Schadenfreiheitsrabatte

Erläuterung der Schadenfreiheitsklassen (SF-Klassen)

Bei der Autoversicherung können Autofahrer durch langjähriges unfallfreies Autofahren attraktive Schadenfreiheitsrabatte erhalten. Dadurch verringert sich in der Haftpflichtversicherung und in der Vollkaskoversicherung der Versicherungsbeitrag.

Durch die Schadenfreiheitsrabatte wird die Prämie in der höchsten Klasse nach 25 unfallfreien Jahren bis zu 75 Prozent günstiger. In der Teilkaskoversicherung werden Schadenfreiheitsrabatte bei der Prämienberechnung nicht berücksichtigt. Die Klassifizierung der Schadensfreiheit ist bei den meisten Versicherungen gleich, allerdings können sich die Rabattprozente von Versicherung zu Versicherung geringfügig unterscheiden.

SF-Klassen: Höhere Prämien für Fahranfänger

Die Schadenfreiheitsrabatte werden als Schadenfreiheitsklassen (SF-Klassen) ausgewiesen. Fahranfänger starten in der höchsten Schadenfreiheitsklasse. Das ist die SF-Klasse 0. Aufgrund der fehlenden Erfahrungen beim Autofahren und der hohen Zahl der Unfälle, in die Fahranfänger meist verwickelt sind, berechnen die Versicherungen einen Prämienaufschlag von 140 bis 160 Prozent auf den Normaltarif.

Wer schon länger einen Führerschein besitzt, aber noch kein eigenes Auto zugelassen hat, startet in der Regel in der Schadenfreiheitsklasse 1/2 mit 120 Prozent. Mit jedem unfallfreien Jahr steigen Versicherte in eine neue Schadenfreiheitsklasse und es erhöht sich der prozentuale Rabatt. In den ersten Jahren ist der Anstieg der Rabatte in den Schadenfreiheitsklassen größer, so dass schon nach sieben Jahren nur rund die Hälfte der Normalprämie zu zahlen ist. Mit der jährlichen Versicherungsrechnung informieren die Unternehmen ihre Versicherten über die neuen Schadenfreiheitsklassen zum 1. Januar des Folgejahres.

Bei Unfall Rückstufung der Schadenfreiheitsrabatte

Die Schadenfreiheitsklassen bestimmen also die entsprechenden Schadenfreiheitsrabatte. Wird ein Schaden über die Versicherung reguliert, findet eine Rückstufung in den Schadenfreiheitsklassen statt. Das heißt, der Versicherte verliert einen Teil seines Rabattes und kann neue Rabatte nur durch weitere unfallfreie Jahre erhalten.

In welchem Umfang eine Rückstufung in den Schadenfreiheitsklassen stattfindet, ist in den Vertragsbedingungen der jeweiligen Versicherung festgelegt. Je nach Anzahl der in einem Jahr regulierten Schäden kann ein Versicherter wieder bis in die Schadensfreiheitsklassen 0 bzw. M zurückgestuft. Bei den meisten Versicherungen gibt es entsprechende Rückstufungstabellen, aus denen Versicherte die Rückstufung nach einem, zwei oder bei drei Unfällen ermitteln können.

Diese Tabellen sind Bestandteil der Versicherungsunterlagen. Die Rückstufung und damit Neuberechnung der Versicherungsprämie wird immer mit der neuen Jahresrechnung wirksam, die zum Stichtag 1. Januar erstellt wird. Die Rückstufung in den SF-Klassen wird immer im jeweiligen Versicherungsbereich vorgenommen. Das bedeutet: Wird ein Schaden nur über die Haftpflichtversicherung reguliert, hat die Rückstufung nur auf die Haftpflichtversicherung Auswirkung.

Selbstregulierung des Schadens kann sich rechnen

Eine Rückstufung nach einem Unfall ist allerdings nicht immer zwingend notwendig. Bei kleineren Schäden können Versicherte prüfen, ob sich eine Selbstregulierung rechnet und die Versicherung den Schaden nicht bezahlt. Das ist meistens dann von Vorteil, wenn bei einer Rückstufung in den SF-Klassen die Summe der höheren Versicherungsbeiträge größer ist, als die Höhe des Schadens, den der Versicherte aus seiner eigenen Tasche zahlt.

Die Versicherungen sind selbst aufgefordert, den Versicherten auf diese Möglichkeit hinzuweisen. Die Übernahme der Reparaturkosten kommt in der Regel bei Bagatellschäden in Betracht. Greift bei einem Unfallschaden die Haftpflichtversicherung beim Unfallopfer und die Vollkaskoversicherung bei der Regulierung der eigenen Schäden, können Versicherte auch abwägen, ob nur der größere Schaden von der Versicherung getragen wird und der kleinere Schaden aus der eigenen Tasche beglichen wird. In diesem Zusammenhang ist auch der Rückkauf eines Schadens möglich. Meist kann dabei bis zu sechs Monate nach der Regulierung durch die Versicherung der Schaden noch nachträglich selbst bezahlt werden. Die Rückstufung wird dann nicht wirksam.

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Schadenfreheitsrabatte: Rabattretter gegen Aufpreis möglich

Eine weitere Möglichkeit für Versicherte, die Rückstufung zu vermeiden und die bisherigen Schadenfreiheitsrabatte weiter zu nutzen, ist der so genannte "Rabattretter". Viele Versicherungen bieten diese Lösung in ihren Versicherungsverträgen an. Sie verzichten damit auf die Rückstufungen in den Schadenfreiheitsklassen, allerdings können hierfür unterschiedliche Regelungen für die Haftpflichtversicherung und für die Vollkaskoversicherung gelten.

Vom "Rabattretter" profitieren zum einen Autofahrer, die 20 bzw. 25 Jahre und länger ohne Unfall auf den Straßen unterwegs sind. Ohne zusätzliche Kosten wird der Versicherungsbeitrag nach einem Unfall nicht erhöht, auch wenn aus formalen Gründen eine Rückstufung stattfindet. Autofahrer und Versicherte, die wegen zu geringer Versicherungsjahre noch nicht den Vorteil einer kostenfreien Rabattrettung aus Kulanzgründen nutzen können, haben trotzdem die Möglichkeit, den "Rabattretter" vertraglich zu vereinbaren. Sie zahlen dafür aber einen Aufschlag auf die Prämie. Der Aufpreis kann zwischen 5 und 15 Prozent liegen.

Der Rabattretter gilt in der Regel nur für einen Unfall im Jahr, der von der Versicherung ohne Rückstufung des Versicherten und damit ohne Beitragserhöhung reguliert wird. In den jeweiligen Versicherungsverträgen ist geregelt, ab welchen SF-Klassen der Rabattretter vereinbart werden kann. Diese Option kann dann beispielsweise erst ab der Schadenfreiheitsklasse 4 oder 5 gelten. Ob ein Rabattretter sinnvoll ist, sollte am besten in einem Online-Vergleich mit verschiedenen Versicherungstarifen ermittelt werden.

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