Private Krankenversicherung 2012

Gravierende Änderungen für PKV in 2012

Die Umstellung auf Unisex-Tarife stellt die gravierendste Neuerung für die private Krankenversicherung (PKV) 2012 dar. Bis zum Jahresende müssen die Beiträge auf geschlechtsneutrale Tarife umgestellt werden. Zudem gelten höhere Einkommensgrenzen sowie eine neue Gebührenordnung für Zahnärzte.

PKV: Einführung der Unisex-Tarife 2012

Das Jahr 2012 bedeutet für die private Krankenversicherung eine Revolution bei der Beitragskalkulation. Bisher wurde das Geschlecht bei der Tarifberechnung als Unterscheidungskriterium herangezogen. So führten die höheren Gesundheitskosten infolge Schwangerschaft oder der höheren Lebenserwartung bei Frauen zu höheren PKV-Beiträgen. Damit ist nun Schluss: Bis 21. Dezember 2012 müssen die Privatversicherer ihr Tarifwerk auf geschlechtsneutrale Tarife umstellen. Frauen zahlen dadurch künftig etwas geringere, Männer dagegen deutlich höhere Beiträge für die private Krankenversicherung. Die Unisex-Tarife gelten lediglich für Neuabschlüsse.

Um welchen Prozentsatz sich die Neugeschäftsbeiträge verändern, ist derzeit ungewiss. Experten gehen davon aus, dass Männer künftig 10 bis 15 Prozent mehr zahlen müssen, während Frauen auf Entlastungen von 5 bis 8 Prozent hoffen dürfen. Mit der Umstellung auf Unisex-Tarife folgen die privaten Krankenversicherer einer Vorgabe des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Klar ist, dass nur Neuabschlüsse ab de, 21.12. betroffen sind. Die Versicherer wettern, dass ein zentrales Geschäftsprinzip in Frage gestellt werde.

Vor Einführung der neuen Tarife dürften daher vor allem Männer in die PKV wechseln, um sich die für sie günstigen Konditionen zu sichern. Frauen dürften dagegen 2012 zunächst abwarten, ob die Unisex-Tarife die gewünschte Ersparnis bringen. Lediglich das geringere Eintrittsalter spricht für Frauen für einen Übertritt in die PKV bereits in diesem Jahr.

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Private Krankenversicherung: Pramienerhöhungen 2012

Millionen Privatversicherte müssen 2012 deutlich tiefer in die Tasche greifen. Teilweise wurden die Prämien um bis zu 40 Prozent erhöht. Kein Wunder, dass Verbraucherschützer die Kalkulationsweise in der PKV kritisieren und weitere gesetzliche Vorgaben fordern, um derartige Auswüchse zu verhindern. Auf der anderen Seite gelten für zahlreiche Tarife Beitragsgarantien bis 2013. Die Beiträge werden bis dahin nicht verändert. Der Markt für private Krankenversicherungen ist also gespalten. Angesichts der weiter grassierenden Finanzkrise, unterschiedlicher Tarifwerke und der Problematik der Nichtzahler dürfte sich der Trend zur Zweiteilung des PKV-Marktes auch in diesem Jahr fortsetzen. 

Für Neuabschlüsse ab 2013 müssen die Beiträge aufgrund des EuGH-Urteils zu Unisex-Tarifen neu kalkuliert werden. Dadurch, dass die PKV für Männer grundsätzlich unattraktiver wird, könnten weniger männliche Personen aus der GKV wechseln. Die Versicherer könnten daher einen zusätzlichen Risikopuffer in die Kalkulation einbauen. Dieser zusätzliche Betrag wird wahrscheinlich von den Kunden finanziert werden. 

Die Kosten für Zahnersatz werden um durchschnittlich sechs Prozent ansteigen. Hintergrund ist die Reform der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), mit der neue Leistungen für Kronen und Brücken abgerechnet werden können. Der Verband der privaten Krankenversicherung rechnet mit zusätzlichen Belastungen in den Zahntarifen zwischen 14 bis 20 Prozent.

PKV: Wechsel und Arbeitgeberzuschuss 2012

Der Wechsel in die private Krankenversicherung für Arbeitnehmer wird erschwert. Die sogenannte Versicherungspflichtgrenze wird von 49.500 Euro auf 50.850 Euro angehoben. Liegt das Bruttogehalt oberhalb dieser Grenze, können Versicherte frei zwischen gesetzlichen und privaten Kassen wählen. Der Arbeitgeberzuschuss steigt auf 279,23 Euro im Monat für die PKV und auf maximal 37,29 Euro im Monat für die private Pflegeversicherung. Hintergrund ist die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze für gesetzliche Versicherte auf 45.900 Euro, woran sich der PKV-Zuschuss orientiert.

PKV: Änderungen ab April 2012

Für Vermittler privater Krankenversicherungen ändern sich ab April 2012 die Regelungen zu Provisionen und Stornohaftung. Das "Gesetz zur Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrechts" sorgt für eine Begrenzung der Provision auf maximal 9 Monatsbeiträge. Bisher wurden nach Medienberichten für den Neuabschluss einer PKV vereinzelt bis zu 18 Monatsbeiträge gezahlt. Verbraucherschützer hatten um die Novelle gekämpft, damit der provisionsgetriebene PKV-Wechsel unterbunden wird.

Gleichzeitig wird der Haftungszeitraum für die Courtage (Stornohaftung) von ein bzw. zwei Jahren auf fünf Jahre verlängert. Wechselt der Kunde innerhalb der ersten fünf Jahre den Versicherer, muss der Vermittler einen Teil der Provision zurückzahlen. Verbraucherschützer erhoffen sich dadurch einen Rückgang der internen PKV-Wechsel.