Intelligentes Stromnetz

Energie schlau verbrauchen

Eine Frage der Intelligenz: Die Stromnetze von Morgen müssen viel mehr leisten, als das bisher der Fall ist. Denn: Erneuerbare Energie steht nicht konstant zur Verfügung, zum Beispiel weht der Wind nicht immer. Die Strom-Nachfrage hat sich diesen Schwankungen anzupassen. Wie das geht, zeigen Modell-Versuche,  ein Intelligentes Stromnetz (smart grid) aufzubauen.

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Bausteine für intelligente Stromnetze

Der erste Baustein für ein Intelligentes Stromnetz sind Intelligente Zähler (smart meter), die seit diesem Jahr Pflicht für Neubauten sind. Sie sollen „den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln“ (§ 21b Abs. 3, Energiewirtschaftsgesetz). Das gilt auch für größere Renovierungen. Aber eine allgemeine Pflicht zum Einbau gibt es nicht, der alte Ferrariszähler stirbt so schnell nicht aus. Dabei handelt es sich um schwarze Drehscheibenzähler, die einmal im Jahr für die Stromrechnung abgelesen werden. Das reicht aber nicht, um ein Intelligentes Stromnetz zu betreiben.

Dieses Netz der Zukunft braucht Intelligente Zähler: Sie erfassen den Stromverbrauch digital und senden diese Daten an den Stromversorger – entweder über Internet, ein Mobilfunknetz oder „Powerline“, eine Online-Verbindung über Stromkabel. Das bezeichnen Fachleute als „automatische Fernablesung“, da die Daten alle 15 Minuten auf den neuesten Stand gebracht werden. Diese Daten nutzen die Stromversorger, um ihre Rechnungen zu schreiben, und die Kunden können sich zeitnah über ihren Stromverbrauch informieren. Dazu gehen sie auf die Internetseite ihres Stromlieferanten, wo sie alle Informationen in einem gesicherten Kundenbereich nachlesen können. So kommen Kunden Stromfressern auf die Spur; eine monatliche Abrechnung verhindert überhöhte Abschläge oder kostspielige Nachzahlungen. Alles Vorteile in einem Intelligenten Stromnetz.

Datenschutz bei intelligentem Strom

Ist damit alles in Butter? Datenschützer üben Kritik am Intelligenten Stromnetz: Sie befürchten einen „gläsernen Kunden“. Denn die Lastkurven des Stromverbrauchs geben Auskunft über die Lebensgewohnheiten eines Menschen - etwa welche Elektrogeräte er besitzt, oder wann er aus dem Haus geht und abends das Licht ausmacht. Strikter Datenschutz ist daher eine wichtige Grundlage für das Intelligente Stromnetz.

Diese Technologie bietet noch mehr Möglichkeiten: Intelligente Zähler lassen sich mit speziellen Steuerungen kombinieren, wie sie gerade die MVV Energie AG im Projekt „Modellstadt Mannheim“ erprobt. Dort wird das Intelligente Stromnetz der Zukunft bereits Wirklichkeit: 200 Haushalte sind beteiligt und nutzen den „Energiebutler“ - eine intelligente Steuerung, die das Energie-Management im Haus übernimmt. Entscheidend ist dabei ein variabler Tarif: Wird wenig Strom nachgefragt, ist der Preis pro Kilowattstunde niedrig. In Zeiten hoher Nachfrage steigt er entsprechend. Das liegt am Geschehen an den Strombörsen: Stößt eine geringe Nachfrage auf ein großes Angebot, kann der Preis auf Null sinken. Tritt die gegenteilige Situation ein, schnellt der Preis bis auf 2 Euro pro Kilowattstunde hoch.

Neue Tarifstruktur

Dieses Marktgeschehen schlägt sich in der neuen Tarifstruktur nieder, die Anreize für den Verbraucher setzen soll. Er muss darüber nicht selbst nachdenken, weil der „Energiebutler“ alles regelt: Diese Steuerungseinheit bekommt über das Internet die Tarifstruktur des nächsten Tages mitgeteilt – und plant darauf automatisch den Einsatz der Großverbraucher im Haushalt: Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler sowie Kühl- und Gefriergeräte. Sie springen an, wenn der Strom am günstigsten ist. Die Folge für das Intelligente Stromnetz: Der Verbrauch wird gleichmäßiger, die Spitzenlast geht im Netz zurück. So machen Intelligente Zähler in Kombination mit dem „Energiebutler“ ein besseres Netz-Management möglich – eine Voraussetzung, um Erneuerbare Energie erfolgreich zu nutzen. Je gleichmäßiger die Nachfrage ist, desto leichter lässt sich Energie aus Wind, Sonne oder Biogas ins Stromnetz einspeisen.

10 bis 15 Prozent des Stromverbrauchs lassen sich auf diese Weise verschieben, so die Erfahrung der MVV Energie AG. Diese „Lastverschiebung“ im Intelligenten Stromnetz  ist günstig für die Kunden – und verstetigt die Stromnachfrage. „Schwarmintelligenz“ lautet das Stichwort. Die Vision: Wenn Millionen Haushalte internetgesteuert ihren Stromverbrauch konstanter gestalten, würde das Netz an Stabilität gewinnen. Und dem Ausbau der Erneuerbaren Energie würden weniger Hindernisse im Weg stehen. Ein Intelligentes Stromnetz macht es möglich.

Ein Beitrag von Ingo Leipner

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