Zahl der Kunstfehler stieg an

20.06.12
Ärzte im OP-Saal

Die Zahl der ärztlichen Kunstfehler stieg im vergangenen Jahr an. Im Jahr 2010 gelangten Gutachter zu dem Ergebnis, dass in 2.199 Fällen Pfusch stattfand und ein Jahr später kletterte die Zahl bereits auf 2.287. Insgesamt beschwerten sich im abgelaufenen Jahr 11.107 Patienten.

Der medizinische Standard ist in Deutschland sehr hoch. Trotzdem unterlaufen den Ärzten Fehler, die mitunter tödlich enden. Belief sich die Zahl der ärztlichen Kunstfehler im Jahr 2010 noch auf 2.199, so kletterte sie im abgelaufenen Jahr auf 2.287. Insgesamt beschwerten sich im vergangenen Jahr 11.107 Patienten, 7.452 Klagen gelangten zur Bearbeitung.

Operationsfehler, Hygienemangel, vergessenes OP-Besteck im Körper – die Liste der ärztlichen Kunstfehler ließe sich beliebig weiterführen. Oftmals stellen die Mediziner Falschdiagnosen oder klären ihre Patienten unzureichend auf. Viele Fehler lassen sich auf Übermüdung der Mediziner, schlechte Kommunikation zwischen Ärzteschaft und Pflegern, aber auch Medikamentenunverträglichkeiten zurückführen. Von den 2.287 Fehlern verliefen 99 tödlich. 

Das Bundesgesundheitsministerium sieht derzeit noch keinen Anlass, Maßnahmen zu ergreifen. Experten sprechen jedoch von geschönten Zahlen und vermuten, dass die Dunkelziffer weit höher liege. Von 40.000 Kunstfehlern ist die Rede und von 17.000 daraus resultierenden Todesfällen. Die hohe Dunkelziffer steht in engem Zusammenhang damit, dass nur wenige Geschädigte den Mut zur Beschwerde aufbringen. 

Der Weg von einer Beschwerde bis hin zur angemessenen Rechtsprechung weist etliche Hürden auf, so dass viele Patienten aufgeben. Doch im kommenden Jahr soll sich das Beschwerdeverfahren für Betroffene dahingehend vereinfachen, dass die Kranken ihre Rechte kennen und einfacher gegen etwaige Kunstfehler vorgehen können, indem die Beweislast umgekehrt wird. Zudem unterliegen die Kranken- und Pflegekassen bis dahin der Pflicht, Betroffene bei Schadenersatzansprüchen angemessen Unterstützung zu bieten, das schließt auch die Finanzierung von Gutachten ein.

Die Landesärztekammer befürchtet jedoch erhebliche Probleme, sollte die Beweislast demnächst bei den Ärzten liegen. Sie verwies darauf, dass in Deutschland jährlich etliche Millionen Operationen, Therapien und Behandlungen stattfinden und die Zahl der wirklichen Fehler im Vergleich dazu eher gering sei. Wer sich als Patient im Nachteil befindet, kann Hilfe bei Patientenberatungsstellen, Schlichtungsstellen sowie Gutachterkommissionen der Ärzteschaft suchen. Der Gang zum Anwalt ist laut Experten nicht empfehlenswert, da sich Anwälte häufig schwer tun, die komplizierten Angelegenheiten zu durchblicken. 

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