Ratingagenturen

Rating-Einfluss auf Politik und Wirtschaft

Internationale Ratingagenturen befassen sich traditionell mit der Kreditwürdigkeit und der Sicherheit von Finanzanlagen. Wir zeigen auf, welchen Einfluss das Rating auf das Wirtschaftsgeschehen nimmt.

Aufgaben der Ratingagenturen

In der Wirtschaft ist es allgemein üblich, neue Geschäftspartner zu überprüfen, bevor größere Geld- und Wertströmungen fließen. Derartige Überprüfungen machen sich verschiedene privatrechtlich organisierte Unternehmen zur Aufgabe, unter anderem

  • Wirtschaftsprüfungsinstitute,
  • Ratingagenturen,
  • Wirtschaftsauskunfteien.

Der Umfang, in dem ein Unternehmen Prüfungen vornimmt, ist abhängig von seiner Aufgabenstellung. Während Wirtschaftsprüfungsinstitute die allgemeine Wirtschaftslage einschätzen, widmen Wirtschaftsauskunfteien ihr Augenmerk kleineren und mittleren Unternehmen, gelegentlich auch Privatpersonen.

Eine besondere Stellung nahmen in den vergangenen Jahren Ratingagenturen ein, denn sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, vielfältige Bereiche des Wirtschaftsgeschehens genauer zu beobachten und ihnen eine feste Bewertung zu verleihen. Ratings werden inzwischen bezüglich der Kreditwürdigkeit von großen Unternehmen durchgeführt, aber über die Sicherheit von Finanzanlagen wie Wertpapieren und anderen Beteiligungen. Mittlerweile wird auch die Kreditwürdigkeit von Staaten einem Rating-Prozess unterzogen und bewertet. Mit der Bekanntgabe des Ratings nehmen die Agenturen für sich in Anspruch, andere Wirtschaftsteilnehmer vor schlecht bewerteten Staaten, Unternehmen oder Wertpapieren zu schützen.

Sind Ratingagenturen notwendig?

In der Öffentlichkeit und unter den Geschäftsleuten kommen vermehrt Zweifel darüber auf, ob die Dienste der Ratingagenturen überhaupt notwendig sind. Grundsätzlich beziffert das Rating der großen Agenturen auch das Ausfallrisiko von Wertpapieren sowie von Krediten. Aus der Sicht der Kreditgeber und Anleger ist ein Rating daher zweifelsfrei wichtig, denn es hilft, unnötige Verluste zu vermeiden. Anleger und Kreditgeber haben die Möglichkeit, sich über das Rating eines potenziellen Geschäftspartners zu erkundigen, bevor sie vertragliche Verpflichtungen eingehen. Allein diese Schutzfunktion kann die Tätigkeit der Agenturen bereits rechtfertigen.

Grundsätzlich gibt es Ratingverfahren schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Einzelne Wirtschaftsfachleute bewerteten seinerzeit die Erfolgschancen der US-amerikanischen Eisenbahngesellschaften und gründeten später Unternehmen, aus denen sich teilweise die heutigen Ratingagenturen entwickelt haben. Bereits im Jahr 1936 verpflichtete die Bankaufsicht der USA die inländischen Banken dazu, ein Rating durchzuführen, bevor sie Emissionen und Forderungen anderer Anbieter übernahmen.

Tragen Ratingagenturen Verantwortung für Finanzkrise?

Seit der Bankenkrise von 2009 wird immer häufiger die Frage laut, ob Ratingagenturen eine Mitverantwortung an dieser Krise tragen. Fachleute führen an, dass die Agenturen, insgesamt private und unabhängige Unternehmen, ihre eigene Sichtweise in das Rating einfließen lassen, die nicht immer mit der objektiven Betrachtung übereinstimmt. Dennoch nimmt jedes Rating zumindest indirekt Einfluss auf die Vergabe von Investitionskapital durch Banken sowie auf die Zinskonditionen, die für die Kreditvergaben verhandelt werden. Banken zeigen im Fall von Unternehmen und Staaten mit einem schlechten Rating keine Bereitschaft mehr, Kredite zu vergeben. In anderen Fällen ist der Zinssatz der Kreditvergaben abhängig vom Ergebnis des Ratings.

Auf diese Weise fallen durch die Veröffentlichungen der Ratingagenturen für Unternehmen und auch für Staaten, die sich bereits in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation befinden, unnötig hohe Kosten für die Kapitalbeschaffung an, was letztendlich zu weiteren wirtschaftlichen Problemen führt. Unternehmen, die kein Kapital mehr erhalten, bleibt häufig nur die Schließung, was letztendlich zu weiteren gesamtwirtschaftlichen Problemen führt.

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