Sondertilgung

Sondertilgung und Alternativen abwägen

Wer ein Haus finanzieren möchte, muss sich zuvor genau informieren. Gerade beim Thema Sondertilgung ist Aufmerksamkeit geboten. Hier finden Sie die wichtigsten Fakten zusammengestellt, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Außerdem Informationen über die Vorteile und die Nachteile.

Sondertilgung - Möglichkeiten und Nutzen

Der Begriff Sondertilgung bezeichnet eine vorzeitig unplanmäßige Zahlung im Rahmen eines Kreditvertrags. Generell hat der Kreditnehmer nur in wenigen Ausnahmefällen ein grundsätzliches Recht, eine Sonderzahlung zu leisten. Als Beispiel hierfür sind Bauspardarlehen bei Bausparkassen zu nennen.
Trotzdem räumen viele Kreditanbieter ihren Kunden das Recht auf eine Sonderzahlung ein, die jedoch zumeist in der Höhe beschränkt ist. In der Praxis sind im Bereich der Baufinanzierung folgende Grenzen üblich:

  • die jährliche Sonderzahlung kann maximal zwischen 5 und 10 Prozent der Darlehenssumme betragen,
  • innerhalb der Zinsbindung dürfen die Sonderzahlungen 25 Prozent der Darlehenssumme nicht überschreiten.

Grundsätzlich verfolgt eine Sonderzahlung das Ziel, den Tilgungszeitraum oder die monatliche Belastung zu kürzen. In der Praxis ist dies jedoch nur selten der Fall. Der Grund hierfür ist in der Vertragsgestaltung der Anbieter zu finden. In der Regel führt die Einräumung des Rechts der Sonderzahlung zu einem erhöhten Zinssatz, je nach Anbieter steigt er etwa um 0,1 Prozent. Dies scheint zwar nicht viel, kann sich aber in mehreren Jahren zu vielen Tausend Euro mehr an Zinsen summieren.

Nachweislich können Sonderzahlungen nur selten Einsparungen in Höhe der Mehrkosten bewirken. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die Angebote genauestens zu vergleichen und gegebenenfalls freiwillig auf eine Sondertilgung zu verzichten.

Baufinanzierung Vergleich anfordern

Alternativen zur Sondertilgung

Wie bereits erwähnt ist das Recht auf eine Sondertilgung im Bereich der Baufinanzierung in den meisten Fällen mit einem höheren Zinssatz verbunden. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, bereits bei Kreditabschluss auf das Recht zu verzichten. Nachweislich nehmen nur wenige Kreditnehmer das Sondertilgungswahlrecht wirklich in Anspruch. Falls während der Tilgungsdauer tatsächlich ein zusätzlicher verfügbarer Geldbetrag vorhanden sein sollte, kann dieser anderweitig angelegt werden. Die Art der Anlage sollte dabei von der Restdauer der Zinsbindung abhängig sein. Bei Verträgen mit einer relativ kurzen restlichen Zinsbindung eignen sich zum Beispiel Tagesgeldkonten; falls der Zeitraum jedoch mehrere Jahre beträgt, stellen auch festverzinsliche Wertpapiere eine mögliche Form der Geldanlage dar.

Laut verschiedenen Berechnungen von diversen unabhängigen Instituten übertrifft der Zinsertrag bei diesen Anlageformen im Vergleich zur Sondertilgung fast immer die Zinsersparnis. Aus diesem Grund ist eine Finanzierung ohne Recht auf eine Sonderzahlung in den meisten Fällen die richtige Wahl.

Eine weitere Möglichkeit der Sonderzahlung für den Kreditnehmer ist ebenso im deutschen Recht verankert. Nach einem Ablauf von 10 Jahren hat der Kreditnehmer auf Grundlage des §609a BGB auch bei einer bestehenden Zinsbindung ein Sonderkündigungsrecht. Hierbei bedarf es nur einer Einhaltung einer Frist von 6 Monaten, anschließend kann das Darlehen aus den bestehenden Kapitalanlagen ganz oder teilweise zurückgezahlt werden.

Sondertilgung durch zwei Verträge

In manchen Fällen wissen Kreditnehmer bereits bei Vertragsabschluss, dass sie einmal das Recht auf eine Sondertilgung wahrnehmen möchten. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Darlehnsnehmer zu einem fixen Termin eine Leistung aus einer Versicherung erhält oder Anteile an ein Unternehmen verkauft. In solchen Fällen kann eine Immobilienfinanzierung über zwei Kapitalgeber beziehungsweise durch zwei Darlehen sinnvoll sein.

Die Baufinanzierung: Der beste Weg zu Haus oder Eigentumswohnung Schritt für Schritt führt der Ratgeber durch die einzelnen Finanzierungsphasen von der ersten Bedarfsermittlung bis zum Vertragsabschluss.

Dabei wird die erste Finanzierung mit einer möglichst langen Zinsbindung und ohne Sondertilgungsrecht mit einem zweiten Vertrag kombiniert. Bei dem zweiten Darlehnsvertrag kann es sich um eine Finanzierung mit einem inkludierten Sonderzahlungsrecht handeln. In diesem Fall ist jedoch darauf zu achten, dass die Höhe der möglichen Sonderzahlung dem beispielsweise aus der Versicherung zu erwartenden Betrag entspricht.

Alternativ zu einer Finanzierung mit einer Sondertilgungsoption bietet sich als Zweitvertrag auch noch eine andere Möglichkeit an: eine Baufinanzierung mit einer kürzeren Zinsbindung. Dabei sollte das Ende der Zinsbindung dem Zeitpunkt des Leistungsempfangs entsprechen. Die Vorteile für den Verbraucher liegen in der möglichen Ablöse beziehungsweise Sondertilgung am Ende der Zinsbindung sowie in dem vergleichsweise niedrigen Zinssatz. Dieser ist aufgrund der verkürzten Zinsbindung sowie dem Ausschluss der Sonderzahlungen im Vergleich zu den anderen Verträgen wesentlich günstiger.

Weitere Artikel