Beitragsentwicklung in der privaten Krankenversicherung

Zahlen zu den Prämienerhöhungen in der PKV

Wie teuer wird meine Krankenversicherung im Alter? Die Prämienanpassungen der letzten Jahre haben bei den Kunden ihre Spuren hinterlassen. Neben dem Leistungsumfang steht die Beitragsentwicklung der privaten Krankenversicherung bei der Bewertung eines PKV-Tarifs ganz oben. Verschiedene Rating-Agenturen bewerten daher die Beitragsstabilität.

Mehr Leistungen und besseren Service - genau diese Vorteile versprechen sich Kassenpatienten beim Wechsel in die private Krankenversicherung. Doch das Plus an Qualität hat seinen Preis: Die Prämien für PKV-Verträge legen jährlich zwischen 4 bis 6 Prozent zu. Je nach Tarif und Versicherer kann die Beitragsentwicklung auch darüber liegen. 35-jährige Privatpatienten müssen damit rechnen, dass sich ihre Prämien bis zum Rentenalter verdoppeln. Testinstitutionen wie die Stiftung Warentest führen daher in regelmäßigen Abständen Untersuchungen zur Entwicklung der Tarife durch. Sie vergeben nach erfolgter Prüfung ein Testsiegel und küren die Testsieger.

Beitragsentwicklung: Günstig für Junge und teuer im Alter?

Das Gesundheitswesen in Deutschland ist teuer. Rund 13 Prozent des Bruttosozialprodukts werden für medizinische Behandlungen und Arzneimittel ausgegeben. An den privaten Krankenversicheren (PKV) ist die Kostenentwicklung nicht spurlos vorüber gegangen. Im Vergleich mit den gesetzlichen Kassen schnitten die Privaten bei der Beitragsentwicklung in den letzten Jahren schlechter ab.

Dies führt zu der weitläufigen Aussage, dass die PKV sich vor allem für junge und gesunde Menschen finanziell lohne, während die Beiträge im Rentenalter unbezahlbar seien. Allerdings gibt es seitens des Gesetzgebers Gegenmaßnahmen. So muss für jeden Vertrag eine Altersrückstellung gebildet werden. Das angesammelte Kapital wird zur Begrenzung von Beitragserhöhungen im Alter verwendet. Und: Durch Tarifumstellungen im Alter lassen sich meist Einsparungen erzielen, welche die private Krankenversicherung im Vergleich zur GKV günstiger machen. Allerdings fallen die Prämienanpassungen je nach Tarif und Versicherer höchst unterschiedlich aus. Hier helfen nur ein Blick auf die tatsächliche Beitragsentwicklung der Vergangenheit und der Wettbewerbsvergleich.

Beitragsentwicklungen von PKV-Anbietern

Alte Oldenburger

Jährliche Anpassung für Männer:

  • A 80, K 20, Z 100/80: +4,20%

Quelle: MORGEN & MORGEN GmbH, Mai 2012

Continentale

Jährliche Anpassung für Frauen 2002-2012:

  • Tarif GS 1 Plus: 2,97%

Quelle: MORGEN & MORGEN GmbH, Mai 2012

DEVK Krankenversicherung

Jährliche Anpassung für Frauen 2002-2012:

  • Tarif AM-V1, ST-V2, ST-V3, ZE-V: 2,64%

Jährliche Anpassung für Männer 2002-2012:

  • Tarif AM-V0, ST-V2, ST-V3, ZE-V: 3,22

Quelle: MORGEN & MORGEN GmbH, Mai 2012

DKV Deutsche Krankenversicherung

Jährliche Anpassung für Frauen 2002-2012:

  • Tarif M4-BR3: 3,08%

Jährliche Anpassung für Männer 2002-2012:

  • Tarif Aktiv, SW2: 3,86%

Quelle: MORGEN & MORGEN GmbH, Mai 2012

Hallesche

Beitragsveränderung pro Jahr für Vollversicherungstarife von 2013 bis 2016 im Schnitt (Unisex-Tarife)

  • KS.1: -0,5%
  • KS.2: -0,8%
  • KS.3: +0,25%
  • KS.Bonus: -0,25%
  • NK.1: keine Anpassung
  • NK.2: -1,0%
  • NK.3: -0,5%
  • NK.4: +0,25%
  • NK.Bonus: -1,0%
  • PRIMO.Bonus Z: +0,25%
  • PRIMO.Bonus Z plus: +0,75%
  • PRIMO.SB 1 Z: +0,25%
  • PRIMO.SB 1 Z plus: +0,5%
  • PRIMO.SB 2 Z: -0,5%
  • PRIMO.SB 2 Z plus: -0,25%
  • PRIMO.SB 3 Z: -1,5%
  • PRIMO.SB 3 Z plus: -1,25%
  • MAS.1: +0,25%
  • MAS.2: +2,0%
  • MAS.3: +1,75%
  • MAS.Bonus: +0,75%

