Rentenversicherungspflicht bei Minijob

Wie sinnvoll ist die Befreiung oder Aufstockung?

Seit 2013 gelten für Minijobs bei der gesetzlichen Rentenversicherung neue Regeln. Grundsätzlich besteht eine Rentenversicherungspflicht. Durch die Aufstockung des pauschalen Arbeitgeberbeitrags wird die Rente erhöht. Allerdings kann man sich von der Zahlung des Eigenbeitrags auch befreien lassen. Einen Überblick über die aktuellen Regelungen in 2015 für Minijobber liefert unser Ratgeber.

Zum 1. Januar 2013 wurde für Minijobber die Gehaltsgrenze von 400 Euro auf 450 Euro angehoben. Gleichzeitig wurde die Rentenversicherungspflicht eingeführt. Dies bedeutet, dass neben dem pauschalen Arbeitgeberbeitrag von 15 Prozent ein Eigenbeitrag durch den Minijobber zu zahlen ist. Der Eigenbeitrag liegt für das Jahr 2015 bei 3,7 Prozent. Der Arbeitnehmer zahlt bei einem Verdienst von 450 Euro einen Rentenbeitrag von 16,65 Euro pro Monat (2014: 17,55 Euro).

Bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen in Privathaushalten zahlt der Arbeitgeber pauschal 5 Prozent als Rentenbeitrag. Der Beschäftigte selbst muss 13,7 Prozent des Arbeitsentgelts als Beitrags zur Rentenversicherung zahlen.

Befreiung von der Versicherungspflicht möglich

Minijobber können sich von der Versicherungspflicht in der Rentenkasse befreien lassen. Dazu muss ein Antrag beim Arbeitgeber gestellt werden. Dieser wiederum muss die Befreiung der Minijob-Zentrale melden. Bei Beschäftigungen im Privathaushalt erfolgt die Befreiung auf dem Haushaltscheck durch Ankreuzen unter Punkt 10. Der private Arbeitgeber muss das Formular an die Minijob-Zentrale senden.

Keine Befreiung ist möglich, wenn für einen Minijob bereits vor dem 1. Januar 2013 die Aufstockung der Rentenversicherungsbeiträge vorgenommen wurde. In diesem Fall besteht weiterhin die Rentenversicherungspflicht.

Weitere Informationen bietet die Minijob-Zentrale oder telefonisch unter 0355 2902-70799 sowie die Deutsche Rentenversicherung oder telefonisch unter 0800 1000 4800

Vorteile der Rentenversicherungspflicht

Durch pauschale Arbeitgeber- und Eigenbeiträge erwirbt ein Minijobber den Anspruch auf den vollen Leistungsumfang des gesetzlichen Rententrägers. Dazu zählen folgende Leistungen:

Zu den weiteren Vorteilen zählen, dass man einen höheren Rentenanspruch erwirbt sowie die staatlich geförderte Riester-Rente für sich und den Ehepartner nutzen kann.

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Minijob führt zu Minirente und Altersarmut

Fast 7,5 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis. Trotz der geltenden Rentenpflicht erwirbt ein Minijobber nur geringe Rentenansprüche. Es droht Altersarmut, wenn nicht privat für das Alter vorgesorgt wird. Wie gering die gesetzliche Rente beim Minijob ausfällt, zeigen diese Zahlen:

  • Ein Jahr im Minijob mit 450 Euro bringt eine monatliche Rente von 3,54 Euro.
  • Bei Aufstockung durch den Arbeitnehmer erhöht sich der Rentenanspruch auf 4,42 Euro.
  • Bei 45 Versicherungsjahren sind dies aktuell 159,30 Euro bzw. 198,90 Euro Rente.

Dass die gesetzlichen Renten auch für Beschäftigte mit höheren Einkommen bereits zu gering ausfallen, zeigen die Zahlen zu den Minijobs bei Rentnern. Übten im Jahr 2003 knapp 530.000 Personen über 65 Jahre eine geringfügige Beschäftigung aus, so ist die Zahl im März 2015 auf rund 990.000 angestiegen. Gleichzeitig hat auch die Zahl der Bezieher von Grundsicherung deutlich zugenommen.

Minijob: Rente auch bei Erwerbsminderung?

Was ist, wenn man den Minijob aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, aber auf das Geld angewiesen ist?

Nur wer in den letzten fünf Jahren vor Eintritt des Versicherungsfalls mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge an die Rentenkasse abgeführt hat, erhält im Krankheitsfall eine Rente. Doch Vorsicht: Selbst wenn der Anspruch über die Deutsche Rentenversicherung bestehen sollte, bedeutet dies nicht, dass bei lang andauernder Krankheit automatisch eine Rente gezahlt wird.

Der Sozialversicherungsträger darf nämlich die Verweisung auf einen anderen Job vornehmen. Im Klartext heißt dies, dass der Rententräger Beschäftigungen nennt, die trotz z.B. Herzinfarkt immer noch ausgeübt werden könnten. Wer sicher gehen will, bei Kräfteverfall und Krankheit optimal abgesichert zu sein, benötigt eine private Berufsunfähigkeitsversicherung.

Ausweg aus der Rentenfalle?

Wer sich nicht auf den Gesetzgeber verlassen möchte, muss selbst für das Alter vorsorgen. Dazu können Minijobber die staatliche Förderung bei der Altersvorsorge in Anspruch nehmen. Entweder man nutzt die steuerfreien Einzahlungen im Rahmen der Betriebsrenten oder entscheidet sich für die Zulagenförderung beim Riestern - im Idealfall beanspurcht man beides. Doch welcher Beschäftigte mit einem monatlichen Gehalt von 450 Euro kann auf einen Teil seines Einkommens verzichten? Kein Wunder, dass Gewerkschaften eine Eindämmung des Niedriglohnsektors fordern.

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