Riester Rente im Vergleich

Wie sinnvoll ist das Riestern? Vorteile und Nachteile

Lohnt sich die Riester-Rente noch? Sinkende Garantieversprechen der Versicherer, niedrige Zinsen und hohe Kosten sorgen für rege Diskussionen. Doch im Vergleich zu anderen Produkten erhalten Sparer beim „Riestern“ die höchste staatliche Förderung. Welche Riester-Anlage 2015 für wen geeignet ist und welche Vorteile und Nachteile bestehen, zeigt unser Ratgeber.

Was ist ein Riester-Vertrag?

Die Riester-Rente ist eine privat finanzierte und staatlich geförderte Altersvorsorge. Mit ihr lassen sich die Rentenkürzungen der gesetzlichen Rente auffangen. Zulagen und Steuervorteile sorgen für eine hohe Förderung.

Je nach Einkommen und Familiensituation liegt der Zuschuss vom Staat für einen Riester-Vertrag bei bis zu 200%. Das Verlustrisiko ist gesetzlich ausgeschlossen. So stehen dem Sparer zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge plus der Zulagen zur Verfügung.

Staatlich geförderte Rente auf einen Blick

Eigenbeitrag

4% des sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens bzw. der Beamtenbezüge des Vorjahres

Maximaler Förderbetrag

2.100 EUR inklusive der Zulagen

Grundzulage

154 EUR pro Jahr

Kinderzulage

185 EUR bzw. 300 EUR für ab 2008 geborene Kinder, je Kind und solange Kindergeld bezogen wird, maximal bis zum 25. Lebensjahr

Berufseinsteigerbonus

Förderberechtigte, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, erhalten einmalig 200 EUR, wenn sie eine Riesterrente abschließen und den Mindesteigenbeitrag zahlen.

Sockelbetrag

60 EUR im Jahr, gilt für Kindererziehende, mittelbar Zulagenberechtigte und Personen, deren Eigenbeitrag nach Abzug der Zulagen unter 60 EUR sinken würde.

Kapitalabfindung

Maximal 30% zu Beginn der Auszahlungsphase

Wer darf riestern?

Folgende Personen zählen zum zum förderfähigen Personenkreis:

  • Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung,
  • Beamte,
  • Angestellte des öffentlichen Dienstes,
  • Handwerker, solange sie pflichtversichert sind,
  • pflichtversicherte Landwirte nach dem Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte, 
  • Lohnersatzleistungsbezieher (Personen, die z.B. Arbeitslosengeld I oder II, Krankengeld beziehen), 
  • Pflegepersonen,
  • nicht berufstätige Kindererziehende während der Kindererziehungszeit,
  • geringfügig Beschäftigte, die auf die Versicherungsfreiheit verzichtet haben.

Vom Kreis der Begünstigten der Riester Rente ausgenommen sind alle nicht genannten Personen, die nicht Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung sind.

Wie riestern?

Klassische, fondsgebundene Variante oder über einen Banksparplan? Ein Vergleich der Sparformen zeigt, welche Riester-Anlage für wen geeignet ist. Wichtig ist, dass der Vertrag zu den eigenen Bedürfnissen passt. Wer risikoreich investieren möchte, fährt z.B. mit einem fondsgebundenen Angebot am besten. Für Häuslebauer ist möglicherweise der Wohn-Riester interessant. Vor dem Abschluss sollte man daher die Vor- und Nachteile der jeweiligen Vertragsformen vergleichen.

Aktuelle Zahlen aus dem Bundesarbeitsministerium zeigen, dass der Zuwachs bei Riester-Policen in 2014 geringer ausfällt als in den Vorjahren. Einzig beim sogenannten Wohn-Riester ergab sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ein nennenswerter Zuwachs. Insgesamt existieren per Ende September 2014 fast 16,1 Millionen Riester-Verträge.

Kritik an Riester

und was dran ist

1. Riestern lohnt sich nicht

Falsch. Mit guten Verträgen erhalten Sparer durch die staatlichen Zulagen und Steuerersparnis eine ordentliche Rendite. Sie ist höher als bei vergleichbaren Produkten, auch wenn die Kosten höher sind. Die Riester Rente weist die höchste Nachsteuerrendite aller Vorsorgeprodukte auf.

2. Nur wer alt wird, macht bei Riester ein Plus

Stimmt nicht. Für den "Gewinn" bei Riester kommt es auf die Rendite des Vertrages an. Diese hängt u.a. von den Kosten des Vertrages. Bei teuren Policen dauert es länger, bis die Summe der Rentenzahlungen die eigenen Beiträge und Zulagen übersteigt.

3. Riester lohnt nicht für Geringverdiener

Falsch. Gerade für Geringverdiener ist die Zulagenquote, also der Anteil der staatlichen Förderung am Gesamtbeitrag, immens. Wer Kinder hat, kommt durch Grund- und Kinderzulage(n) auf eine Förderquote von 70%.

4. Riestern ist unflexibel und intransparent

Stimmt nicht. Per Gesetz ist vorgesehen, dass sich der Riester-Vertrag dem Einkommen und der familiären Situation anpasst. Kommen Kinder hinzu, muss der Sparer weniger einzahlen. Beitragspausen wegen Arbeitslosigkeit sind jederzeit möglich. Das Riester-Vermögen kann zudem für die eigene Immobilie eingesetzt werden.

5. Zu hohe Bürokratie und Komplexität

Stimmt zum Teil. Die Zulagen können unproblematisch über den Anbieter bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) beantragt werden. Sie fließen automatisch in den Vertrag. Allerdings sind die Regelungen zur Förderung für den Laien schwer verständlich.

