner ist in diesem Fall das Unternehmen. Der Steuerbelastete ist hingegen der Verbraucher. Da bei dieser Steuerart der Steuerschuldner und der Steuerzahler nicht übereinstimmen, liegt eine indirekte Besteuerung vor.

Neben Verbrauchern sind auch Unternehmen beim Erwerb eines Gutes oder einer Dienstleistung umsatzsteuerpflichtig. Da sie jedoch Produkte oder Leistungen verkaufen, wird die gezahlte Steuer als Vorsteuer bezeichnet. Dieser Begriff wird verwendet, da das Unternehmen in einem solchen Fall sozusagen in Vorkasse geht. Wenn es dann später selbst wieder die Waren verkauft, wird die Umsatzsteuer mit der bereits geleisteten Vorsteuer verrechnet.

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Sollte ein Unternehmen beispielsweise für einen Nettowert von 100 Euro Ware einkaufen, behält der Lieferant 19 Euro Vorsteuer ein. Wenn dann später die eingekaufte Ware zu einem Preis von 300 Euro verkauft wird, hat der Endverbraucher für diesen Artikel 357 Euro zu zahlen. Die zu entrichtende Umsatzsteuerlast beträgt 57 Euro. Das Unternehmen muss dem Finanzamt jedoch keine 57 Euro überweisen, es kann die Vorsteuer von 19 Euro abziehen und hat nur noch 38 zu zahlen.

Für Verbraucher hingegen ist diese Unterscheidung nicht wichtig, deshalb ist im Privatkundenbereich der allgemeine Begriff Mehrwertsteuer für beide Steuerarten geläufig.

Besonderheiten bei der Erhebung der Umsatzsteuer

Grundsätzlich ist in Deutschland jedes Unternehmen zur Erhebung der Umsatzsteuer verpflichtet. Die gesetzliche Grundlage hierfür ist im Umsatzsteuergesetz (UStG) zu finden. Allerdings kennt das deutsche Umsatzsteuergesetz bei der Steuererhebung einige Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen bildet der § 19 UStG. Dieser besagt, dass sogenannte Kleinunternehmer, also Unternehmen mit einem geringen Umsatz, auf die Erhebung der Umsatzsteuer verzichten können. Mit diesem Verzicht sind sie aber auch nicht mehr vorsteuerabzugsberechtigt. Vor allem Unternehmen mit privaten Kunden können von dieser Regelung und geringem Verwaltungsaufwand profitieren. Weitere Ausnahmeregelungen sind zum Teil auch bei kooperierenden Unternehmen möglich.

Neben dieser gänzlichen Umsatzsteuerbefreiung kennt das Umsatzsteuerrecht auch eine Unterscheidung bei der Umsatzsteuerhöhe. Zwar gilt in Deutschland ein genereller Steuersatz in Höhe von 19 Prozent, bei einigen Produkten kann jedoch ein niedriger Satz Anwendung finden. Die genauen Regelungen hierzu sind in Anlage 2 des UStG zu finden. Diese sieht beispielsweise für folgende Produkte einen ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent vor:

  • einige Lebendtiere,
  • Fisch, Fleisch und genießbare Schlachtnebenerzeugnisse,
  • Gemüse und Obst,
  • Bücher und Broschüren,
  • kartografische Erzeugnisse sowie Briefmarken,
  • orthopädische Apparate und Prothesen.

Bei dem ermäßigten Steuersatz ist auffällig, dass nur Produkte mit einem gewissen Nutzen Steuervorteile gewährt bekommen. So findet die Regelungen bei Eseln und Kühen Anwendung, Katzen sind aber hingegen ausgeschlossen.

Die Umsatzbesteuerung bei der Differenzbesteuerung

Werden Waren verkauft, bedeutet dies, dass durch die Handelstätigkeit eines Unternehmens, mit Ausnahme der Kleinunternehmer, immer ein Vorsteuerabzug erfolgen kann. In einigen Bereichen verkaufen aber auch Privatpersonen ihre Güter an Unternehmen. Neben dem An- und Verkauf ist diese Vorgehensweise vor allem im Automobilbereich üblich. Wenn ein Kunde ein Fahrzeug bei einem Händler in Zahlung gibt, führt er keine Umsatzsteuer ab. Theoretisch kann der Händler somit keine Vorsteuer verrechnen. Sollte er das Auto für 11.900 Euro in Zahlung nehmen und für einen Nettopreis von 11.000 Euro wiederverkaufen, beträgt die Umsatzsteuerschuld 2.090 Euro. Der Bruttopreis beläuft sich dann auf 13.090 Euro. Durch die Abführung der Steuer in Höhe von 2.090 und den Einkaufspreis von 11.900 Euro summieren sich die Kosten auf 13.990 Euro. Da der Erlös nur 13.090 Euro beträgt, hätte der Händler 900 Euro Verlust gemacht.

