Ökologisches Investment
Grünes Geld für die Zukunft investieren
Ökologisches Investment – es wird auch ethisch-ökologische oder nachhaltige Geldanlage genannt. Seine Wurzeln hat diese Anlage-Strategie in den USA, wo die ersten ethischen Geldanlagen in den 1970er Jahren auf den Markt kamen. Ihr Hintergrund war die Apartheid in Südafrika und der Vietnamkrieg. Caspar Dohmen beschreibt das Problem bei einer konventionellen Geldanlage: „Wer sein Geld auf ein normales Girokonto legt oder einer herkömmlichen Versicherung gibt, weiß gar nicht, wo das Geld am Ende des Tages landet.“ Es würde kleine Lebensversicherer geben, die ihr Geld in Hedgefonds anlegen. „Diese Fonds setzen Unternehmen häufig unter Druck, um Renditen zu erzielen - eventuell werden dann auch Arbeitsplätze abgebaut.“ Ein moralisches Dilemma, das immer mehr Menschen durch ein ethisch-ökologisches Investment lösen wollen.
Die aktuelle Studie des „Forums Nachhaltige Geldanlagen“ zeigt: 2006 auf 2007 ist das Volumen nachhaltiger Investments um 69 Prozent gewachsen, und zwar in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ende 2007 waren 33,2 Milliarden Euro in ethisch-ökologische Geldanlagen geflossen. Allein in Deutschland wurden in dieser Weise 11,1 Milliarden Euro investiert. „Nachhaltige Geldanlagen haben es endgültig aus dem Nischendasein geschafft und avancieren zum Mainstream-Thema“, sagt Volker Weber, der Vorsitzende des Forums. „Diese erfreuliche Entwicklung wird sich aus meiner Sicht dauerhaft fortsetzen.“
Ziele des ökologischen Investments
Wer seine Ersparnisse in eine ethisch-ökologische Geldanlage steckt, verspricht sich gesellschaftlichen Wandel: Unternehmen sollen die Ansprüche aller Stakeholder befriedigen – Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten sind genauso wichtig wie die Aktionäre. Das Ziel ist eine Abkehr vom einseitigen Shareholder Value-Denken. Weiterhin steht umweltfreundliche Technologie im Vordergrund, zum Beispiel der Ausbau erneuerbarer Energiequellen. Ethisch-ökologische Investments fließen in Branchen und Unternehmen, die sich diese Ziele auf die Fahnen geschrieben haben. Eine langfristige Unternehmenspolitik ist gefragt, wobei Nachhaltigkeit bedeutet: Soziale, ökonomische und ökologische Ziele sollten gleichberechtigt sein. So sagt Walter Kahlenborn, der Geschäftsführer des „Forums Nachhaltige Geldanlagen“: „Gerade die Finanzmarktkrise lässt deutlich werden, wie wichtig ein sorgfältiger, stabiler und langfristig orientierter Aufbau von Finanzprodukten ist – ein Merkmal, über das nachhaltige Produkte verfügen.“ Das zahlt sich auch bei der Rendite ökologischer Investments aus: Viele Studien zeigen, dass sie im Durchschnitt nicht niedriger ausfällt als bei konventionellen Finanzprodukten.
Wenn es um ökologisches Investment geht, verweist Caspar Dohmen noch auf „ethisch-ökologische Banken“ wie die „GLS Bank“ in Bochum: „Bei ihnen haben Sie die Chance, ganz genau anzugeben, was mit dem Geld auf dem Girokonto passieren soll. Sie können bestimmen, ob das Geld beispielsweise in regenerative Energien, soziale Einrichtungen oder gewerbliche Betriebe in einer bestimmten Region fließt.“
Doch auch beim ethisch-ökologischen Investment sollte man genau hinschauen, zum Beispiel die Auswahlkriterien eines ökologischen Fonds studieren. „Nicht alles, was grün aussieht, ist am Ende auch grün“, so Caspar Dohmen. Da gibt es die so genannten „best in class“-Ansätze: Ein Fonds investiert in Unternehmen, die bei der Umweltverträglichkeit in einer Branche an der Spitze liegen. „Aber ‚umweltverträglicher als andere’ heißt nicht, dass man wirklich umweltverträglich ist“, so Dohmen, „da kann man auch der umweltverträglichste Autohersteller sein.“
Ein Beitrag von Ingo Leipner
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