Teilzeitarbeit

Teilzeitarbeit: Kompromiss oder Zukunftsmodell?

Besonders junge Mütter entscheiden sich immer häufiger für Teilzeitarbeit. Wer weniger Stunden arbeitet, hat jedoch finanzielle Nachteile gegenüber Vollbeschäftigten.

Teilzeitarbeit: Rechtsanspruch und Stundenzahl

Deutsche Arbeitnehmer haben ein Recht auf Teilzeitarbeit: Seit 2001 müssen Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, auf Wunsch weniger Stunden zu arbeiten. Dies gilt für Unternehmen, die mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen. Außerdem dürfen keine betrieblichen Gründe gegen eine Beschäftigung in Teilzeit sprechen – zum Beispiel Beeinträchtigungen des Arbeitsablaufes. Arbeitnehmer müssen ihr Interesse an einer Teilzeitstelle mindestens drei Monate im Voraus anmelden und ihrem Arbeitgeber außerdem die gewünschte Arbeitsverteilung angeben.

Teilzeitarbeit ist mit einer weitgehend flexiblen Anzahl von Stunden möglich. Eine Teilzeitstelle liegt vor, wenn die regelmäßige Arbeitszeit kürzer ist als bei vollbeschäftigten Arbeitnehmern. Dabei dürfen Teilzeitjobs eine Wochenarbeitszeit von 15 Stunden jedoch nicht unterschreiten: In diesem Fall läge eine geringfügige Beschäftigung vor. In der Regel beläuft sich die wöchentliche Arbeitszeit bei einer Teilzeitstelle auf 15 bis 30 Stunden. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 30 Stunden spricht man von einer vollzeitnahen Teilzeitstelle.

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Teilzeitarbeit als Trend

Immer mehr Arbeitnehmer sind in Teilzeit beschäftigt: Etwa jede dritte Stelle in Deutschland wird in Teilzeit ausgeübt. Während sich allerdings weniger als zehn Prozent der Männer für einen Teilzeitjob entscheiden, üben mehr als 45 Prozent der Frauen einen Job mit verringerter Arbeitszeit aus. Damit arbeiten in Deutschland neben der Schweiz europaweit die meisten Frauen in Teilzeit. Zu den Motiven für Teilzeitarbeit gehört in erster Linie die Kinderbetreuung: Nach wie vor müssen sich vor allem die Frauen zwischen Kind und Karriere entscheiden und wählen daher häufiger Teilzeitarbeit.

Der Trend zur Teilzeitarbeit ist eng mit den fehlenden Ganztagsbetreuungsangeboten für Kinder verknüpft: In vielen Gemeinden werden bis heute zu wenige Betreuungsplätze angeboten. Außerdem sind die Öffnungszeiten vieler Kindergärten nicht mit einer Vollbeschäftigung vereinbar – zum Beispiel bei Schließungszeiten in den Mittagsstunden. Viele Frauen entscheiden sich auch ganz bewusst für eine Teilzeitstelle: Schließlich nimmt man sich auch gern Zeit für seine Familie.

Teilzeitarbeit: Pro und Contra

Zu den wesentlichen Vorteilen von Teilzeitarbeit gehört die Vereinbarkeit von Familie und Job. Bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden und mehr mit zusätzlicher Fahrzeit bliebe vielen nur am Abend etwas Zeit für Kinder und Partner. Und das ist zu wenig. Mit Teilzeitbeschäftigungen haben Arbeitnehmer weiterhin mehr Zeit für Ehrenämter oder Hobbys zur Verfügung. Auch im Rahmen von Altersteilzeit kann schrittweise das Arbeitspensum reduziert werden. Der größte Nachteil einer Teilzeitbeschäftigung ist der geringere Verdienst. Damit bleiben die Männer in vielen Familien bis heute die Hauptverdiener. Wer weniger Stunden arbeitet, genießt vielleicht sogar steuerliche Vorteile, zieht aber bei der Rente immer den Kürzeren. Teilzeitarbeitsverträge reduzieren den Rentenanspruch.

Unternehmen können mit Teilzeitstellen einen Stellenabbau umgehen. Außerdem sind Mitarbeiter in Teilzeit produktiver – zumindest, wenn der Arbeitnehmer in Vollzeit nicht vollständig ausgelastet wäre. Der wahre Hintergrund für die Entscheidung, einen Teilzeitarbeitsplatz anzustreben, ist aber vor allem dieser: das klassische Rollenmodell.

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