Um dies zu verhindern, gibt es die Differenzbesteuerung. Bei dieser wird die theoretische Umsatzsteuer beim Ankauf des Fahrzeuges berücksichtigt. Im Beispiel beträgt der Nettopreis 10.000 Euro und die Steuer 1.900 Euro. Die Differenz der beiden Nettopreise beträgt 1.000 Euro und ist die Grundlage für die Umsatzsteuerhebung. Der Händler muss somit nur 190 Euro an das Finanzamt abführen.

Umsatzsteuerbefreiung für wenige

Wer sich für eine Umsatzsteuerbefreiung entscheidet, kann gewerblich tätig sein, ohne die übliche Umsatzsteuer auf seine Dienstleistungen oder Produkte zu erheben. Da die Umsatzsteuer jedoch zu den bedeutendsten Einnahmequellen des Staates zählt, kommt eine Steuerbefreiung tatsächlich nur für wenige Gruppen infrage: für Kleingewerbetreibende und für Lehrkräfte an Bildungseinrichtungen.

Die Umsatzsteuerbefreiung wird mit dem Umsatzsteuergesetz geregelt. Gewerbetreibende, die keine Umsatzsteuer erheben, müssen dies mit dem Hinweis § 19 Abs. 1 UStG auf ihren Rechnungen kenntlich machen. Neben Kleinunternehmern können auch Lehrkräfte, die an Schulen oder Volkshochschulen unterrichten, von der Umsatzsteuer befreien lassen. Diese Steuerbefreiung für Honorarkräfte kann bei den zuständigen Schulbehörden oder Verwaltungen beantragt werden. Auch ehrenamtlich Tätige, die für eine geringe Aufwandsentschädigung tätig sind, müssen keine Mehrwertsteuer abführen. Für alle anderen Gewerbetreibenden ist keine Befreiung von der Umsatzsteuer möglich.

Umsatzsteuerbefreiung beantragen

Angehende Unternehmer erhalten mit der Gewerbeanmeldung einen Fragebogen ihres Finanzamtes, mit dem sie zur Schätzung ihrer Umsätze in den folgenden Wirtschaftsjahren aufgefordert werden. Überschreiten diese Umsätze im ersten Jahr 17.500,- Euro und zum zweiten Jahr 50.000,- Euro nicht, können Kleinunternehmer die Umsatzsteuerbefreiung in Anspruch nehmen. Mit der Kleinunternehmerregelung sind diese Gewerbetreibenden zur Ausstellung von Netto-Rechnungen verpflichtet und erheben keine Umsatzsteuer von 7 oder 19 Prozent.

Wer auf die Anwendung der Kleinunternehmerreglung mit Umsatzsteuerbefreiung verzichtet, ist an diese Entscheidung fünf Jahre gebunden und kann in diesem Zeitraum nicht einfach auf eine Befreiung von der Mehrwertsteuer umstellen. Hierbei ist jedoch zu beachten: Die Umsatzgrenze von 17.500,- Euro bezieht sich auf Umsätze inklusive fiktiver Mehrwertsteuer – man darf also tatsächlich nur etwa 14.700,- verdienen.

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Umsatzsteuerbefreiung: Vor- und Nachteile

Unternehmer mit Umsatzsteuerbefreiung profitieren vor allem im Geschäft mit Privatkunden. Wer nicht für andere Unternehmen, sondern für Privatpersonen tätig ist, kann seine Dienstleistungen und Produkte mit der Kleinunternehmerregelung ohne Mehrwertsteuer und damit günstiger anbieten. Da Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer erheben, müssen sie auch keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben.

Für Unternehmer, die im B2B-Segment für Unternehmen arbeiten, lohnt sich die Umsatzsteuerbefreiung hingegen nicht. Gewerbetreibende erheben schließlich nicht nur die Umsatzsteuer, sondern können im Gegenzug auch vom Vorsteuerabzug auf bezahlte Dienstleistungen und Produkte Gebrauch machen. Das bedeutet: Umsatzsteuerpflichtige Unternehmer erheben mit jeder Rechnung sieben oder 19 Prozent Umsatzsteuern, können diese Steuern aber auch bei allen Rechnungen an ihr eigenes Unternehmen in Abzug bringen. Je höher die Ausgaben des Betriebs sind, desto niedriger fällt mit der Umsatzsteuererklärung auch der zu zahlende Umsatzsteuerbetrag an die Finanzbehörden aus. Aufgrund allgemein steigender Kosten in Deutschland stellt sich natürlich auch die Frage, ob sich ein Kleingewerbe mit sehr geringen Umsätzen überhaupt lohnt.

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