Nachgelagerte Besteuerung – wie geht das?

So werden Renten und Pensionen besteuert

Nachgelagerte Besteuerung – was heißt das für Ihre Rente? Greift der Staat im Alter tief in ihre Tasche? Oder wie funktioniert die nachgelagerte Besteuerung? Mit dem Alterseinkünftegesetz hat die Bundesregierung 2005 die nachgelagerte Besteuerung in Deutschland eingeführt. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Konsequenzen die nachgelagerte Besteuerung für Sie hat.

Der Hintergrund der nachgelagerten Besteuerung ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Es hat im März 2002 entschieden: Der Gleichheitsgrundsatz aus dem Grundgesetz lässt es nicht zu, dass der Staat die Pension eines Beamten anders besteuert als die Rente eines Bürgers, der Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung ist. Denn zu diesem Zeitpunkt galt die Regel: Die Beamtenpension unterliegt in voller Höhe der Steuerpflicht, während die gesetzliche Rente nur mit ihrem Ertragsanteil zu versteuern ist. Dieser Ertragsanteil machte 27 Prozent der Rente aus, wenn ein Versicherter mit 65 in Rente ging. Diese ungleiche Behandlung versuchte 2005 die Bundesregierung mit ihrem Alterseinkünftegesetz zu beenden – die nachgelagerte Besteuerung hielt Einzug in die deutsche Steuergesetzgebung.

Ziele und Folgen der nachgelagerten Besteuerung

Was sind die Ziele der nachgelagerten Besteuerung? Schritt für Schritt werden künftig die Altersbezüge der Einkommenssteuer unterworfen, gleichzeitig aber der Steuerzahler während seiner Erwerbstätigkeit entlastet. Konkret heißt das: Der Steuerzahler kann Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung beim Finanzamt als Sonderausgabe geltend machen. Das gilt auch für andere begünstigte Versicherungen. So sollen gerade jüngere Versicherte über mehr Geld verfügen, um privat für das Alter vorzusorgen.

Die nachgelagerte Besteuerung der Renten führt zu steuerlichen Vorteilen, bevor die Rentenzeit beginnt. Allerdings gilt eine Übergangszeit: Am Anfang im Jahr 2005 wurden 60 Prozent der Beiträge von der Steuer freigestellt. Dieser Betrag erhöht sich jährlich um zwei Prozentpunkte – so können die Steuerzahler 2008 66 Prozent ihrer Aufwendungen abziehen. Erst ab 2025 sind diese Aufwendungen in voller Höhe abzugsfähig, wobei eine Grenze festgelegt wurde: Maximal 20.000 Euro werden vom Fiskus anerkannt, bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren sind es 40.000 Euro. Konsequenz für 2008: Der Sonderausgabenabzug ist bis zu einer Höhe von 13.200 Euro möglich, was 66 Prozent von 20.000 Euro entspricht.

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Wie macht sich die nachgelagerte Besteuerung bemerkbar?

Die Altersbezüge werden nach und nach steuerpflichtig: 2005 waren es 50 Prozent der Rentenzahlungen, bis zum Jahr 2020 steigt dieser Anteil jährlich um zwei Prozentpunkte. Dann legt der steuerpflichtige Anteil nur noch um einen Prozentpunkt im Jahr zu, bis 2040 die volle Besteuerung mit 100 Prozent erreicht ist. Jeder neue Rentnerjahrgang wird also stärker besteuert, 2008 beträgt der zu versteuernde Anteil 56 Prozent. Das heißt: Die nachgelagerte Besteuerung führt in diesem Jahr zu einem steuerfreien Anteil von 44 Prozent. Wer 2008 in Rente gegangen ist, der behält diesen Freibetrag sein ganzes Leben: In allen folgenden Jahren zieht ihn das Finanzamt ab, um den zu versteuernden Rentenanteil zu bestimmen. Der Freibetrag ist in absoluter Höhe festgelegt - steigen im Laufe der Jahre die Rentenzahlungen, werden diese Zuwächse in voller Höhe der nachgelagerten Besteuerung unterworfen.

Die nachgelagerte Besteuerung der Renten hat zwei Gesichter: Steuervorteile ergeben sich während der Erwerbstätigkeit – so fördert der Staat die Kapital gedeckte Altersvorsorge (Rürüp-Rente). Und gezahlt wird im Alter, wenn die nachgelagerte Besteuerung greift.

Ein Beitrag von Ingo Leipner

Weitere Informationen zu Steuern in der Rente:

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