6. Riester-Produkte sind teuer

Stimmt zum Teil. Für jedes Vorsorgeprodukt werden Abschluss- und Vertriebskosten erhoben. Aufgrund des hohen Verwaltungsaufwands fallen bei Riester-Policen höhere Kosten an. Trotzdem rechnet sich das Riestern aufgrund der staatlichen Förderung für jeden.

7. Riestern ist unpopulär

Stimmt. Mit rund 15,5 Millionen Verträgen nutzen nicht einmal die Hälfte der Förderberechtigten dieses Instrument zur Altersvorsorge. Ob es an den Produkten oder an einer mangelnden Aufklärung der Verbraucher liegt - Riester hat sich noch nicht bei allen durchgesetzt.

Fazit

Riestern rechnet sich aufgrund der Zulagen und der Steuervorteile. Wer eine private Zusatzrente aufbauen möchte, fährt mit Riester besser als mit ungeförderten Produkten.

Riester-Rente: Die Produkte im Vergleich

Jeder Sparer kann seiner Risikoneigung entsprechend einen Riester-Vertrag wählen. Konservative Anleger setzen auf Banksparpläne oder den Wohn-Riester, spekulative Sparer setzen eher auf die fondsgebundene Variante. Nachfolgend stellen wir Ihnen die jeweiligen Produkte zur Riester-Rente kurz vor.

Klassische Riester-Rentenversicherung

Staatlich geförderte Rentenversicherung bei einem privaten Versicherungsunternehmen mit Garantieverzinsung. Zum Rentenbeginn sind die Einzahlungen und Zulagen als mindestens garantiert. Daraus wird eine garantierte Rente gebildet. Überschüsse erhöhen die Garantiewerte. Aktuell liegt der Garantiezins bei 1,75% pro Jahr. Die Zulagen fließen in den Vertrag und erhöhen das Kapital. Die Garantiewerte und Überschussbeteiligungen unterscheiden sich stark, daher lohnt ein Vergleich der Riester-Anbieter.

Fondsgebundene Riester-Rentenversicherung

Staatlich geförderte fondsgebundene Rentenversicherung bei einem privaten Versicherer. Die Anlage der Kundengelder erfolgt in Aktien-, Renten-, Immobilien- oder Mischfonds. Die Versicherer bieten ebenfalls Dachfonds, vermögensverwaltende Fonds sowie eigene Strategieportfolios an. Bei fondsgebundenen Riester-Renten müssen ebenfalls die Einzahlungen und Zulagen zum Laufzeitende garantiert werden. Allerdings sind die Renditeaussichten deutlich größer als bei klassischen Verträgen. Moderne Sicherungsmechanismen sorgen dafür, dass das angesparte Kapital keinen hohen Schwankungen ausgesetzt ist. Aufgrund hoher Kostenunterschiede sollte man die Riester-Verträge miteinander vergleichen.

Anzahl der Riester-Verträge

1.440.000
3.370.500
3.924.440
4.189.500
5.630.900
8.050.000
10.757.000
12.147.000
13.253.000
14.389.000
15.360.000
15.700.000
15.885.000
16.291.000
16.315.000
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Riester-Banksparplan

Staatlich geförderter Sparvertrag bei einer Bank. Die Anlage erfolgt dabei in festverzinsliche Wertpapiere, Tages- und Festgeld. Dadurch ist der Riester-Banksparplan eine sichere Investition, die im Gegenzug lediglich Mini-Renditen bringt. Grundsätzlich eignen sich derartige Verträge für ältere Kunden, die sich die Zulagen sichern, aber keine Schwankungen in Kauf nehmen wollen. Oder für Personen, die sich noch nicht für ein Produkt entscheiden können und flexibel bleiben möchten. Für die langfristige Anlage sind Riester-Banksparpläne hingegen wenig geeignet.

Riester-Fondssparplan

Staatlich geförderte Sparpläne in Investmentfonds. Die Anlage kann in Renten- und Aktienfonds erfolgen. Für die Garantien muss der Anbieter Teile der Kundengelder in Geldmarkt- oder Garantiefonds anlegen. Dadurch sind Verluste zum Rentenbeginn ausgeschlossen. Die Renditechancen sind bei Anlagen in Aktienfonds am höchsten. Allerdings sind Verluste bei einem Produktwechsel während der Ansparphase möglich. Ein Vergleich der Anbieter ist empfehlenswert, weil sich die Kosten für das Management und der Ausgabeaufschlag unterscheiden.

Wohn-Riester

Staatlich geförderte Darlehen oder Bausparverträge für das Eigenheim oder die Eigentumswohnung. Die Sparbeiträge und Zulagen werden zur Finanzierung einer Immobilie verwendet. Der Riester-Bausparvertrag bietet niedrige Zinsen für gesamte Laufzeit. Allerdings ist das Bauspardarlehen geringfügig teurer als herkömmliche Darlehen. Das Riester-Darlehen bietet sich an, wenn man bereits eine Immobilie kaufen und abzahlen möchte. Wichtig: Die Immobilie muss selbst genutzt werden.

Der Renten-Fahrplan: Früher aufhören, richtig planen, mehr rausholen
Der Ratgeber der Stiftung Warentest erklärt einfach und übersichtlich die Situationen, in denen Sie Fehler machen und Rente verschenken könnten, und er rät frühzeitig zu planen.

So wird 2015 geriestert

11.009.000
3.082.000
1.411..000
813.000
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Vorteile der Riester-Rente

Der größte Vorteil der Riester-Rente liegt in den staatlichen Zuschüssen, die jedes Jahr gezahlt werden. Zudem können die Beiträge als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Daraus kann sich zusätzlich eine Steuerrückzahlung durch das Finanzamt ergeben. Je nach Familiensituation und Einkommen liegt der staatliche Zuschuss bei bis zu 200 Prozent. Insgesamt können maximal 2.100 Euro pro Jahr inklusive der Zulagen in einen Riester-Vertrag eingezahlt werden.

