18.06.2012

Analyse: PKV-Tarife bieten oftmals weniger Leistungen als GKV

Studie von PremiumCircleund IfMDA zu Tarifleistungen

Eine Absicherung über die private Krankenversicherung (PKV) bietet nur in wenigen Fällen mehr Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Nur ein knappes Fünftel aller PKV-Tarife leistet mehr als die gesetzlichen Kassen. Dies ist das Ergebnis einer umfassenden Studie der PremiumCircle Deutschland GmbH in Zusammenarbeit mit dem Institut für Mikrodatenanalyse (IfMDA).

Versicherte der privaten Krankenversicherung (PKV) genießen in der Regel eine bevorzugte Behandlung bei Ärzten und erhalten eine höherwertige Versorgung. Doch das weit verbreitete Bild des besser versorgten Privatpatienten stimmt nicht mit der Realität überein. Eine aktuelle Analyse der PremiumCircle Deutschland GmbH in Zusammenarbeit mit dem Institut für Mikrodatenanalyse (IfMDA) kommt zu dem Ergebnis, dass ein Großteil der PKV-Tarife weniger Leistungen bietet als die gesetzlichen Krankenkassen.

Zwar würde die PKV in Teilbereichen mehr Leistungen erbringen, doch bei bestimmten Parametern reiche die PKV nicht an das Kassenniveau heran, so der geschäftsführende Gesellschafter der PremiumCircle Deutschland GmbH, Claus-Dieter Gorr. Zu den Leistungslücken in der PKV zählen vor allem Anschlussheilbehandlungen, häusliche Krankenpflege oder Psychotherapien. Auch bei Hilfsmitteln gebe es zum Teil gravierende Unterschiede zwischen privaten und gesetzlichen Kassen. Die Politik fordert deshalb von der Branche der Privatversicherer einen Mindestversicherungsschutz. Von einigen PKV-Unternehmen, wie dem Branchenzweiten DKV, kommt die gleiche Forderung.

Vor allem Billigtarife werden als Problem ausgemacht. Viele Vermittler würden PKV-Tarife nur über den Preis verkaufen und die Qualität in den Hintergrund schieben. Der Verbraucher sei jedoch nicht in der Lage, die komplexen Produkte zu überblicken und die Leistungslücken zu erkennen. Aus diesem Grund sollten, so die Studienautoren, die Provisionen weiter begrenzt werden. Bereits zum 1. April hatte der Gesetzgeber die Beschränkung der Abschlussprovisionen für Vermittler beschlossen.

Undurchsichtiger PKV-Markt

Für eine Analyse "GKV/PKV-Sytemgrenze" untersuchten die Autoren 208 Tarifsysteme mit insgesamt 1.567 Tarifkombinationen. Für Kunden sei diese Fülle an Tarifen nicht zu überblicken.  Im Kern hätten die Versicherer neue Tarife vor allem unter der Prämisse entwickelt, bei Preisvergleichen auf den vordersten Plätzen abzuschneiden. Auf diese Weise konnte das Neugeschäft massiv angekurbelt werden. 

Auch die Vergleichbarkeit der untersuchten Tarife gestaltete sich als komplex. Insgesamt wurden Mindestkriterien erarbeitet, für die 85 Punkte vergeben wurden. Darüber hinaus vergaben die Autoren maximal 52 Punkte für Mehrleistungen gegenüber der GKV. Die Mannheimer Versicherungen und die R+V konnten dabei die besten Bewertungen erzielen. Insgesamt erreichte nur jeder fünfte Tarif die Mindestleistungen der GKV.

Beratung für Tarifwahl entscheidend

Wer über einen Wechsel in die PKV nachdenkt, kommt an einer umfassenden Beratung nicht vorbei. Der Direktor des PKV-Verbandes, Volker Leienbach, stellte die individuellen Tarifoptionen in der  PKV heraus. Dies reiche von einem preisgünstigen Grundschutz bis zur teuren Topversorgung. Nur eine gute Beratung sei der Garant dafür, dass der Tarif zum Versicherten passe und keine wichtigen Leistungen vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind.

Die PKV garantiere zudem die vertragliche Leistungen für die komplette Laufzeit und stehe damit im Gegensatz zur GKV. Damit sei ein PKV-Vertrag vor den Eingriffen des Gesetzgebers geschützt.

Vergleich zur privaten Krankenversicherung