Garantiezins in der Lebensversicherung

Mindestzins für Lebensversicherungen sinkt zum 1.1.2017

Der Garantiezins in der Lebensversicherung wird zum 1. Januar 2017 gesenkt. Allerdings gilt die Neuregelung nur für Neuabschlüsse. Altverträge behalten die vertraglich zugesagten Garantien. Der sogenannte Höchstrechnungszins gilt für Betriebs-, Riester- und Rürup-Renten.

Entwicklung vom Garantiezins

Aufgrund des sinkenden Zinsniveaus an den Kapitalmärkten wurde der Höchstrechnungszins für Lebensversicherungen in den letzten Jahren sukzessive gesenkt. Zum 1. Januar 2017 wird der Garantiezins auf historisch niedrige 0,9 Prozent reduziert. Die Entwicklung der Mindestversicherung für private Vorsorgeverträge:

  • 01.01.1980: 3 Prozent,
  • 01.07.1986: 3,50 Prozent,
  • 01.07.1994: 4 Prozent,
  • 01.07.2000: 3,25 Prozent,
  • 01.01.2004: 2,75 Prozent,
  • 01.01.2007: 2,25 Prozent,
  • 01.01.2012: 1,75 Prozent,
  • 01.01.2015: 1,25 Prozent,
  • 01.01.2017: 0,9 Prozent.

Die Höhe des Höchstrechnungszinses orientiert sich an der durchschnittlichen Umlaufrendite zehnjähriger Staatsanleihen in Deutschland. Dabei gilt, dass der Zinssatz maximal 60 Prozent dieser durchschnittlichen Rendite ausmachen darf. Letztlich wird der Zinssatz per Verordnung vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) festgelegt.

Der Höchstzins soll gewährleisten, dass die Versicherungen ihren langfristigen Verpflichtungen auch nachkommen können. Andernfalls würde aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks ein Wettlauf um den höchsten Garantiezins stattfinden, der die Unternehmen überfordern könnte. Da vor allem die kleineren und kapitalschwächeren Gesellschaften Probleme haben, den Verpflichtungen nachzukommen, hat die Bundesregierung die Garantiezinsabsenkung zum 1. Januar 2017 auf 0,90 Prozent beschlossen.

Auswirkungen der Garantiezinssenkung auf Versicherungen

Durch die Absenkung des Garantiezinses reduzieren sich vor allem die garantierten Leistungen in der Altersvorsorge. Der Effekt tritt insbesondere bei Verträgen mit langen Laufzeiten auf. Auch der sogenannte garantierte Rentenfaktor für fondsgebundene Policen, sinkt. Im Bereich der Risikoabsicherung hat die Zinssenkung zur Folge, dass die Beiträge steigen werden.

Produkt Auswirkung Folge für Beitrag/Rente 
Klassische Rentenversicherung Garantierte Rente sinkt bis zu 28% geringere Garantie-Rente 
Fondsgeb. Rentenversicherung Garantierter Rentenfaktor sinkt bis zu 14% geringerer Rentenfaktor 
Berufsunfähigkeitsversicherung Garantierter Beitrag (Bruttobeitrag) steigt Beitragserhöhung bis zu 10% 
Risikolebensversicherung Garantierter Beitrag (Bruttobeitrag) steigt Beitragserhöhung bis zu 5% 
Sterbegeldversicherung Beitrag steigt Beitragserhöhung bis zu 15% 

Beispielrechnungen zur Absenkung vom Höchstrechnungszins

Beispiel 1:

Alte Leipziger Klassische Rentenversicherung mit Garantiezins, Tarif RV25, 100 EUR Monatsbeitrag bis zum 67. Lebensjahr

Geburtsjahr Garantierente bei Abschluss 2014 Garantierente bei Abschluss 2015* Vorteil 2014 
1994 225,70 EUR ca. 176 EUR ca. 28% 
1984 169,77 EUR ca. 135 EUR ca. 25% 
1974 118,62 EUR ca. 96 EUR ca. 23% 

Beispiel 2:

Swiss Life Pflegerentenversicherung, monatliche Pflegerente 1.500 EUR in Pflegestufe III, Beitragszahlung bis 85. Lebensjahr

Beitrag in 2014 Beitrag in 2015* Vorteil in 2014 
80,78 EUR/Monat 100,96 EUR/Monat 9.686,40 EUR 
23.281,30 EUR Einmalbeitrag 29.101,63 EUR Einmalbeitrag 5.820,33 EUR 

* Die Werte der Tarifgeneration 2015 beruhen auf dem aktuellen Stand der Tarifentwicklung und können zurzeit noch nicht endgültig garantiert werden. Der Effekt resultiert aus der Rechnungszinssenkung und dem höheren Eintrittsalter. Ihr Eintrittsalter erhöht sich bei Abschluss in 2015 um ein Jahr. Das Jahr des Rentenbeginns bleibt identisch. Die Ansparphase verkürzt sich dadurch um ein Jahr.