Zudem gelten für alle Riester-Produkte bestimmte Mindestanforderungen, die von der  Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen festgelegt und überwacht werden. Dazu zählt,  dass zu Rentenbeginn mindestens das eingezahlte Kapital plus die staatlichen Zulagen für die Rente zur Verfügung stehen müssen.

Nachfolgend eine Übersicht der wichtigsten Vorteile der Riester-Rente:

  • Hohe Förderquote: Bis zu 200 Prozent der Beiträge werden vom Staat gezahlt.
  • Extra-Zuschlag für Eltern: 300 Euro (statt 185 Euro) Kinderzulage jährlich für alle Neugeborenen ab 2008.
  • Ausbildungsbonus: Einmaliger Zuschuss von 200 Euro, wenn die Riester-Rente vor dem 25. Lebensjahr abgeschlossen wird.
  • Erstattung vom Finanzamt möglich: Die Beiträge können zusätzlich Ihre Einkommensteuer senken.
  • Hartz-IV-sicher: Ihr Vorsorge-Vermögen bleibt auch bei Arbeitslosigkeit unangetastet, sofern staatlich gefördert.
  • Teilkapitalisierung: Sie können bis zu 30 % Ihres Guthabens zum Rentenbeginn abrufen.
  • Beitragserhaltungsgarantie: Mindestens alle eingezahlten Beiträge und Zulagen stehen zum Rentenbeginn für die Leistungen zur Verfügung.

Fallbeispiele Förderquoten Riester-Rente

Fall 1: Single, ohne Kinder, Bruttoeinkommen: 35.000 EUR

Zulagen: 154 EUR
Steuervorteil: 326 EUR
Gesamtförderung: 480 EUR pro Jahr
Förderquote: 34%

Fall 2: Single, ohne Kinder, Bruttoeinkommen: 12.000 EUR

Zulagen: 154 EUR
Steuervorteil: -
Gesamtförderung: 154 EUR pro Jahr
Förderquote: 32%

Fall 3: Familie mit 2 Kindern, verheiratet, Kinder nach 2008 geboren, Bruttoeinkommen: 45.000 EUR

Zulagen: 908 EUR
Steuervorteil: 178 EUR
Gesamtförderung: 1.086 EUR pro Jahr
Förderquote: 33%

Fall 4: Single, ohne Kinder, Bruttoeinkommen: 60.000 EUR

Zulagen: 154 EUR
Steuervorteil: 777 EUR
Gesamtförderung: 931 EUR pro Jahr
Förderquote: 44%

Fall 5: Ledig, 2 Kinder nach 2008 geboren, Bruttoeinkommen: 20.000 EUR

Zulagen: 754 EUR
Steuervorteil: -
Gesamtförderung: 754 EUR pro Jahr
Förderquote: 92%

Berechnungsgrundlagen für die Förderquoten:

  • Grundzulage je förderberechtigter Person = 154 Euro pro Jahr
  • Kinderzulage je kindergeldberechtigtem Kind: geboren vor 2008 = 185 EUR, geboren ab 2008 = 300 EUR
  • Berufseinsteiger-Bonus von 200 EUR (einmalig) pro Person, wenn Sie zu Vertragsbeginn unter 25 Jahre sind
  • Bruttoeinkommen ist das Einkommen vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben
  • Bei der Berechnung wird eine "optimale Beitragszahlung" unterstellt, d.h. um die vollen staatlichen Zulagen zu erhalten müssen 4% des rentenversicherungspflichtigen Einkommens des Vorjahres als Gesamtbetrag aufgewendet werden. Der förderfähige Höchstbetrag liegt bei 2.100 EUR pro Jahr.
  • Der dargestellte Steuervorteil ist ein grober Näherungswert. Die exakte Steuerrückerstattung hängt von Ihrer individuellen Einkommens- und Steuersituation ab. Ein Steuerberater kann Ihnen genaue Auskünfte erteilen.

Riester-Förderung: Zulagen und Steuerersparnis

Die volle Riester-Zulage von 154 Euro gibt es, wenn Sie mindestens vier Prozent des sozialversicherungspflichtigen Einkommens des Vorjahres abzüglich der Zulagen in den Vertrag einzahlen. Die Zulagen fließen jedoch nur, wenn ein Zulagenantrag beim Anbieter gestellt wurde. Für Familien hält der Staat eine besonders hohe Förderung bereit: Ein Elternteil erhält bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Jahr.

Singles und Familien ohne Kinder erhalten in der Regel nach Einreichung der Steuererklärung Geld vom Finanzamt zurück. Grundsätzlich gilt: Je mehr in den Riester-Vertrag eingezahlt wird, desto höher ist die Steuerersparnis.

Neuregelung für Rentner im Ausland

Wer seinen Wohnsitz im Ruhestand in ein EU-/EWR-Land verlegt, muss die erhaltene Förderung nicht zurückzahlen. Dies hat der EuGH in einem Urteil im September 2009 entschieden (C -269/07, Kommission / Deutschland, BFH/NV 2009, 1930, RIW 2009, 723). Bestehende Regelungen seien mit dem Europarecht nicht vereinbar.

Gleichzeitig wurde entschieden, dass das Riester-Kapital auch für die Anschaffung einer Immobilie im EU-/EWR-Raum verwendet werden darf (§ 92a Abs. 1 Satz EStG). Bei der Immobilie muss es sich um die Hauptwohnung handeln, so dass eine Förderung von Ferienhäusern ausgeschlossen ist.

Wenn der Zulegenberechtigte verstirbt, muss der überlebende Ehegatte die Förderung nicht zurückzahlen, wenn die Wohnung weiter für eigene Zwecke genutzt wird.

