Unisex-Tarife PKV

PKV-Unisex-Tarife gelten ab Dezember 2012

Die privaten Krankenversicherungen (PKV) müssen ab 21.12.2012 Unisex-Tarife in der PKV anbieten. Damit wird eine Vorgabe des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) umgesetzt. Das Geschlecht darf bei der Beitragsberechnung nicht mehr herangezogen werden.

Was sind Unisex-Tarife?

Die Einführung von Unisex-Tarifen ist am Ende 2012 gesetzlich vorgeschrieben für Versicherungen, in denen das Geschlecht als Merkmal zu unterschiedlichen Beiträgen führt. Der deutsche Gesetzgeber folgt damit der EU-Gleichstellungsrichtlinie aus dem Jahr 2004 (Az. C-236/09). Darin wurde seinerzeit die Einführung von geschlechtsneutralen Versicherungstarifen bereits ab 2008 gefordert. Die EU räumte den Staaten jedoch eine Übergangsfrist ein, die am 21. Dezember 2012 ausläuft. Neben der PKV sind auch die


von der Neuregelung betroffen. Bei der Riester-Rente gelten geschlechtsneutrale Tarife bereits seit Januar 2006. Beim Unisex-Tarif gelten geschlechtsunabhängige Prämien, d.h. Frauen und Männer zahlen unter sonst gleichen Bedingungen den gleichen Tarifbeitrag. Damit werden zum Stichtag 21. Dezember 2012 einige Versicherungen für Männer teurer und für Frauen günstiger sowie andersherum. Die Unisex-Tarife führen in der PKV zu einer Verteuerung der Prämien für Männer und zu einer Reduzierung für Frauen.

Die höheren Beiträge gelten zunächst nur für die Verträge, die nach dem Stichtag 2012 abgeschlossen werden. Auf Bestandsverträge soll die Gesetzesänderung keine Auswirkungen haben. Die Versicherungswirtschaft spricht sich gegen geschlechtsneutrale Tarife aus, weil damit das Äquivalenzprinzip der Versicherungen ausgehölt werde.

Unisex-Tarife - PKV-Wechsel vorziehen?

In der privaten Krankenversicherung richtet sich die Tarifprämie bisher nach Alter, Gesundheitszustand und Geschlecht. Frauen haben statistisch gesehen eine höhere Lebenserwartung als Männer und verursachen dadurch größere Kosten im Gesundheitswesen. Zudem nehmen Frauen häufiger Vorsorgeuntersuchen wahr und suchen im Schnitt eher einen Arzt auf als Männer. Ab Dezember 2012 wird die geschlechterabhängige Kalkulation der PKV-Beiträge aufgehoben. Nach Ansicht der Richter des EuGH bedeutet die Ungleichbehandlung von Frauen und Männer eine Diskriminierung. Als Folge müssen männliche Interessenten mit höheren Prämien in der PKV rechnen.

Die neue Beitragsberechnung gilt jedoch lediglich für Neuabschlüsse ab Ende 2012. Wer sich also neu privat versichern oder einen Wechsel von einer PKV zu einer anderen Gesellschaft vornehmen möchte, kann dies bis Inkrafttreten der Unisex-Tarife in der PKV zu den bisherigen Konditionen tun. Männer sparen durch den frühzeitigen Eintritt im Vergleich zu Ende 2012 geltenden Beiträgen bis zu 14 Prozent. Ein weiterer Vorteil liegt im geringeren Eintrittsalter, wodurch die Prämie geringer ausfällt.

Bereits in der Vergangenheit wurden Gesundheitsrisiken zwischen Männern und Frauen aufgeteilt. Die Aufteilung der Kosten für Schwangerschaften und schwangerschaftsbedingte Aufwendungen haben zur einer Erhöhung der PKV-Tarife bei den Männern um rund 5 Prozent und zu einer Reduzierung bei den Frauen um rund 10 Prozent geführt.

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Unisex-Tarife in der PKV - Probleme

Offen ist bisher, ob das Urteil des EuGH auch auf bestehende PKV-Verträge angewandt werden muss. Ein Problemfall könnte sich nämlich ergeben, wenn Frauen, die sich ab 2012 für eine PKV entscheiden, weniger für ihren Vertrag zahlen als langjährig Privatversicherte. Denn nach § 204 Versicherungsvertragsgesetz besteht ein Tarifwechselrecht, so dass eine Abwanderung aus den alten Tarifen stattfinden könnte.

Ökonomisch ausgedrückt könnte man den PKV-Unisex-Tarif als Quersubventionierung der Frauen durch die Männer bezeichnen. Das Geschlecht mit dem höheren Kostenrisiko wird vom anderen finanziell unterstützt. Ein weiteres Problem könnte in der adversen Selektion entstehen. Wenn sich nämlich die Beiträge für das risikoärmere Geschlecht, d.h. die Männer, erhöhen, könnte die Bereitschaft, in die PKV zu wechseln, abnehmen, während durch die Beitragssenkung das risikoreichere Geschlecht, d.h. die Frauen, tendenziell eher eine private Absicherung wählt. Dies würde in der Gesamtheit zu einer Verschlechterung des Risikos in der PKV und damit zu einer weiteren Anhebung der Versicherungsprämien führen.

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