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Trotz Zinssenkung bleibt Verzinsung von Rentenversicherungen attraktiv

Der Höchstrechnungszins bei Lebens- und Rentenversicherungen ist der gesetzlich geregelte Wert, mit dem der Sparanteil des Beitrags bis zum Vertragende garantiert verzinst wird. Hinzu kommt die Beteiligung an den Erträgen des Anbieters. Diese sogenannte Überschussbeteiligung wird jedes Jahr neu ermittelt. In Summe bieten klassische Rentenversicherungen im Vergleich zu anderen Anlageformen trotz der extremen Niedrigzinsphase eine attraktive Gesamtverzinsung.

Vergleich klassischer Versicherungstarife mit Alternativanlagen:

  • Festgeld für 10 Jahre: 2,25%
  • Festgeld für 5 Jahre: 1,38%
  • Tagesgeld: 0,60%
  • Sparbuch: 0,14%
  • Klassische Rentenversicherung: 4,10%*

* durchschnittliche Gesamtverzinsung in der Lebensversicherung 2014

Definition: Was ist der Garantiezins?

Der Garantiezins wird in allen drei Schichten der Altersvorsorge gezahlt. Dies bedeutet, dass unabhängig von der Wahl der Schicht stets der gesetzlich garantierte Betrag dem Kunden mindestens gutgeschrieben wird. Eine Ausnahme stellen fondsgebundene Versicherungen dar, bei denen im Extremfall sogar keine Garantie greift. Folgende Produkte sind mit der garantierten Verzinsung ausgestattet:

Der Mindestzins wird auf den sogenannten Sparanteil bei Lebensversicherungen und Rentenversicherungen gezahlt. Der Sparanteil ergibt sich aus dem monatlichen Beitrag abzüglich der Kosten für die versicherten Risiken sowie Verwaltung und Vertrieb. Der Zinssatz wird bei Vertragsabschluss festgelegt und gilt für die gesamte Laufzeit des Vertrages. Jedes Versicherungsunternehmen kann theoretisch einen anderen Garantiezins festlegen. Aus Wettbewerbsgründen halten sich jedoch sämtliche Branchenvertreter an den Satz, der von der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) empfohlen wird.

Zusätzlich zur Garantie erhält der Kunde eine laufende Überschussbeteiligung, die jährlich neu festgelegt wird. Damit partizipiert der Sparer an den Überschüssen, die der Versicherer am Kapitalmarkt erwirtschaftet. Zum Laufzeitende profitiert der Vertragstreue Kunde noch durch die sogenannten Schlussüberschussanteile. Seit 2008 müssen die Lebensversicherer die Kunden zudem an den Bewertungsreserven beteiligen.

Garantiezinssenkung folgt der Umlaufrendite

Die Garantie für private Lebens- und Rentenversicherungen folget gesetzlichen Vorgaben. Jedes Versicherungsunternehmen darf maximal den gesetzlichen vorgeschriebenen Höchstrechnungszins für die Laufzeit garantieren. Dieser wiederum orientiert sich am Niveau der Umlaufrendite von Bundesanleihen. Seit Anfang der 1990er Jahre sinkt die Umlaufrendite kontinuierlich. Infolgedessen hat es seitdem eine deutliche Garantiezinsabsenkung gegeben.

Lag der Zins zwischen 1986 und Juli 1994 noch bei 4 Prozent, so werden seit 2007 maximal 2,25 Prozent pro Jahr gutgeschrieben. Die Senkung zum 1. Januar 2015 auf 1,25 Prozent muss vorgenommen werden, weil der Garantiezins höher ist als 60 Prozent des 10-Jahres-Durchschnitts der Umlaufrendite bei deutschen Bundesanleihen. Für Verträge zur privaten Altersvorsorge bedeutet dies:

  • Garantierte Rente sinkt um bis zu 16 Prozent,
  • Garantierte Auszahlungen sinken um bis zu 15 Prozent,
  • BU-Versicherungen verteuern sich um bis zu 8 Prozent.

Wer sich die Vorteile einer höheren Garantieauszahlung bei der privaten Vorsorge sichern möchte, muss bis Ende des Jahres einen Vertrag abgeschlossen haben.

Probleme beim Garantiezins?