Unser Tipp: Klären Sie vor einem Umzug mit Ihrem Anbieter die Folgen für Ihren Riester-Vertrag. Fragen rund um die staatliche Förderung können Sie telefonisch mit der Zentralen Zulagenstelle (ZfA) klären: 0 33 81/21 22 23 24.

Nachteile beim Riestern beachten

Kein anderen Vorsorgeprodukt wird mit derart hohen Zulagen und Steuervorteilen gefördert wie die Riester-Rente. Doch jede staatliche Förderung ist auch an Bedingungen geknüpft. Daher sollte man sämtliche Vertragsdetails vor dem Abschluss kennen.

  • Keine Kapitalauszahlung: Zu Rentenbeginn können maximal 30% des angesparten Vermögens auf einen Schlag ausgezahlt werden. Der Rest wird in monatlichen Raten bis zum Lebensende ausgezahlt. Die Auszahlung des gesamten Kapitals hätte zur Folge, dass sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen.
  • Teurer Anbieterwechsel: Wer mit seinem Produkt oder Anbieter unzufrieden ist und wechseln möchte, muss erneut die Abschluss- und Vertriebskosten zahlen. Zwar ist der Anbieterwechsel gesetzlich vorgesehen, doch leider auch, dass der Kunde Wechselgebühren und die vollen Abschlusskosten für das neue Riester-Produkt zahlen muss.
  • Wohnsitzverlagerung kostet Förderung: Wer im Ruhestand seinen Wohnsitz in ein Land außerhalb der EU verlegt, muss die komplette Riester-Förderung zurückzahlen. Die Zulagen werden einbehalten. Zudem kann das Gastland noch Steuern auf das Einkommen erheben. Wer seinen Hauptwohnsitz in Deutschland behält, muss hingegen keine Kürzung befürchten. 
  • Fehlende Vertragsanpassung: der Dauerzulagenantrag vereinfacht das Procedere um die staatlichen Zuschüsse. Allerdings verpassen es Riester-Sparer meist, ein verändertes Einkommen oder eine Änderung beim Familienstand dem Anbieter mitzuteilen. Der ungewollte Nachteil: Die Zulage wird nicht in voller Höhe ausgezahlt, weil der Sparer einen zu geringen Beitrag leistet oder - im anderen Fall - der Vertrag wird "überzahlt", was zu negativen steuerlichen Konsequenzen führt.
  • Problematische Vererbung: Eine gesetzliche Regelung zur Vererbung von Riestervermögen gibt es nicht. Grundsätzlich erhalten im Todesfall der Ehepartner und Kinder das angesammelte Vermögen. Maßgebend sind jedoch die vertraglichen Details. Bei Riester-Versicherungen muss eine Rentengarantiezeit vereinbart werden. Das Kapital wird bei Tod an die Hinterbliebenen ausgezahlt. In der Ansparphase kann das Kapital in einen Riestervertrag des Ehegatten übertragen werden. Bei Riester-Fondssparplänen erfolgt die Vererbung des Kapitals an die Hinterbliebenen. Allerdings gehen die Zulagen und Steuervergünstigungen verloren.

Optionen zu Rentenbeginn

Die Leistungen des Riester-Vertrages hängen von der gewählten Anlageform ab. Chancen auf höhere Erträge bieten fondsgebundene Versicherungen oder Investmentfondssparpläne. Zu Rentenbeginn stehen folgende Auszahlungsoptionen zur Verfügung:

  1. Lebenslange monatliche Rente (Rentenbeginn frühestens ab Vollendung des 62. Lebensjahres)
  2. Teilkapitalisierung: Auszahlung von maximal 30% des Vertragsguthabens auf einen Schlag und Verrentung des Restkapitals
  3. Entnahme von 75 oder 100% des Kapitals für eine selbst genutzte Immobilie oder Rückzahlung eines Darlehens
  4. Bei Tod: Übertragung des Kapitals auf den Riester-Vertrag des überlebenden Ehegatten

Riester-Rente: Testsieger bei Finanztest

Hohe Kosten, intransparente Produkte und geringe Überschussbeteiligungen - die Riester-Rente steht in der Kritik von Verbraucherschützern. Umso wichtiger ist es, verschiedene Tests zur Beurteilung heranzuziehen. In der Finanztest Ausgabe 10/2012 wurden die klassischen Riester-Rentenversicherungen getestet. Kein Versicherer konnte die Bestnote "sehr gut" erreichen. Von den 29 Angeboten erhielten fünf Versicherer ein "gut", acht Unternehmen schnitten mit "ausreichend" ab, der Rest erzielte ein "befriedigend".

Zu den Testsiegern Finanztest 10/2012 bei den klassischen Policen zählen:

  • HUK24, Tarif: RZU24, Note gut (2,4)
  • Alte Leipziger, Tarif: RV 50, Note gut (2,5)
  • Debeka, Tarif: F 1 (01/12), Note Gut (2,5)
  • Hannoversche Leben, Tarif KAV1, Note Gut (2,5)
  • HanseMerkur, Tarif RA 2012, Note Gut (2,5)

Finanztest bewertete die Rentenzusage (garantierte Rente) und Kosten mit 40%. Der Anlageerfolg floß ebenfalls mit 40% in die Gesamtnote ein. Die Transparenz sowie Flexibilität des Produktes wurden jeweils mit 10% gewichtet.

In der Ausgabe Finanztest 11/2012 wurden 81 Riester-Banksparpläne untersucht. Dabei wurden die Kriterien "Qualität des Vertrags", "Zins und Bonus" sowie "Kosten bewertet. Am besten konnten folgende Institute abschneiden:

  • Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen,
  • Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld,
  • Sparkasse Paderborn-Detmold,
  • Sparkasse Beckum-Wadersloh,
  • Sparda-Bank Hamburg.

