Organspende – das geschenkte Leben

Mit der Organspende Leben retten

Eine Organspende ist segensreich: Nach der Transplantation eines Herzens können viele Patienten wieder joggen – und ein Diabetiker braucht keine Insulinspritzen mehr, weil er eine neue Bauspeicheldrüse bekommen hat. Ohne Organspende würde der Alltag dieser Menschen ganz anders aussehen. Und oft ist eine Organspende eine Frage auf Leben und Tod.

Eine Organspende lässt sich nicht leicht abwickeln: Viele Menschen sind daran beteiligt – Angehörige, Intensivmediziner, Krankenschwestern sowie Neurologen, Eilkuriere und Chirurgen für die Transplantation. Oft liegen viele Kilometer zwischen dem Spender und Empfänger, so dass für eine erfolgreiche Organspende eine zentrale Institution nötig ist, die diese vielfältigen Aktivitäten koordiniert. Das macht seit 2000 die „Deutsche Stiftung Organtransplantation“ (DSO) in Frankfurt: Sie sorgt dafür, dass jährlich in Deutschland rund 4.000 Organspenden reibungslos ablaufen.

Welche Voraussetzungen müssen zur Organspende erfüllt sein?

Am Anfang einer Organspende steht der Hirntod. Ihn müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander feststellen: Die Hirnfunktionen gehen unwiederbringlich verloren, weil für kurze Zeit die Blut- und Sauerstoffversorgung zusammengebrochen ist. Die künstliche Beatmung wird fortgesetzt, das Herz funktioniert – aber die Zellen des Gehirns beginnen zu zerfallen.

Dieser Zustand gilt nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft als sicheres Todeszeichen. Weil Herz und Kreislauf aber weiterlaufen, eignen sich diese Menschen für eine Organspende. Das sind ungefähr ein Prozent aller Sterbenden in deutschen Krankenhäusern – bei allen anderen tritt in der Regel zuerst ein Herzstillstand ein, weshalb sie nicht für eine Organspende in Frage kommen.

Organspendeausweis bringt Sicherheit

Jetzt stellt sich bei der Organspende die Frage: Ist der Verstorbene mit der Organspende einverstanden? Zwei Möglichkeiten gibt es: Der Verstorbene hat keinerlei Hinweise hinterlassen, wie diese Frage zu beantworten ist. Dann entscheiden die Angehörigen, was der „mutmaßliche Wille“ des Toten gewesen sein könnte.

Die zweite Variante: Der Verstorbene hatte einen Organspendeausweis. Damit schafft er Klarheit und erspart seinen Angehörigen eine große Belastung. Dabei kann er ganz unterschiedliche Anweisungen geben: Er erklärt seine generelle Bereitschaft, Organe oder Gewebe zu spenden. Oder der Verstorbene verfügt, dass nur bestimmte Organe und Gewebe entnommen werden dürfen. Er könnte auch bestimmte Organe ausschließen – oder einer Organ- und Gewebespende grundsätzlich widersprechen. Außerdem gehört in einen Organspendeausweis die Information, wer in einem Todesfall zu benachrichtigen ist.

Organspendeausweise gibt es kostenlos in vielen Apotheken oder Arztpraxen; eine formlose Erklärung reicht aber auch völlig aus. Wichtig ist es, einen Organspendeausweis immer bei den Personalpapieren zu haben, weil da Rettungskräfte zuerst nachschauen.

Durchführung der Organspende

Liegt eine Zustimmung vor, beginnt die Organspende: Die Ärzte setzen sich mit der DSO-Organisationszentrale in Verbindung, die sich in der Nähe befindet. Die DSO arbeitet in Deutschland mit 1.400 Krankenhäusern und rund 50 Transplantationszentren zusammen. Wichtig ist der Kontakt zur Vermittlungsstelle „Eurotransplant“ im holländischen Leiden: Sie koordiniert international Organspenden – in einem Einzugsgebiet von 118 Millionen Menschen. Daran sind Transplantationszentren, Gewebetypisierungslabors und Intensivstationen beteiligt, und zwar in Deutschland, Luxemburg, Belgien,  Holland, Österreich und Slowenien.

Während Chirurgen die Organe entnehmen, entscheidet sich, ob sie tatsächlich zu dem vorgesehenen Empfänger passen. Gibt es grünes Licht, kommen die Organe auf dem kürzesten Weg in ein Transplantationszentrum, wo der Empfänger bereits vorbereitet wird.

Organspende – ein heikles Thema. Doch die Statistik verzeichnet Erfolge: 88 Prozent aller transplantierten Nieren funktionieren noch nach einem Jahr, nach fünf Jahren sind es 74 Prozent. Und die Erfolgsrate anderer Organe liegt nur gering darunter. Daher ist eine Organspende sinnvoll – 4.000 Menschen im Jahr wird so geholfen.

Ein Beitrag von Ingo Leipner

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