GLS Bank

Alternative Banken in Deutschland

Die Finanzkrise zeigt: Die Gier nach maximaler Rendite, undurchsichtige Geschäfte und ethisch fragwürdige Projekte haben die Welt der Banken an den Abgrund gebracht. Doch es geht deutlich anders – das beweisen kleine Banken, die sich Nachhaltigkeit und Ethik auf die Fahnen schreiben. Wie das Geschäft dieser Banken aussieht, beschreibt unsere neue Serie, Teil 1: GLS Bank in Bochum.

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Portrait und Anlagen der GLS Bank

Die GLS Bank ist die älteste Bank in Deutschland, die ausschließlich in ökologische und soziale Projekte investiert, gegründet wurde sie 1974. Heute bedeutet diese Ausrichtung: Es fließt kein Geld in fragwürdige Branchen, zum Beispiel grüne Gentechnik, Atomenergie, Embryonenforschung oder Pornographie.

Kredite gibt es ebenfalls nicht für Rüstungsunternehmen und Tabakproduzenten oder die chlororganische Massenproduktion. Stattdessen nutzt die GLS Bank das Geld ihrer Anleger, um die Biobranche, Wohnprojekte, Regenerative Energien, Freie Schulen oder die ökologische Landwirtschaft zu unterstützen.

Und das mit wachsendem Erfolg: Die Bilanzsumme per Ende 2012 liegt bei 2,26 Milliarden Euro - ein Plus von 22,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Kundeneinlagen legten um 22,9 Prozent zu (1,97 Milliarden Euro). 407 Mitarbeiter beschäftigt das Institut deutschlandweit. Allein im vergangenen Jahr wurden 84 neue Arbeitsplätze geschaffen.  Mittlerweile deckt sie fast alle Bereiche des klassischen Bankgeschäftes ab: Girokonten, Online-Banking, Altersvorsorge, Investmentfonds, Finanzierungen oder Vermögensmanagement. Seit zwei Jahren werden zudem sogenannte "Mikrokredite" vergeben, um Klein- und Kleinstunternehmen zu finanzieren.

Instrumente und Unterschied zu konventionellen Banken

Für Ihre Geschäfte hat die GLS Bank spezielle Instrumente entwickelt, die zu ihrem großen Erfolg beigetragen haben:

  • Leih- und Schenkgemeinschaften: Spenden und Beiträge der Mitglieder finanzieren in der Regel gemeinnützige Vereine oder Projekte. Das sind meistens kleine Geldsummen – was ist aber, wenn ein großes Bauvorhaben zu stemmen ist? Dann greift ein bestimmtes Instrument der GLS Bank, die „Leih- und Schenkgemeinschaft“: Die Mitglieder einer solchen Gemeinschaft sind bereit, zum Beispiel über einen Zeitraum von fünf Jahren monatlich 50 Euro zu spenden (insgesamt 3.000 Euro). Über diese Summe beantragen sie pro Person einen Kleinkredit bei der GLS Bank. So kommen bei 15 Menschen auf einen Schlag 45.000 Euro zusammen, die gebündelt  dem Bauprojekt am Anfang zur Verfügung stehen. Jedes Mitglied der „Leih- und Schenkgemeinschaft“ tilgt anschließend seinen Kleinkredit (monatlich 50 Euro) - und haftet gesamtschuldnerisch für die anderen Kredite, wobei sich die Haftung auf die Höhe des eigenen Kreditbetrages beschränkt.
  • Kostendeckungsumlage: Beim Tagesgeldkonto, Sparkonto und Sparbrief können Anleger bis zu einer Höchstgrenze selbst entscheiden, wie viele Zinsen sie von der GLS Bank bekommen wollen. Geben sie sich mit weniger zufrieden, fördert die GLS Bank mit diesem Geld gemeinnützige Projekte. Solche Initiativen müssen für einen Kredit nur eine Kostendeckungsumlage bezahlen, die in den letzten Jahren zwischen 2,5 und 4,5 Prozent betrug. Darin sind enthalten: Refinanzierungskosten, Personal- und Sachaufwendungen, Wertberichtigungen und eine Rücklage. Eine „Leih- und Schenkgemeinschaft“ muss generell keine Zinsen bezahlen, es wird immer eine Kostendeckungsumlage erhoben.

Ein weiterer Unterschied  zu konventionellen Banken liegt im Prinzip der Transparenz. Das bedeutet: Wer ein Konto bei der GLS Bank eröffnet, kann festlegen, in welche Branche sein Geld bevorzugt als Kredit fließen soll. Und: Die GLS Bank dokumentiert klar und deutlich, welche Projekte Kredite erhalten haben. So lässt sich auf der homepage (www.gls.de) nachlesen, dass der „Biomarkt Chiemgau“ 220.000 Euro erhalten hat, um den Laden neu einzurichten. Auf diese Weise weiß der Kunde, wo sein Geld sinnvoll arbeitet – und über 6.500 zukunftsfähige Initiativen finanziert die GLS Bank im Moment.

Ein Beitrag von Ingo Leipner

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