Nachhaltigkeitsfonds

Investment nach ethischen Gesichtspunkten

Anleger, die nicht allein Wert auf eine hohe Rendite legen, sondern darüber hinaus eine sinnvolle Investition wünschen, haben die Möglichkeit, Nachhaltigkeitsfonds zu wählen. Wir zeigen auf, welche Chancen Fonds mit ethischem Schwerpunkt bieten.

Die Entwicklung der Nachhaltigkeitsfonds

Bereits in den 1970er Jahren gab es am Kapitalmarkt vereinzelt Anlagemöglichkeiten mit einem sozialen oder ökologischen Hintergrund. Die anfangs nur wenig gefragten Fonds-Angebote haben sich in den letzten vierzig Jahren deutlich entwickelt, sodass der Kapitalmarkt inzwischen eine gute Auswahl an entsprechenden Fondsanlagen bietet, unter anderem

  • Nachhaltigkeitsfonds,
  • Ökofonds,
  • Ethikfonds,
  • Themenfonds.

Während unter dem Begriff Nachhaltigkeitsfonds oder Ethikfonds verschiedene Formen ethischer und ökologischer Kapitalanlagen zusammengefasst sind, richten Ökofonds ihr Augenmerk ausschließlich auf Anlagen mit einem besonderen ökologischen Wert. Themenfonds grenzen ihr Investitionsziel noch stärker ein und orientieren sich nur an bestimmten thematischen Investments. Gerne bezeichnet man diese Art von Fonds auch als ethisch-ökologische Fonds. Vor der Entwicklung der ersten ethischen und ökologischen Kapitalanlagen gab es bereits im 19. Jahrhundert finanzkräftige, insbesondere kirchliche Anleger, die Wert darauf legten, bestimmte Branchen von der eigenen Kapitalanlage auszuschließen. Das führte schließlich in den 1920er Jahren dazu, dass mit den sogenannten sin-stocks Fonds eingerichtet wurden, die zum Beispiel auf die Investition in Unternehmen verzichteten, die in der Alkohol- oder Tabakbranche oder in der Glücksspielbranche tätig waren.

In den USA erlangte 1970 mit dem Pax World Fund ein erster ethischer Investmentfonds Bekanntheit. Dieser Fonds entstand aus Protestbewegungen gegen den Vietnamkrieg sowie das Apartheit-Regime in Südafrika. In Deutschland wurde mit dem Luxinvest Ökorent ein erster Ökofonds 1989 aufgelegt.

Anlagepolitik von Nachhaltigkeitsfonds

Damit ein Nachhaltigkeitsfonds seinem Ziel gerecht werden kann, muss er sich in Bezug auf die Anlagepolitik auf bestimmte Branchen konzentrieren oder einzelne Branchen von seinem Portfolio ausschließen. Dadurch sind ethische Fonds auf ein bestimmtes Anlageuniversum reduziert. Für die Fondsbetreiber bedeutet das, dass eine breite Streuung des Fondsvermögens in verschiedene, erfolgversprechende Unternehmen nur schwer möglich ist. Erfolgsaussichten sollen jedoch auch mit der Investition in ethisch wertvolle Fonds verbunden sein, denn die Rendite-Optimierung ist auch Ziel der Anleger. Damit ein Fonds einen besonderen ethischen oder ökologischen Wert erhält, wenden die Fondsbetreiber verschiedene Methoden an. Die Anlageziele werden durch Ausschlusskriterien, eine Positivauswahl, den Best in class-Ansatz oder in Form von Themenfonds ausgewählt.

In den meisten Fällen erfolgt die Anlage durch das Ausschlussprinzip, das ganze Branchen von der Anlage ausschließt, oder Unternehmen, die bestimmte Produkte herstellen. Auch anhand der Produktionsverfahren ist ein Ausschluss möglich. Typische Ausschlusskriterien sind zum Beispiel Kinderarbeit, Tierversuche oder Waffenproduktion. Deutlich enger begrenzt ist eine Positivauswahl an Unternehmen, die sich lediglich in gewissen Branchen aktivieren oder bestimmte Zertifikate nachweisen können. Der "Best in class"-Ansatz reduziert sich nicht auf Branchen oder Produktionsverfahren, sondern wählt ausschließlich Unternehmen mit hohen ethischen und ökologischen Standards. Themenfonds sind Nachhaltigkeitsfonds, die sich im sozialen oder ökologischen Bereich ausschließlich gewissen Themen widmen, zum Beispiel Solarenergie.

Renditechancen in Nachhaltigkeitsfonds

Da Nachhaltigkeitsfonds das Fondsvermögen nur in einem begrenzten Umfang von Unternehmen anlegen können, ist es für die Fondsbetreiber schwierig eine Auswahl zu treffen, die bei Beachtung der ethischen und ökologischen Gesichtspunkte dennoch eine ausreichend hohe Rendite verspricht. Ein begrenztes Anlageportfolio bringt im Allgemeinen ein erhöhtes Risiko mit sich oder eine geringe Rendite. Bei Anwendung des Ausschlussverfahrens wird dieser Effekt umso höher, je größer die Anzahl der Ausschlusskriterien ist. Schließt ein solcher Ethikfonds zum Beispiel ganze Branchen von seinem Anlage-Portfolio aus, können die zu erzielenden Renditen deutlich unter den allgemein am Markt üblichen Gewinnchancen liegen. Andererseits besteht aber auch die Möglichkeit, bei Investition in einer boomenden Branche außergewöhnlich hohe Anlagegewinne zu erreichen. Gleichzeitig sind derartige Nachhaltigkeitsfonds aber auch davon abhängig, wie sich die ausgeschlossenen Branchen in der Zukunft entwickeln.

Da speziell Firmen, die Produkte oder Dienstleistungen mit einem hohen ethischen oder ökologischen Wert anbieten, häufig eher kleinere Unternehmen sind, kann es zum sogenannten Small Company-Effekt mit höherem Anlagerisiko kommen. Dieser Effekt wirkt sich insbesondere dadurch aus, dass kleine Unternehmen in ihrem Geschäftsfeld stark eingeschränkt sind, häufig auf lediglich ein Produkt oder eine Dienstleistung, während große Unternehmen stark diversifiziert und daher deutlich vielseitiger ausgeprägt sind.

Weitere Informationen

Weitere Artikel