Gesundheitsfonds 2010 und 2011
Informationen und Fakten
Seit 1. Januar 2009 gilt für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) der Gesundheitsfonds. Jede Kasse verlangt seitdem einen einheitlichen Beitragssatz. In den Gesundheitsfonds fließen die Gelder der Versicherten, der Arbeitgeber und Steuermittel. Der Gesundheitsfonds hat seit Juli 2009 einen Einheitssatz von 14,9 Prozent. Für 2010 rechnet der Schätzerkreis mit einem Defizit von 7,5 Milliarden Euro.
Mit dem Gesundheitsfonds wurde das Kernstück der Gesundheitsreform der großen Koalition zum 1. Januar 2009 umgesetzt. Durch den Gesundheitsfonds soll das Geld der Beitragszahler an die gesetzlichen Krankenkassen neu verteilt werden. Die Verwaltung des Gesundheitsfonds ist beim Bundesversicherungsamt (BVA) in Bonn angesiedelt.
Mit Einführung des Gesundheitsfonds gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung ein einheitlicher Beitragssatz für alles Kassen. Künftig wird die Höhe des Beitragssatzes nicht mehr von den Kassen selbst, sondern vom Gesetzgeber, dem Bundesgesundheitsministerium, festgelegt. Zum Start des Gesundheitsfonds am 1. Januar 2009 betrug der einheitliche Beitragssatz 15,5 Prozent für alle gesetzlichen Kassen. Seit 1. Juli 2009 liegt der Satz bei 14,9 Prozent. Von diesem Satz teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber 14,0 Prozent, 0,9 Prozent zahlen die Versicherten aus der eigenen Tasche.
Der Gesundheitsfonds ist ein Kompromissvorschlag des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen (BMF) zu den unterschiedlichen Konzepten der Union (Gesundheitsprämie) und der SPD (Bürgerversicherung). Nach den Meldungen über drohende drastische Beitragssatzerhöhungen in der jüngsten Vergangenheit haben die Kritiker des Gesundheitsfonds einen radikalen Wechsel in der Gesundheitspolitik gefordert.
Ziele des Gesundheitsfonds
Übergeordnet hat der Gesundheitsfonds drei große Ziele:
- Transparenz: Kassen, die mit den Geldern aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, müssen Zusatzbeiträge verlangen. Wer Überschüsse erzielt, kann an seine Mitglieder Prämien ausschütten.
- Gerechtigkeit: Durch das neue Konzept werden Steuer- und Beitragsgelder zentral an die Krankenkassen weitergeleitet. So erhalten Krankenkassen mit vielen gesunden Menschen weniger Geld, als Kassen mit vielen kranken Menschen.
- Wettbewerbsorientierung: Dadurch, dass alle Krankenkassen denselben Beitragssatz verlangen, soll der Versicherte die Leistungen und den Service der Krankenkassen vergeleichen können.
Aufbau des Gesundheitsfonds
Im Gesundheitsfonds werden die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie Steuermittel zentral gebündelt und an die Krankenkassen weitergeleitet. Jede Krankenkasse erhält pro Versicherten eine pauschale Zuweisung aus dem Fonds. Zu- bzw. Abschläge werden je nach Alter, Geschlecht und Krankheit der in einer Kasse Versicherten gezahlt. Dadurch soll die unterschiedliche Risikostruktur der Krankenkassen berücksichtigt werden.
Kostenintensive chronische Erkrankungen werden besonders berücksichtigt. Dazu soll ebenfalls zum 1. Januar 2009 ein sogenannter morbiditäts-orientierter Risikostrukturausgleich eingeführt werden. Dazu werden für 50 bis 80 chronische Krankheiten Morbiditätszuschläge ermittelt, bei denen die durchschnittlichen Leistungsausgaben je Versicherten die GKV-weiten durchschnittlichen Leistungsausgaben je Versicherten um mindestens 50 Prozent übersteigen. Dadurch soll jede Kasse annähernd die Finanzmittel erhalten, die sie zur Versorgung ihrer Versicherten benötigt.
Krankenkassen, denen die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht ausreichen, können von ihren Versicherten einen Zusatzbeitrag verlangen. Bis zu acht Euro im Monat wird der Zusatzbeitrag ohne Einkommensprüfung erhoben, bei höheren Zusatzbeiträgen ist die maximale Zuzahlung auf ein Prozent des Einkommens des Versicherten begrenzt.
Der Beitragseinzug wird bis Ende 2010 in der bisherigen Form erhalten bleiben. Ab dem 1. Januar 2012 erhalten Arbeitgeber zusätzlich die Möglichkeit, ihre Beiträge, Beitragsnachweise und Meldungen gebündelt an eine Weiterleitungsstelle zu entrichten, die dann die Beiträge an die Sozialversicherungsträger weiterleitet.
Weitere Informationen zum Gesundheitsfonds:
- Ziele des Gesundheitsfonds
- Kritik und Probleme des Gesundheitsfonds
- Fragen und Antworten (FAQs) zum Gesundheitsfonds
- Krankenkassen
- Kopfpauschale