Spitzensteuersatz
Progressives Steuersystem und Steuergerechtigkeit
Spitzensteuersatz - Für und Wider
Das deutsche Steuersystem wendet ebenso wie die Steuerpolitik vieler Staaten eine progressive Berechnungsgrundlage an. Darin enthalten sind
- Eingangssteuersatz,
- Grundfreibeträge,
- Eckwerte,
- Spitzensteuersatz.
Dieses Steuersystem soll zu einer größeren Steuergerechtigkeit führen, indem Bezieher schwacher Einkommen mit einem prozentual niedrigeren Steuersatz belastet werden als höhere Einkommen. Grundlage ist der Gedanke, dass Bezieher hoher Einkommen auch nach Abzug eines hohen Steuersatzes noch ein deutlich höheres Nettoeinkommen erzielen, als Geringverdiener.
Der Spitzensteuersatz führt regelmäßig zu Diskussionen in politischen Parteien, Regierungen und in der Gesellschaft. Naturgemäß haben die politischen Parteien zum Grenzsteuersatz sehr unterschiedliche Ansichten. Während links orientierte Parteien auf ihren Parteitagen regelmäßig für die Erhöhung der oberen Steuergrenze plädieren, sind es insbesondere die Parteien, die den Interessen von Unternehmern und Beziehern hoher Einkommen nahe stehen, die den Höchststeuersatz möglichst reduzieren möchten. Eine objektive Betrachtung der Steuergerechtigkeit ist nur schwer möglich, da die betroffenen Einkommensgruppen diese aus ihrer jeweiligen Position bewerten.
Spitzensteuersatz im internationalen Vergleich
Regierungen sind gut beraten, den Spitzensteuersatz in ihrem Staat mit den Höchststeuersätzen der Nachbarstaaten zu vergleichen. Während Bezieher geringer Einkommen aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten und Beschäftigungsverhältnisse örtlich stärker gebunden sind, besteht die Gefahr, dass Großverdiener in Nachbarländer übersiedeln, in denen sie mit einer geringeren steuerlichen Belastung rechnen können. Künstler, Sportler und Industrielle verlegten in der Vergangenheit häufiger ihren Hauptwohnsitz in die grenznahen Bereiche der Nachbarländer.
Deutschland rangiert im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld. Die niedrigste Steuerbelastung tragen Einkommensbezieher in Bulgarien. Ähnlich wie in anderen ehemaligen Ostblock-Staaten gibt es in Bulgarien einen einheitlichen, vom Einkommen unabhängigen Steuersatz. Traditionell einen sehr hohen Spitzensteuersatz haben die skandinavischen Staaten mit Ausnahme von Norwegen. Auch in den Niederlanden, in Belgien, in Großbritannien und in Österreich ist der Grenzsteuersatz deutlich höher, als in Deutschland. In den meisten europäischen Staaten beträgt der Höchststeuersatz zwischen 40 und 50 Prozent. Neben dem prozentualen Höchststeuersatz hat auch die Einkommensgrenze für die Anwendung dieses Satzes eine wichtige Bedeutung.
Spitzensteuersatz und Besteuerungsgrundlagen
Die niedrigste Einkommensgrenze für die Berechnung des Spitzensteuersatzes besteht in Slowenien. Bereits ab einem Einkommen von rund 15.000 Euro wird dort der Höchststeuersatz angewendet. In Deutschland hingegen wird erst ein Jahreseinkommen ab einer Höhe von über 200.000 Euro mit dem höchsten Steuersatz belastet. In vielen europäischen Ländern betragen die Einkommensgrenzen für den Höchststeuersatz zwischen 30.000 und 70.000 Euro. Die Frage nach der Steuergerechtigkeit ist also nicht nur durch den Spitzensteuersatz bestimmt, sondern auch durch die Einkommensgrenze, ab der er erhoben wird.
Neben der Steuerpflicht profitieren Einkommensbezieher auch von unterschiedlichen Steuervergünstigungen und Abschreibungsmöglichkeiten, die ebenfalls prozentual bemessen werden. In diesen Fällen sind Bezieher hoher Einkommen stärker begünstigt, als Geringverdiener. Dadurch relativiert sich die Höhe der Steuerlasten. In einigen europäischen Staaten finanziert sich das Sozialversicherungssystem ausschließlich aus Steuerleistungen. So erklären sich zum Beispiel die hohen Steuersätze in Dänemark und Schweden, die im Gegensatz zum deutschen Steuersystem auch Renten- und Krankenversicherungsbeiträge enthalten.
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