HanseMerkur

Jährliche Beitragsentwicklung für Frauen 2002-2012:

  • Tarif ASZG, PS2, PS3: 3,01%

Jährliche Beitragsentwicklung für Männer 2002-2012:

  • Tarif ASZG, PS2, PS3: 3,73%

Quelle: MORGEN & MORGEN GmbH, Mai 2012

LKH Landeskrankenhilfe

Jährliche Beitragsentwicklung im Zeitraum 1976 - 2009:

  • Tarife 100, 194, 200, T06/100: 5,62 EUR/Jahr
  • Tarife 105, 194, 200, T06/80: 3,45 EUR/Jahr
  • Gesetzliche Krankenversicherung: 6,56 EUR/Jahr

Quelle: Angaben des Versicherers

Nürnberger

Jährliche Anpassung für Frauen 2002-2012:

  • Tarif TOP, SZ2, ZZ 20: +4,43%

Quelle: MORGEN & MORGEN GmbH, Mai 2012

SDK Süddeutsche Krankenversicherung

Jährliche Beitragsentwicklung für Männer im Zeitraum 1974 - 2012:

  • A100, S102/S101, AZ75: +6,31%
  • A80, S102, AZ70, TA6: +5,12%
  • A103, S102, AZ70, TA6: +6,00%
  • A75, S101, ZS75: +3,51% (Zeitraum: 1997 - 2012)
  • A75, S103, ZS75: +4,28% (Zeitraum: 1997 - 2012)
  • Gesetzliche Krankenversicherung: +5,05%

Jährliche Beitragsentwicklung für Frauen im Zeitraum 1974 - 2012:

  • A80, S102, AZ70, TA6: +4,66%
  • A103, S102, AZ70, TA6: +5,05%
  • A75, S101, ZS75: +1,84% (Zeitraum: 1997 - 2012)
  • A75, S103, ZS75: +2,02% (Zeitraum: 1997 - 2012)
  • Gesetzliche Krankenversicherung: +5,05%

Quelle: Angaben des Versicherers

Hintergrund: Warum die Krankenversicherung teurer wird

Die Kosten für Medikamente, ärztliche Behandlungen und Krankenhausaufenthalte steigen unaufhaltsam (sogenannte medizinische Inflation). Dies ist auch die Folge des medizinischen Fortschritts. Die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sind von diesen Kostensteigerungen im gleichen Maße betroffen. Im Gegensatz zur GKV kann die PKV keine Leistungskürzungen vornehmen. Die versicherten Leistungen sind dauerhaft vertraglich garantiert. Zudem ist der medizinische Fortschritt in der Privaten mitversichert. Die Leistungserstattung orientiert sich am Prinzip der medizinischen Notwendigkeit. Dies führt zu einer insgesamt höheren Versorgung der Privatversicherten, sorgt auf der anderen Seite allerdings für einen größeren Druck auf die Beiträge. Auch steigende Löhne des medizinischen Personals belasten die Ausgabenstatistik der Versicherer.

Die Leistungskürzungen bei den gesetzlichen Kassen treiben die Kosten bei den Privaten. Mehr als 80 Prozent der Arztrechnungen in der PKV werden mit dem Regelhöchstsatz abgerechnet. Der Arzt kann den 2,3-fachen Gebührensatz ohne eine gesonderte Begründung verlangen. Viele Mediziner versuchen offenbar die Kürzungen bei den Kassenpatienten durch höhere Abrechnungen bei den Privatpatienten auszugleichen.

Ein weiterer belastender Faktor ist die zunehmende Lebenserwartung. Die privaten Krankenkassen greifen bei der Beitragskalkulation auf die sogenannte Sterbetafel zurück. Für jeden Jahrgang wird die durchschnittliche Restlebenserwartung aufgeführt. Die Zunahme der Lebensdauer muss über höhere PKV-Prämien finanziert werden. Ältere Versicherte über 80 Jahre verursachen statistisch gesehen rund viermal so hohe Kosten wie 40-Jährige.