Die Senkung des Garantiezinssatzes auf 1,25 Prozent zum 1. Januar 2015 war von Versicherungsexperten allgemein erwartet worden. Angesichts der langjährigen Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten haben einige Versicherer bereits Probleme, die Garantiezinsen für Altverträge zu erwirtschaften. Denn die Absenkung der Mindestverzinsung gilt nur für neu abgeschlossene Verträge. Da bei Altverträgen ein vertraglicher Mindestzins von 4,0% gilt, kommen einige Gesellschaften in die Bredouille.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) stellt allerdings klar, dass die Garantiezinsen auch für Altverträge erwirtschaftet würden. Zwar würde das aktuelle Marktumfeld wenig Spielraum für hohe Renditen bieten. Doch seien die Lebensversicherer in der Lage, auch bei langjährigen Niedrigzinsphasen die Garantieverpflichtungen zu erfüllen. Keine Geldanlage biete derzeit eine so hohe Garantie ohne Risiko. Dies gilt nach Ansicht des GDV auch nach der Absenkung vom Garantiezins.

Folgen der Garantiezinssenkung

Beim Garantiezins handelt es sich um den Mindestzins, mit dem der Sparanteil bei einer privaten Lebens- oder Rentenversicherung für die gesamte Laufzeit mindestens verzinst wird. Die Garantie gilt unabhängig von Schwankungen an den Aktien- und Kapitalmärkten. Durch die Garantiezinssenkung erhalten Sparer für Neuverträge ab 2015 eine verringerte Garantie für monatliche Renten- oder einmalige Kapitalauszahlungen.

Anders herum ausgedrückt: Wer dieselbe Garantierente absichern möchte, muss einen höheren Betrag in die Altersvorsorge einzahlen. Durch den Zinseszinseffekt wirkt sich die Zinsabsenkung vor allem bei Vorsorgeverträgen mit langen Laufzeiten aus. Im Extremfall verringern sich die Garantiewerte um bis zu 16 Prozent.

Die Garantiezinssenkung wirkt sich übrigens auf sämtliche Verträge in der Sparte Lebensversicherung aus. Dadurch verteuern sich ab Januar 2015 auch Berufsunfähigkeitsversicherungen. Für Neuverträge müssen Kunden im Schnitt bis zu 8 Prozent mehr zahlen. Wer sich durch einen Abschluss in 2014 noch den Mindestzins von 1,75 Prozent sichert, genießt also für die gesamte Vertragslaufzeit günstigere Konditionen bei der BU-Absicherung.

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Häufige Fragen (FAQ)

Gibt es Alternativen zu Garantieprodukten?

Der Trend in der Lebensversicherung geht schon seit Jahren weg von starren hin zu flexiblen Garantien. Grundsätzlich fallen bei neu aufgelegten Produkten von Allianz, Axa, Ergo und Co. die garantierten Verzinsungen geringer aus bzw. sogar ganz weg. Gleichzeitig erhält der Kunde aber die Chance eine deutlich höhere Rendite zu erhalten. Der Versicherer hat eine größere Flexibilität bei der Anlage der Kundengelder, je geringer die Garantie ausfällt. Durch optionale Sicherheitsbausteine (z.B. Ablaufsicherung, Höchststandssicherung) ist das angesparte Kapital gegen Verluste zum Laufzeitende geschützt.

Gilt der Garantiezins auch für Riester-Verträge?

Der gesetzlich vorgeschriebene Garantiezins gilt für alle Lebensversicherungen, also neben privaten und betrieblichen Vorsorgeverträgen auch für Riester-Renten. Zwar ist bei Riester-Produkten der Erhalt der eingezahlten Beiträge und Zulagen gesetzlich verankert. Doch bei Riester-Rentenversicherungen gibt es durch den Garantiezins sogar noch eine höhere Mindestleistung zum Vertragsablauf.

Lohnt sich der Abschluss vor der Garantiezinssenkung?

Grundsätzlich ist davon abzuraten, auf die Schnelle einen Vorsorgevertrag abzuschließen, der eine Laufzeit über mehrere Jahrzehnte hat. Nur wer sich sicher ist, einen Vorsorgevertrag auch wirklich durchzuhalten, sollte zwischen einem Abschluss in diesem und im nächsten Jahr sorgfältig abwägen. Keine Frage: Zusammen mit den Überschüssen bieten Lebensversicherungen mit knapp 4 Prozent im derzeitigen Umfeld eine attraktive Rendite an. Allerdings sollten Anleger vor dem Abschluss auf die Finanzkraft des Anbieters achten. Nur solide Unternehmen können die Verzinsung in den nächsten Jahrzehnten auf einem hohen Niveau halten.