Im gleichen Heft untersuchte Finanztest auch die Riester-Tarife der Bausparkassen. Dabei wurden an Hand von drei Modellfällen die Testsieger ermittelt. Zu den besten Angeboten zählen:

  • Wüstenrot, Tarif RB/FX,
  • Aachener, Tarif G,
  • Alte Leipziger: easy finanz Riester.

Tipps zur Riester-Rente

Wer erhält die Riester-Förderung?

Grundsätzlich erhalten nur förderberechtigte Personen die Zulagen und Steuervorteile. Dazu zählen:

  • Arbeitnehmer und Selbständige, bei denen Rentenversicherungspflicht besteht,
  • Beamte, Richter, Soldaten,
  • Bezieher von Arbeitslosengeld,
  • Bezieher von Arbeitslosengeld II (Hartz IV),
  • Wehr - und Zivildienstleistende,
  • geringfügig Beschäftigte bei Verzicht auf Versicherungsfreiheit in der Rentenversicherung,
  • Kindererziehende.

Die Riester-Förderung wird auch an nicht rentenversicherungspflichtige Personen gezahlt, wenn der Ehepartner zum förderberechtigten Kreis zählt und einen Vertrag abgeschlossen hat. Dazu zählen z.B. verheiratete Hausfrauen oder -männer sowie verheiratete Selbständige und Freiberufler. Somit können auch Selbständige und Mitglieder einen berufsständischen Versorgungswerkes in den Genuss der staatlichen Förderung kommen.

Aktuelles zur Riesterrente

Das "Riester" soll künftig verbraucherfreundlicher werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat ein Rentenpaket mit folgenden Vorschlägen für Riester-Verträge entworfen:

  • Höhere Transparenz durch ein Produktinformationsblatt für alle geförderten Produkte, wodurch der Produktvergleich einfacher wird.
  • Deckelung der Kosten bei Vertragswechsel
  • Stärkere Beteiligung der Versicherten an den Überschüssen

Wie hoch sind die Zulagen bei der Riester-Rente?

Für jeden Riester-Sparer zahlt die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) 154 Euro pro Jahr. Für jedes Kind, für das Kindergeld gezahlt wird, kommen noch 185 Euro jährlich dazu. Ist das Kind ab 2008 geboren, erhöht sich die Kinderzulage sogar auf 300 Euro im Jahr. Voraussetzung für den Erhalt der vollen Zulage: Es müssen 4 Prozent des Bruttoeinkommens des Vorjahres abzüglich der Zulagen in die Riester-Rente eingezahlt werden. Maximal können 2.100 Euro in einen Riester-Vertrag gespart werden. Als sogenannten Sockelbetrag für Personen ohne Einkommen hat der Gesetzgeber 60 Euro pro Jahr festgelegt. Dieser Betrag muss mindestens eingezahlt werden.

Die Höhe der Zulagen sieht folgendermaßen aus:

  • Grundzulage je Erwachsenem: 154 EUR pro Jahr,
  • Kinderzulage je kindergeldberechtigtem Kind: 185 EUR pro Jahr,
  • Kinderzulage je kindergeldberechtigtem Kind für ab 01.01.2008 Geborene: 300 EUR pro Jahr,
  • Berufseinsteiger-Bonus: einmalig 200 EUR für Sparer unter 25. Jahren.

Beispiel: Liegt das Vorjahresgehalt bei 30.000 Euro, muss ein Lediger 1.200 Euro (4% von 30.000 Euro) minus der Grundzulage von 154 Euro, also 1.046 Euro selbst einzahlen. Hat der Sparer Nachwuchs, so vermindert sich der Eigenbeitrag um 185 Euro bzw. um 300 Euro, wenn das Kind ab 2008 geboren wurde.

Voraussetzung für die Zahlung der Grundzulage ist, dass jeder Ehegatte einen eigenen Riester-Vertrag abschließt. Die Förderung wird direkt in den Vertrag gezahlt und erhöht somit die spätere Rente. Eine Kinderzulage wird für jedes Kind gewährt, für das von der Familienkasse mindestens für einen Monat im Jahr Kindergeld gezahlt wurde.

Vorschläge der Verbraucherschützer

  • Verteilung der Abschluss- und Vertriebskosten über die gesamte Vertragslaufzeit
  • Abschaffung der zweimaligen Belastung mit Sozialversicherungsbeiträgen beim betrieblichen Riestern (sowohl bei Einzahlungen als auch Auszahlungen)
  • Transparente Darstellung aller Vertragskosten in Euro und Cent
  • Anbieterwechsel ohne erneute Abschlusskosten
  • Einführung eines Vorsorgekontos für eine kapitalgedeckte Altersvorsorge

Gibt es Steuervorteile?

Die Sparleistungen sind als Sonderausgaben steuerlich abzugsfähig. Bei einem Steuersatz von 35% liegt die jährliche Ersparnis bei 735 Euro, wenn der maximale Eigenbeitrag von 2.100 Euro aufgewendet wurde. Die Zulagen werden von der Steuererstattung jedoch abgezogen. In den Genuss eines Steuervorteils bei der Riester-Rente kommen vor allem Besserverdiener und Sparer ohne Kinder.

