25.11.2016

PKV: Was tun bei Beitragsanpassungen?

Tipps für Privatversicherte nach dem Prämienschock

Bis Monatsende erhalten Privatversicherte teilweise unangenehme Post ihrer Krankenversicherung: Denn in den Schreiben kündigen die PKV-Unternehmen eine Beitragsanpassung per 1. Januar 2017 an. Teilweise verteuern sich die Tarife um 20 Prozent und mehr. Wie Betroffene nun reagieren sollten.

Für Christian B. war das Schreiben der AXA Krankenversicherung ein Schock: Um 17,39 Prozent oder 78,97 Euro steigen die Beiträge zum 1. Januar 2017. Dabei hatte B. erst im vergangenen Jahr einen Tarifwechsel vollzogen und eine höhere Selbstbeteiligung in Kauf genommen, um die Anpassung des letzten Jahres zu umgehen. Diese hatte ebenfalls bei 20 Prozent gelegen. So wie Christian B. ergeht es in diesen Tagen vielen Privatversicherten.

Die Versicherer müssen ihre Kunden bis einen Monat vor der Beitragserhöhung über die neuen Prämien informieren. Da die meisten Tarife zum 1. Januar angepasst werden, müssen die entsprechenden Schreiben bis 30. November bei den Kunden im Briefkasten liegen. Auch bei der Continentale, der Bayerischen Beamtenkrankenkasse oder dem Münchener Verein liegen die Tariferhöhungen zum Teil im zweistelligen Prozentbereich. Was können Versicherte gegen den Beitragsschock tun?

Tarifwechsel birgt hohes Einsparpotenzial

Im ersten Schritt sollte überlegt werden, ob durch einen Tarifwechsel innerhalb des Versicherers eine Beitragsersparnis erzielt werden kann. Nach § 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) steht jedem PKV-Kunden jederzeit das Recht zu, in einen Tarif mit gleichartigem Versicherungsschutz zu wechseln. Vorteil: Durch den Wechsel innerhalb des Unternehmens bleiben die bislang angesparten Altersrückstellungen erhalten und eine erneute Gesundheitsprüfung entfällt in der Regel.

In der Vergangenheit wurde den Versicherern vorgeworfen, den Kunden nicht immer die günstigste Variante anzubieten. Daraufhin hat die Branche reagiert und einen Tarifwechselleitfaden entworfen. Inzwischen hat sich ein Großteil der Anbieter der Verbandsinitiative angeschlossen und bietet verbindliche Wechselkriterien.

Versicherte sollten trotzdem immer einen unabhängigen PKV-Experten zu Rate ziehen. Denn oftmals ist für den Laien schwer ersichtlich, welche Leistungen die angebotenen Tarife beinhalten und auf welche Leistungen man getrost verzichten kann. Denn wer einmal seinen Versicherungsschutz reduziert, muss sich später, wenn wieder höhere Leistungen gewünscht werden, auf Rückfragen des Versicherers zu seinem Gesundheitszustand einlassen.

Höhere Selbstbeteiligung

Bevor Leistungen reduziert werden, sollte eine höhere Selbstbeteiligung in Erwägung gezogen werden. Zwar muss der Versicherte im Leistungsfall einen höheren Anteil der Arztrechnungen aus der eigenen Tasche zahlen, allerdings besteht der bisherige Versicherungsumfang weiter.

Auch hier gilt; Wer einmal in einen Tarif mit einer hohen Eigenbeteiligung gewechselt ist, kann nicht ohne weiteres wieder zurück in den Alttarif. Daher sollten Vor- und Nachteile eines Wechsels in Erwägung gezogen werden.

Wechsel in den Basis- oder Standardtarif

In der PKV werden inzwischen zwei Sozialtarife mit günstigeren Beiträgen angeboten. In den Standardtarif können allerdings nur diejenigen wechseln, deren PKV-Vertrag bereits vor 2009 bestanden hat. Die Leistungen orientieren sich an der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der Beitrag kann jedoch deutlich reduziert werden.

Für alle Privatversicherten besteht zudem die Möglichkeit, den Basistarif anzuwählen. Dieser bildet 1:1 die Leistungen der GKV ab. Der Beitrag orientiert sich am GKV-Höchstbeitrag, der aktuell bei 656,32 Euro im Monat liegt. Eine echte Ersparnis bedeutet dies für die meisten wohl nicht. Allerdings kann die Prämie geringer ausfallen, wenn Hilfebedürftigkeit im Sinne des Sozialrechts vorliegt. Dann wird der Beitrag halbiert. Zudem übernehmen in der Regel die Sozialbehörden die Beitragszahlung.

Ultima Ratio: Versicherer wechseln

Wer mit all den beschriebenen Maßnahmen nicht weiter kommt und mit den Leistungen und der Beitragsentwicklung seines Anbieters unzufrieden ist, kann sich einem neuen Versicherer anschließen. Im Falle einer Beitragsanpassung zum 1.1.2017 besteht ein Sonderkündigungsrecht für zwei Monate, das also bis Ende Januar 2017 ausgeübt werden kann.

Für einen Großteil der Versicherten dürfte der Anbieterwechsel dennoch nicht in Frage kommen, da die für die höheren Gesundheitskosten im Alter angesparten Altersrückstellungen komplett verloren gehen. Nur für Verträge, die nach dem 1.1.2009 abgeschlossen wurden, kann ein Teil der Rückstellungen zum neuen Versicherer übertragen werden. Gerade beim Wechsel des PKV-Unternehmens sollte ein umfassender Vergleich von Beitrag, Leistungen, Prämienentwicklung, Solidität des Versicherers angestellt werden.

Christian B. hat übrigens seinen Tarif bei der AXA Krankenversicherung zum wiederholten Male gewechselt und zahlt jetzt nur noch rund 30 Euro im Monat mehr. Er hofft nun, dass die Aussagen seines Betreuers zutreffen und in den nächsten Jahren nicht mehr mit so heftigen Ausschlägen zu rechnen sei.

Vergleich zur privaten Krankenversicherung