Scheinselbständigkeit

Vorsicht bei selbständiger Tätigkeit

Seit immer mehr Jungunternehmer auf den Markt drängen, hat sich bei uns in Deutschland die Problematik der Scheinselbständigkeit verschärft. Scheinselbständigen drohen hohe Nachzahlungen an die Sozialkasse, wenn sie abhängig beschäftigt werden.

Der Charakter der Scheinselbständigkeit

Und ewig lockt das Unternehmertum: Neue Möglichkeiten im Internet und auf globaler Ebene begeistern viele Männer und Frauen für eine selbständige Tätigkeit. Unternehmer treffen ihre eigenen Entscheidungen und genießen natürlich auch andere Verdienstmöglichkeiten als viele Angestellte und Arbeiter.

Private Rentenversicherungen Vergleich anfordern

Nicht zuletzt das Outsourcing vieler Geschäftsprozesse hat dazu geführt, dass Arbeitsbereiche von Unternehmen heute vielfach durch selbständige Unternehmer abgedeckt werden. Eine Scheinselbständigkeit liegt vor, wenn der Selbständige zwar als Unternehmer auftritt, aber tatsächlich zu den abhängig Beschäftigten eines anderen Unternehmens gezählt werden müsste. Wenn eine selbständige Tätigkeit als Scheinselbständigkeit enttarnt wird, sind die finanziellen Folgen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gravierend: Die gesetzlichen Beiträge zur Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung müssen bis zu 30 Jahren rückwirkend nachgezahlt werden. Wenn Unternehmen andere Unternehmer als Scheinselbständige mit Aufträgen versorgen, drücken sie sich hauptsächlich vor den hohen Sozialversicherungsbeiträgen, die für jeden Angestellten entrichtet werden müssen. Selbstständige tragen die Kosten ihrer Kranken-, Renten-, Pflege- und gegebenenfalls Arbeitslosenversicherung komplett eigenständig.

Selbstverständlich sind auch Kündigungsfristen nicht für selbständige Unternehmer gültig. Wer den Sprung in die Selbständigkeit wagen möchte und dabei an einen Auftraggeber gebunden ist, sollte sich ausreichend beraten lassen. Nicht in jedem Fall liegt nämlich eine Scheinselbständigkeit vor: Die arbeitnehmerähnlichen Selbständigen werden oft mit scheinselbständigen Unternehmern verwechselt. Allerdings ist hier eine Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse Voraussetzung.

Scheinselbständigkeit: Die Kriterien

Die Kriterien des Sozialgesetzbuches für die Klassifizierung von scheinselbständigen Unternehmertätigkeiten sind heute nicht mehr gültig. Mit dem § 7 Absatz 4 SGB IV wurden klare Richtlinien zur Scheinselbständigkeit aufgestellt. Demnach galten Unternehmer als Scheinselbständige, wenn sie 80 Prozent ihres Umsatzes durch einen Auftraggeber erbringen.

Scheinselbständige agieren zudem als Einzelunternehmung ohne sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer. Die Scheinselbständigkeit muss einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz im Unternehmen ausfüllen. Nach den alten SGB-Regelungen galten vor allem auch Selbständige als Scheinunternehmer, die vorab als Angestellte bei ihrem Auftraggeber auf einer vergleichbaren Position tätig waren. Scheinselbständige zeichnen sich zudem durch ein nicht unternehmertypisches Handeln aus, indem sie sich nur auf einen Auftraggeber verlassen und keine Neukundengewinnung betreiben.

Heute sind die gesetzlichen Einstufungskriterien für eine mögliche Scheinselbständigkeit nicht mehr gültig, was besonders unter dem Aspekt der Unternehmen, die als arbeitnehmerähnlich Selbständige eingestuft werden, zu Verwirrung geführt hat. Arbeitnehmerähnliche Selbständige sind echte Unternehmer, zahlen aber den vollen Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Erfasst werden hier im Wesentlichen Selbständige ohne Angestellte, die auf Dauer von einem Auftraggeber abhängig sind. Die arbeitnehmerähnliche Selbständigkeit ist vollkommen legal. Allerdings sollte bei Verdacht auf eine arbeitnehmerähnliche Unternehmung eine exakte Prüfung des Falls erfolgen, um eine hohe Nachzahlung der Rentenversicherungsbeiträge zu vermeiden. Mit fast 20 Prozent Rentenanteil können hohe Nachzahlungen anfallen.

Scheinselbständigkeit: Drohende Betriebsprüfungen

Wenn ein Verdacht auf Scheinselbständigkeit vorliegt, kann durch die Rentenkasse eine Betriebsprüfung angesetzt werden. In Anbetracht der steigenden Zahl vermuteter Scheinselbständigkeiten haben die Rentenversicherungen ihr Engagement in den vergangenen Jahren verstärkt und nehmen gezielt Betriebsprüfungen bei Unternehmern vor, um scheinselbständige Verhältnisse aufzudecken. Das Risiko von hohen Nachzahlungen der Sozialversicherungsbeiträge wird hauptsächlich von den Unternehmen getragen, die einen Scheinselbständigen beschäftigt haben: Die kompletten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung müssen nachgezahlt werden. Der Scheinselbständige trägt hier nur in der Theorie die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge, da sich eine Nachforderung in den meisten Fällen nicht erfolgreich ist. Da sich die Sozialausgaben bis auf 40 Prozent des Arbeitseinkommens belaufen, müssen Unternehmer mehr als das 1,5-Fache des eigentlichen Jahresgehalts an die Kassen nachzahlen.

Auch wenn das Thema Scheinselbständigkeit in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat, müssen sich echte Unternehmer nicht vor den Folgen einer Betriebsprüfung beim Hauptauftraggeber fürchten. Wer zeitweise für andere Unternehmen tätig ist, sein Honorar frei verhandelt und nicht grundsätzlich an einen Auftraggeber gebunden ist, geht auch keiner scheinselbständigen Beschäftigung nach. Das unternehmerische Risiko wird in diesem Fall immer durch den Selbständigen getragen. Der Unternehmer ist nur auftragsbezogen für andere tätig und erhält keinerlei firmeninterne Vergünstigungen.

Weitere Artikel