Ordensbank
Bank für Orden und Mission: Alternative Banken - Teil 5
Rechtlich gesehen ist die Ordensbank nicht selbstständig, sie ist eine Zweigstelle der „Volks- und Raiffeisenbank Untertaunus eG“, die ihren Sitz in Idstein hat. Diese Bank wollte in das neue Marktsegment „ethisches Investment“ einsteigen – und ist dazu eine Kooperation mit den Franziskanern eingegangen. So liegt das Kundengeschäft der Ordensbank in den Händen von Mitarbeitern, die bei der Idsteiner Bank beschäftigt sind.
Anlagegrundsätze der Ordensbank
Erster Unterschied zu konventionellen Banken: Der Gewinn der Ordensbank fließt in Projekte der „Missionszentrale der Franziskaner“ in Bonn. Sie ist weltweit aktiv und unterstützt Kinder-, Wasser- sowie Bildungs- und Ausbildungsprojekte. Beispiel Samanego in Kolumbien: Franziskanerinnen leiten dort eine Schule und wollen zusätzlich 100 der ärmsten Kinder von der Straße holen. Das kostet im Jahr 160 Euro pro Nase – Geld, das die Ordensbank zur Verfügung stellen will. Kunden können dabei helfen, indem sie ihre Zinsen aus Geldanlagen spenden. Die Ordensbank bietet eine breite Palette von Anlagen: Sparbuch, Sparplan, Anlagekonto, Wachstumssparen oder Geldmarktkonto. Kredite vergibt sie aber nicht.
Zweiter Unterschied zu konventionellen Banken: die „Fondsfamilie terrAssisi“. Sie bietet die Ordensbank an, um ein ethisches Investment in Renten- und Aktienfonds möglich zu machen. Dabei arbeitet die Ordensbank mit der „Missionszentrale der Franziskaner“ zusammen, sowie dem Research-Unternehmen „oekom research“ und der Investmentgesellschaft „Ampega Gerling“. Zur Anwendung kommt ein „Corporate Responsibility Rating“, das über 100 ökologische und soziale Kriterien umfasst. Dabei werden Unternehmen in drei Dimensionen der Nachhaltigkeit durchleuchtet:
- Kulturverträglichkeit: Die ethische Verantwortung eines Unternehmens wird u. a. geprüft, ebenso seine gesellschaftliche Verantwortung – und wie fair es in seinen Wirtschaftsbeziehungen handelt.
- Sozialverträglichkeit: Dabei geht es u. a. um das Managementsystem, die Beziehung zu den Mitarbeitern und den Umgang mit gesellschaftlich benachteiligten Gruppen.
- Naturverträglichkeit: Bei ihr kommen u. a. relevante Umweltdaten auf den Prüfstand, und das Umweltmanagement wird untersucht. Es wird auch geprüft, ob ökologische Produkte und Dienstleistungen im Angebot sind. Außerdem wird kontrolliert, in welcher Weise Umweltauflagen beachtet werden.
Nachhaltigkeit steht im Vordergrund
Über eine Aufnahme in den Aktienfonds entscheidet der „best-in-class-Ansatz“: „oekom research“ nimmt alle Unternehmen einer Branche unter die Lupe, wobei es die genannten Dimensionen der Nachhaltigkeit untersucht. Wer im Vergleich zu den Wettbewerbern am besten abschneidet, dessen Aktien finden einen Weg in den Aktienfonds. „Dieser Ansatz fördert den Wettbewerb innerhalb der Branchen hin zu mehr Gerechtigkeit gegenüber Natur, Menschen und Kultur“, stellt die Ordensbank fest. Außerdem gibt es eine Reihe von Negativkriterien: Wer u. a. Kinder für sich arbeiten lässt, das Arbeitsrecht bricht oder „kontroverses Umweltverhalten“ zeigt, hat keine Chance, in den Aktienfonds bei der Ordensbank aufgenommen zu werden.
Schließlich bietet die Ordensbank noch einen „Depot-Check nach ethischen Kriterien“ an: Die Mitarbeiter entwickeln mit dem Kunden ein individuelles Ethik-Konzept, das bei der Auswahl der Geldanlagen ausschlaggebend ist. So kann jeder Kunde ethisch investieren – und bei der Ordensbank sein Depot nachhaltig gestalten.
Ein Beitrag von Ingo Leipner
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