Zunehmend geraten die Gesellschaften durch die anhaltende Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten unter Druck. Der Rechnungszins für die Altersrückstellungen - Geld, das für künftige Beitragserhöhungen zurückgelegt wird - musste für Neukunden bereits auf 2,75% abgesenkt werden. Geringere Erträge der Zinsanlagen belasten aber direkt die Prämien der Versicherten, weil die Versicherer geringere Überschüsse an die Kunden weitergeben können. Eine Entlastung dürfte auch in den nächsten Jahren nicht zu erwarten sein.

PKV Tarifrechner

Was unternimmt die PKV gegen Prämiensteigerungen?

Die privaten Krankenkassen bilden für jeden Versicherten eine finanzielle Rücklage, um die steigenden Gesundheitskosten abzufedern. Diese Altersrückstellung verhindert, dass die Prämien im Alter überdurchschnittlich angehoben werden. Jedes Unternehmen kalkuliert die Beiträge zusätzlich mit einem Sicherheitszuschlag, weil davon auszugehen ist, dass die Lebenserwartung zunimmt und die medizinischen Kosten weiter ansteigen. Insgesamt hat die PKV-Branche für ihre Kunden rund 180 Milliarden Euro angespart.

Das Kapital wird nach gesetzlich vorgeschriebenen Richtlinien angelegt. Die erwirtschafteten Erträge fließt überwiegend an die Versicherten zurück. Dieses Kapitaldeckungsverfahren wenden die privaten Versicherer bereits seit Jahrzehnten an. Auch in Zeiten von schweren Kapitalmarktkrisen konnten die Gesellschaften stets ihren Verpflichtungen nachkommen.

Morgen & Morgen Rating zur Beitragsstabilität

Durchschnittliche Anpassung in der PKV in %

Jahr Frauen Männer
Quelle: MORGEN & MORGEN GmbH, Mai 2012
2006 3,87 4,54
2007 4,29 4,91
2008 3,46 4,55
2009 3,94 5,37
2010 4,20 5,62
2011 4,29 5,67
2012 3,87 5,24
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Weitere Ratgeber

Beitragsentwicklung: Maßnahmen zur Kostenreduktion

Für die Kunden einer privaten Krankenversicherung gibt es zahlreiche Möglichkeiten, steigenden Beiträgen zu begegnen. Dabei muss der PKV-Wechsel nicht zwangsläufig die beste Alternative sein. Wer seine Kosten senken möchte, kann seinen Tarif wechseln. Meist bieten die Gesellschaften sogenannte Paralleltarife mit vergleichbaren Leistungen zu günstigeren Konditionen an. In der Regel handelt es sich um neu aufgelegte Tarife, die vornehmlich Neukunden angeboten werden. Altkunden erhalten nur dann ein Umstellungsangebot, wenn sie das 65. Lebensjahr überschritten haben.

Nach dem Versicherungsvertragsgesetz steht den Bestandskunden ein Wechselrecht in den günstigeren Tarif zu - und das bei voller Mitnahme der Altersrückstellungen. Bei den Versicherungen ist der Tarifwechsel nicht gern gesehen, daher sollte man die fachliche Unterstützung durch einen PKV-Experten in Anspruch nehmen.

Wer einen Schritt weiter gehen möchte, kann die Leistungen kürzen. Ein Verzicht auf den Chefarzt im Krankenhaus kann eine Ersparnis von bis zu 100 Euro im Monat bringen. Doch Vorsicht: Eine spätere Wiederaufnahme in den Vertrag ist nur gegen Aufpreis oder sogar gar nicht mehr möglich. Abstriche sollte man allenfalls beim Zahnersatz oder Brillenleistungen machen.

Eine weitaus gängigere Methode ist daher die Erhöhung des Selbstbehalts. Die Umstellung in einen Tarif mit höherer Eigenbeteiligung an den Arztrechnungen kann zu einer überproportionalen Beitragssenkung führen. Wer z.B. 400 Euro pro Monat für seine Krankenversicherung zahlt, muss im Jahr 4.800 Euro aufwenden. Wenn der Beitrag durch einen Selbstbehalt von 1.200 Euro auf 250 Euro sinkt, macht der Versicherte in jedem Fall einen Gewinn. Allerdings passen die Anbieter auch den Eigenbehalt von zeit zu Zeit der allgemeinen Inflation an.

Für vor 2009 privat versicherte Personen hat der Gesetzgeber den Standardtarif eingeführt. Er beinhaltet die gesetzlichen Leistungen und darf nicht teurer als die gesetzliche Krankenkasse sein. Die volle Anrechnung der angesammelten Rückstellungen vermindert den Beitrag. Für alle anderen steht der Basistarif zur Verfügung.

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