Checkliste für das Riestern

Berechnen Sie zuerst, wie hoch Ihre Rentenansprüche im Alter sind und wie viel Geld Sie in der Rente benötigen. Im nächsten Schritt sollten Sie sich überlegen, wie viel Geld Sie für die Altersvorsorge aufbringen können. Für die Riester-Rente sollten Sie folgende Punkte überprüfen:

  1. Besteht eine Förderberechtigung und wenn ja, wie hoch fällt diese aus?
  2. Besteht die Möglichkeit, bestehende Verträge für das Riestern zu nutzen?
  3. Passen die gesetzlichen Vorgaben der Riester-Rente (z.B. keine Beleihung, keine Auszahlung vor dem 62. Lebensjahr, Auszahlung als Rente) zu meinen Vorstellungen?
  4. Passen Sie geförderten Produkte zu meiner Anlagephilosphie?
  5. Soll ich privat oder betrieblich riestern?
  6. Prüfen Sie die Berechnungen der Riester-Produkte und achten Sie auf die Kosten!
  7. Auswahl eines Produkts auf Basis von Rendite und Sicherheit!

Hinweise zur Riester-Förderung

Wer nicht den Mindesteigenbeitrag aufbringt, erhält eine anteilige Kürzung der Riester-Förderung. Wer als Alleinstehender z.B. einen Bruttoverdienst von 30.000 Euro aufweist, muss davon 1.200 Euro abzüglich der Grundzulage von 154 Euro, also 1.046 Euro pro Jahr für den vollen Erhalt der Zulage sparen. Wendet derjenige lediglich 523 Euro, also die Hälfte des geforderten Betrages auf, so werden 77 Euro als Grundzulage gezahlt.

Wenn nur ein Ehegatte unmittelbar förderberechtigt ist, muss nur dieser eigene Beiträge in den Riester-Vertrag einzahlen. Zahlt der förderberechtigte Ehepartner jedoch weniger als Mindesteigenbeitrag ein, wird auch die Grundzulage des mittelbar förderberechtigten Partners anteilig gekürzt.

Veränderungen im Familienstand und der Kinderzahl sollten dem Anbieter unverzüglich mitgeteilt werden. Damit es nicht zu einer Überzahlung des Vertrages kommt, muss die Sparrate bei der Geburt eines Kindes entsprechend angepasst werden.

Zusätzlich zu den Zulagen gibt es noch den Sonderausgabenabzug der Beiträge, woraus eine Steuerersparnis resultieren kann.

Riester-Zulagen im Überblick

154 EUR
185 EUR
300 EUR
200 EUR einmalig

Wie wird die Riester-Zulage beantragt?

Damit die Riester-Zulage in den Vertrag fließen kann, muss ein sogenannter Dauerzulagenantrag gestellt werden. Am sinnvollsten ist es, wenn gleich bei Antragstellung das Zusatzformular mit ausgefüllt wird. Der Riester-Anbieter (Bank, Bausparkasse, Fondsgesellschaft, Versicherer) leitet den Zulagenantrag automatisch an die Zentrale Zulagenstelle weiter. Diese überweist dann den zustehenden Zulagenbetrag. Der Sonderausgabenabzug erfolgt über die jährliche Einkommensteuererklärung.

Wer bekommt die Riester-Rente?

Die staatliche Förderung erhält nur ein bestimmter Personenkreis.

Unmittelbare Förderberechtigung (alternativ: Unmittelbar)

  • Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenkasse
  • Beamte
  • Pflichtversicherte Landwirte
  • Richter
  • Berufssoldaten
  • Kindererziehende in der Kindererziehunsgzeit
  • Wehrdienstleistende
  • Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst
  • Bezieher von Arbeitslosengeld II

Mittelbare Förderberechtigung (alternativ: Mittelbar)

Ehegatten von Förderberechtigten, die selbst nicht förderberechtigt sind.

Voraussetzungen:

  • Nicht dauernd getrennt lebend
  • Wohnsitz in EU-/EWR-Staat
  • Eigener Riester-Vertrag
  • Mindestbeitrag: 60 EUR pro Jahr

Für die volle Förderung muss der Ehegatte 4% des rentenpflichtigen Bruttoeinkommens des Vorjahres in den eigenen Riester-Vertrag einzahlen.

Keine Förderberechtigung

  • Freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Rentenkasse
  • Selbständige, die nicht versicherungspflichtig sind
  • Pflichtversicherte in berufsständischen Versorgungswerken (z.B: Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Steuerberater)
  • Rentner

Wie erfolgt die Besteuerung der Riester-Rente?

Eine Riester-Rente muss im Rentenbezug, also dann wenn sie zur Auszahlung kommt, voll versteuert werden. Die Höhe des Steuerabzugs hängt von den weiteren Einkünften (z.B. private Rente, Mieteinnahmen) ab. Maßglich sind die herkömmlichen Einkommensteuertabellen. Wer die Wohn-Riester-Förderung genutzt hat, wird ebenfalls zur Kasse gebeten. Die Einzahlungen werden auf einem fiktiven Wohnförderkonto erfasst und mit 2% pro Jahr erfasst. Das angesammelte Guthaben wird bei Renteneintritt versteuert. Dabei hat der Eigenheimnutzer die Wahl zwischen einer Versteuerung in jährlichen Raten bis zum 85. Lebensjahr oder einer einmaligen Versteuerung zu Rentenbeginn. Bei letzterer Variante werden nur 70% des Förderkontos zur Besteuerung herangezogen.

Beispielrechnung - So viel bringt Riestern

Fondsgebundene Riester-Rentenversicherung mit Garantie

Musterkunde, 35 Jahre, Bruttoeinkommen 2012: 35.000 Euro

Jährlicher Eigenbeitrag: 1.246 EUR - 103,83 EUR/Monat
Jährliche Zulagen: 154 EUR
Garantierte monatl. Rente: 147,45 EUR
Gesamtrente bei 6% jährl. Wertentwicklung der Fonds: 591,93 EUR
Leistung bei Tod:
  • Einzahlungsphase: Auszahlung des Vertragsguthabens
  • Auszahlungsphase: Zahlung bis zum Ende der Rentengarantiezeit von 24 Jahren
Private Rentenversicherungen Vergleich anfordern

Wie erfolgt die Auszahlung bei der Riester-Rente?

