Stresstest
EU prüft die Leistungsfähigkeit der Banken
Grundlagen zum Stresstest
Durch verschiedene Krisen und Bankenpleiten wurde im Sommer 2010 die Forderung nach einer größeren Transparenz und höheren Sicherheit im Bereich des Kreditsektors immer lauter. Dies führte dazu, dass sich die Europäische Union dazu entschloss, verschiedene Banken einen Stresstest zu unterziehen und diesen auch zu veröffentlichen. Dabei bestand dieser Test aus den folgenden 3 Szenarien:
- Basisszenario,
- Krisenszenario,
- Crashszenario.
Beim Basisszenario wurde die Entwicklung der Kennzahlen bei den verschiedenen Banken unter der Annahme eines gegebenen Konjunkturwachstums untersucht. Dieses lag bei dem untersuchten Szenario für die Euro-Länder im Jahr 2010 bei 1,0 und im Jahr 2011 bei 1,7 Prozent Wachstum. Im Gegensatz dazu wurde bei dem Krisenszenario im Bereich der Konjunktur eine Abweichung in Form von 3 Prozent im Vergleich zu der EU-Vorhersage sowie eine Verflachung der Zinsstrukturkurve angenommen, der Markt verschlechtert sich somit erheblich. Darauf basierend tritt beim Crashszenario sogar noch eine negative Entwicklung beim Staatsanleihenmarkt auf. Dabei steigen die Belastungsaufschläge bei einer gleichzeitig sinkenden Rendite.
An diesem Stresstest, bei dem die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Banken in unterschiedlichen Situationen untersucht wurde, nahmen europaweit 91 Banken teil. Dies entspricht einem Anteil von 65 Prozent des Kreditmarkts. Aufgrund dieses vergleichsweise hohen Anteils kann das Ergebnis dieses Tests quantitativ als repräsentativ angesehen werden, Kritiker bemängeln aber zum Teil die qualitative Gestaltung.
Stresstest - Ergebnisse im Überblick
An dem im Jahr 2010 durchgeführten Stresstest für Bank haben in Europa 91 Kreditinstitute teilgenommen. 14 dieser teilnehmenden Institute stammen aus Deutschland. Grundlage für das Bestehen der Szenarien stellte die Zahlungsfähigkeit der Institute, vor allem durch die Kennzahl der Kernkapitalquote, dar. Von den insgesamt 91 getesteten Banken bestanden 7 Institute den Test nicht und rutschten unter die geforderte Kernkapitalquote von 6 Prozent. Eine dieser Banken ist auch die deutsche Hypo Real Estate, die im 3. Szenarium nur noch eine Kernkapitalquote von 4,7 Prozent aufwies.
Grundsätzlich stellt sich hier nun die Frage, ob dieses Ergebnis beunruhigen sollte. Aus diversen Publikationen der Bundesregierung ist zu entnehmen, dass das Ergebnis der Hypo Real Estate nicht so schlecht ist, wie es auf den ersten Blick scheint, da die gesetzliche Mindestkernkapitalquote von 4,0 Prozent eingehalten wurde und einige spezifische Faktoren der tief greifenden Umstrukturierung im Rahmen der Geschäftsausrichtung der HRE beim Stresstest noch keine Berücksichtigung finden konnten. Nach Angaben der Bundesregierung sind die deutschen Banken "robust und widerstandsfähig". Ähnliche Angaben wurden auch in vielen anderen Ländern der Europäische Union über die nationalen Banken getroffen.
Einige Kritiker können diese Meinung aber nicht teilen und sind der Auffassung, dass die Stresstestergebnisse gezielt in eine Richtung gelenkt wurden oder zumindest gelenkt werden konnten.
Kritik am Stresstest
Grundsätzlich wurden bei dem durchgeführten Stresstest drei von Tausenden möglichen Szenarien durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Szenarien lassen zwar prinzipiell einen Rückschluss auf die Leistungsfähigkeit der getesteten Banken bei einem Eintritt der geprüften Szenarien zu, es ist aber nie zu erwartenden, dass eines dieser Szenarien unbedingt so eintritt. Gerade in der Praxis kann eine Verkettung von verschiedenen Ereignissen dazu führen, dass eine Bank, die den Test bestanden hat, leistungsunfähig wird. Teilweise wird von einigen Experten sogar angenommen, dass die vermeintliche Sicherheit über die Leistungsfähigkeit in Krisensituation sogar zu einem erhöhten Risiko der Selbstüberschätzung führen kann und die Stabilität des Bankensystems zu hoch eingeschätzt wird.
Neben dem Punkt der Szenariengestaltung sehen einige Experten vor allem ein Problem bei der Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Die unterschiedliche Ausrichtung der verschiedenen Kreditinstitute aber auch die differenzierte Umsetzung des Szenariums 3 im Bereich der Staatsanleihen innerhalb der einzelnen EU-Länder ermöglichen einen Spielraum und erschweren somit einen Vergleich der Ergebnisse.
Aus diesem Grund sollten die Ergebnisse des Stresstests aus einer gewissen Distanz betrachtet und nur als eine tendenzielle Richtung angesehen werden. Ein übertriebener Optimismus bei einem positiven Ergebnis ist genauso wenig angebracht, wie das absolute Horrorszenarium bei der HRE aufgrund eines nicht bestandenen Tests.
Weitere Informationen
- Stakeholder(vorheriger Artikel)
- Venture Capital(nächster Artikel)
Die verschiedenen Kapitalmarktkrisen führten zunehmend dazu, dass viele Verbraucher bei der Anlage ihrer Ersparnisse der Leistungsfähigkeit der Banken nicht mehr trauten. Der durch die EU durchgeführte Stresstest beruht auf Szenarien, welche die Leistungsfähigkeit der Banken untersuchen und Sicherheiten schaffen soll.