15.06.2012

Gesundheitspolitik: PKV tendiert in Richtung GKV

Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2012 zur Zukunft der Krankenversicherung

Beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2012 diskutierten Teilnehmer des Gesundheitswesens unter anderem über die Zukunft der privaten Krankenversicherung (PKV). Einhelliger Tenor: Die PKV wird auch in der Zukunft ein wichtiger Teil im Krankensystem darstellen. Allerdings werden sich die Privatversicherer den gesetzlichen Kassen annähern. Keine Chance geben die Experten einer einheitlichen Bürgerversicherung.

Die Zukunft des deutschen Gesundheitswesens wird nicht nur in der Politik intensiv diskutiert. Auch Ärzte, Apotheker und die Pharmabranche machen sich Gedanken über die weiteren Aussichten der privaten Krankenversicherung. Nachdem in den letzten Wochen auch aus den Reihen der Koalition kritische Stimmen zum privaten Krankenversicherungssystem aufgekommen sind, diskutierten Wissenschaftler auf dem Hauptstadtkongress über die weiteren Aussichten der PKV. Ihr Fazit: Die PKV wird nicht abgeschafft, eine einheitliche Bürgerversicherung nicht eingeführt. Dafür werden sich PKV und GKV annähern.

PKV tendiert in Richtung GKV

Die private Krankenversicherung steht angesichts hoher Beitragssteigerungen und massiver Leistungslücken bei den Billigtarifen schwer unter Beschuss. So fordern inzwischen nicht nur Politiker von SPD und Grünen eine Reform der PKV, sondern auch Politiker aus den Koalitionsparteien. Im Ergebnis fordern SPD und Grüne die Abschaffung des bisherigen Privatsystems und die Einführung einer Bürgerversicherung für alle. Die Beitragsbelastung soll sich am Gesamteinkommen des Versicherten orientieren, also auch Kapital- und Mieteinkünfte einbeziehen. Daraus würden sich vor allem für Personen mit mittleren Einkommen deutliche Mehrbelastungen ergeben.

Auf dem Hauptstadtkongress diskutierten Wissenschaftler und Beteiligte im Gesundheitswesen über die Zukunft bis 2020. Im Kern waren sich die Teilnehmer einig, dass die Abschaffung der PKV nicht zur Disposition steht. Vielmehr müsse sich die PKV der GKV annähern, wie der Direktor des Instituts für Versicherungsbetriebslehre an der Universität Hannover, Johann-Matthias Graf von der Schulenburg, prognostizierte. Er erwartet auch nicht die Einführung einer einheitlichen Bürgerversicherung. Die Unterschiede der beiden Versicherungssystem würden sich in den nächsten Jahren nahezu auflösen.

Auch in der PKV-Branche wird die Ansicht vertreten, dass weitere Reformen für den Fortbestand der PKV erforderlich ist. Erst zum 1. April sind neue gesetzliche Vorschriften für Provisionen und Stornohaftungszeiträume für Vermittler in Kraft getreten. Wie der Direktor des PKV-Verbandes, Volker Leienbach, ausführte, seien allerdings gesetzliche Maßnahmen für die Reformen notwendig. Leienbach betonte jedoch auch die Notwendigkeit der PKV für das deutsche Gesundheitswesen, da sonst weitere Leistungskürzungen in der GKV unvermeidlich seien.

Zukunftsprobleme im Gesundheitswesen

Ob PKV oder GKV - beide Systeme sind von der Alterung der Gesellschaft sowie dem Voranschreiten des medizinischen Fortschritts und dem Kostenanstieg betroffen. Künftig werden noch mehr ältere Versicherte die Leistungen der Krankenversicherung in Anspruch nehmen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Beitragszahler, wodurch der Steueranteil in der GKV tendenziell zunehmen muss, um die Leistungen zu finanzieren.

Auch die PKV ächzt unter den Kostensteigerungen, die in den letzten Jahren zu teilweise massiven Beitragserhöhungen geführt und die Branche in Verruf gebracht haben. Von der Schulenburg brachte ein Versorgungsmanagement ins Gespräch. Dadurch könnten die Kosten pro Krankheitsfall wirksam gesenkt werden.

Vergleich zur privaten Krankenversicherung