Grundsätzlich wird die Riester-Rente als lebenslange Monatsrente ab Renteneintritt bis zum Tod ausgezahlt. Die Auszahlung orientiert sich am gesetzlichen Renteneintrittsalter. Bei älteren Verträgen ist jedoch bereits ein Abruf des Vertragsguthabens ab dem 60. Lebensjahr möglich. Bei Verträgen neueren Datums (Abschluss ab 2012) liegt der frühestmögliche Rentenbeginn beim 62. Lebensjahr.

Minirenten von 26 Euro und weniger können vom Anbieter als Einmalbetrag an den Sparer ausgezahlt werden. Zu Rentenbeginn kann der Sparer das angesparte Kapital auch zur Finanzierung der selbstgenutzten Immobilie verwenden. Zusätzlich zur Monatsrente können zu Rentenbeginn maximal 30% als Einmalzahlung ausgezahlt werden.

Häufige Fragen zu Riester-Verträgen (FAQ):

Gibt es ein Kapitalwahlrecht?

Per Gesetz ist vorgesehen, dass Sie sich 30% des angesparten Kapitals zu Rentenbeginn als Einmalauszahlung (Kapitalabfindung) auszahlen lassen können. Allerdings sollten Sie beachten, dass das Kapital das zu versteuernde Einkommen stark erhöht und Sie durch die Steuerprogression einen hohen Anteil an das Finanzamt abführen müssen.

Gibt es mehr Zulagen, je höher mein Eigenbeitrag ist?

Nein, die maximale Höhe der Grund- und Kinderzulagen ist gesetzlich festgelegt - 154 Euro pro Person und maximal 300 Euro je Kind. Wenn Sie nicht den Mindesteigenbeitrag einzahlen (4% vom Vorjahresbrutto) wird die Zulage gekürzt.

Kann die Förderung vom Gesetzgeber verändert werden?

Grundsätzlich hat der Gesetzgeber die Möglichkeit, das Gesetz über die Förderung der privaten Altersvorsorge zu ändern und die Zulagen sogar einzustellen. Angesichts des sinkenden Rentenniveaus in der gesetzlichen Rentenversicherung ist eher vom Gegenteil auszugehen, nämlich, dass die Riester-Förderung sogar ausgebaut wird.

Kann ich den Anbieter wechseln?

Es ist per Gesetz vorgesehen, dass Sie den Vertrag jederzeit kündigen und das angesparte Kapital auf einen anderen Riester-Vertrag desselben oder eines anderen Anbieters zu übertragen. Allerdings können dafür Wechselgebühren anfallen. Außerdem fallen für den neuen Vertrag erneut Abschluss- und Vertriebskosten an.

Kann ich vor Rentenbeginn Geld aus Riester-Produkten entnehmen?

Theoretisch ist dies möglich. Allerdings muss dazu der Vertrag aufgelöst werden, wodurch Sie die bis dahin erhaltenen Zulagen und Steuervorteile an den Staat zurückzahlen müssen.

Einzige Ausnahme stellt die Verwendung des Kapitals für eine selbstgenutzte Immobilie dar. In diesem Fall kann für die Finanzierung Geld entnommen werden, ohne dass der Vertrag aufgelöst wird. Der entnommene Betrag muss auch nicht in den Riester-Vertrag zurückgezahlt werden. Wer die Riester-Förderung für Wohneigentum verwenden möchte, kann einen speziellen Wohn-Riester-Vertrag abschließen.

Kann ich vor Rentenbeginn Geld für eine Baufinanzierung entnehmen?

Ja, dies ist gesetzlich vorgesehen. Sie können bei Bau oder Kauf einer Immobilie (Haus oder Wohnung), die Sie selbst nutzen, 75% oder 100% des Kapitals für die Finanzierung verwenden. Sie können das Kapital bei Rentenbeginn auch für die Rückzahlung eines Darlehens entnehmen, sofern der Kredit für die selbst genutzte Hauptwohnung verwendet wurde. Die staatliche Förderung bleibt Ihnen in diesen Fällen voll erhalten.

Kann man das Guthaben des Riester-Vertrags vererben?

Grundsätzlich ist das angesparte Vermögen eines Riester-Vertrags bei Tod des Beitragszahlers vererbbar. Je nach Anbieter und Vertragsgestaltung gibt es jedoch erhebliche Unterschiede beim Hinterbliebenenschutz. Wer sicherstellen möchte, dass im Todesfall das komplette Vermögen den Erben zur Verfügung steht, sollte einige Punkte beachten.

  • Die Vererbung des Riester-Guthabens ist auf den Ehegatten beschränkt. Dazu muss der überlebende Ehepartner über einen eigenen Riester-Vertrag verfügen, in den das Kapital übertragen wird. In diesem Fall müssen keine Zulagen oder Steuerrückzahlungen zurückgezahlt werden.
  • Die Vererbung an eine andere Person führt dazu, dass die erhaltene Riester-Förderung im vollen Umfang zurückgezahlt werden muss. 
  • Eine Besonderheit gibt es bei Riester-Rentenversicherungen, nämlich die Rentengarantiezeit. Bei Tod nach Rentenbeginn erhalten die Hinterbliebenen für den vertraglich garantierten Zeitraum die Rentenauszahlung. Die bereits gezahlten Renten werden davon abgezogen. 
  • Bei Riester-Fondssparplänen erfolgt bei Tod in der Regel die Auszahlung des Vertragsguthabens an die Hinterbliebenen.

Warum ist die Riester-Rente so wichtig?

Das Niveau der gesetzlichen Rente wird in den kommenden Jahren sinken. Dies wurde in verschiedenen Reformpakten beschlossen. So liegt die Altersrente mit 67 Jahren bei einem aktuellen Bruttogehalt von 3.000 Euro im Monat bei lediglich 1.200 Euro. Wer plant, vor dem 67. Lebensjahr in Rente zu gehen, muss sogar noch Abschläge von bis zu 14,4% in Kauf nehmen. Zusätzlich muss die gesetzliche Rente versteuert werden und es fallen Beiträge für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung an,

Wer seinen gewohnten Lebensstandard im Ruhestand halten will, kommt um eine ergänzende Altersvorsorge nicht mehr herum. Mit der Riester-Rente gibt es die Möglichkeit, eine private, kapitalgedeckte Zusatzrente mit Unterstützung des Staates aufzubauen.

Das Prinzip der Riester-Förderung: Zulagen erhalten und Steuern sparen in der Erwerbsphase und Versteuerung in der Auszahlungsphase, wenn der individuelle Steuersatz geringer ausfällt.

Was passiert bei Wohn-Riester im Todesfall?

Hat der Sparer einen Wohn-Riester-Vertrag abgeschlossen, gelten bei Tod besondere Regelungen zur Vererbung des Vertragsguthabens.

  • Tritt der Todesfall vor dem Erwerb von Wohneigentum ein, gelten dieselben Regelungen zur Vererbung wie bei allen anderen Riester-Vertragsformen.
  • Stirbt der Förderberechtigte vor Rentenbeginn und wurde bereits eine Immobilie erworben, kann das Guthaben des Wohnförderkontos auf den Riester-Vertrag des Ehegatten übertragen werden. Der Übertrag sowie die Übernahme der Immobilie muss innerhalb eines Jahres erfolgen. Alle anderen Erben müssen während der Ansparphase die Summe auf dem Wohnförderkonto versteuern.
  • Bei Tod des Sparers nach Tilgung des Darlehens müssen die Erben die verbliebenen Steuerzahlungen übernehmen. Hat der Riester-Sparer hingegen die Einmalversteuerung zu Rentenbeginn gewählt, kommen keine weiteren Forderungen auf die Erben zu.

Was passiert mit Riester, wenn ich ins Ausland gehe?

Wenn Sie in der Ansparphase ins Ausland gehen, können Sie die Riesterrente beitragsfrei stellen. Eine Förderungsmöglichkeit besteht für diesen Fall nicht. Bei Rückkehr nach Deutschland nehmen Sie die Beitragszahlung wieder auf.

Wenn Sie Ihren Wohnsitz in der Rentenphase in außerhalb eines EU-Landes oder außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (Norwegen, Island, Liechtenstein) verlegen, muss die bereits erhaltene Förderung (Zulagen und Steuervorteile) zurückgezahlt werden. In der Praxis müssen Sie 15% der monatlichen Rentenleistung zurückzahlen, bis die erhaltene Förderung komplett an den Staat zurückgezahlt ist.

Wie erhalte ich die staatlichen Zulagen?

Die Beantragung der Zulagen ist ganz einfach: Zusammen mit dem Antrag füllen Sie einen sogenannten Dauerzulagenantrag aus. Damit kann der Riester-Anbieter die Daten an die Zulagenstelle (ZfA) weiterleiten. Die ZfA berechnet die Ihnen zustehende Zulage und überweist den Betrag direkt an Ihren Anbieter. Nach Eingang beim Versicherer wird der Betrag Ihrem Vertrag gutgeschrieben.

Die steuerliche Förderung erfolgt über die Steuererklärung. Dazu sollten Sie in der "Anlage AV" die investierte Vorsorgesumme (eingezahlte Beiträge und Zulagen) eintragen. Das Finanzamt ermittelt dann die individuelle Steuerersparnis, von der die Zulagen abgezogen werden.

Wie kann ich die verschiedenen Angebot miteinander vergleichen?

Für jedes staatlich geförderte Produkt gilt ein gesetzlicher Rahmen. Jeder Anbieter muss sein Produkt vorab von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zertifizieren lassen, nur dann wird es zum Verkauf zugelassen.Die Grundlagen sind im Zertifizierungsgesetz (AltZertG) festgelegt.

Bei einem Vergleich der Angebote sollten Sie auf folgende Punkte achten:

  • Abschlusskosten
  • Verwaltungskosten
  • Garantierte Rente und garantiertes Kapital zu Rentenbeginn
  • Gesamte Rente und Gesamtkapital zu Rentenbeginn
  • Testberichte & Ratings
  • Finanzstärke des Anbieters

Wie viel muss ich sparen, um die vollen Zulagen zu erhalten?

Die Höhe der staatlichen Zulagen hängt vom Familienstand und der Kinderzahl ab. Die volle Förderung gibt es, wenn Sie insgesamt 4% des rentenversicherungspflichtigen Einkommens in die Riestervorsorge einzahlen (Eigenbeitrag plus Zulagen). Natürlich können Sie auch weniger einzahlen. Die Zulage wird dann anteilig gekürzt.

Worin besteht der Steuervorteil?

Die eingezahlten Beiträge zur Riesterrente können in der jährlichen Steuererklärung im Rahmen des Sonderausgabeabzugs steuermindernd geltend gemacht werden. Das Finanzamt vergleicht die Höhe der erhaltenen Zulagen mit der Steuerersparnis durch den Sonderausgabenabzug. Ist letzterer höher, erhält man vom Finanzamt die Differenz als Steuergutschrift zurückgezahlt. Die Zulage verbleibt im Riester-Vertrag. Der gesamte Sonderausgabenabzug für Riester liegt bei 2.100 Euro im Jahr (Eigenbeiträge und Zulagen).