Geschlossene Fonds

Investition mit hohem Risiko

Eine Milchfarm in Neuseeland, ein neues Flugzeug von Boeing, eine Windkraftanlage – so unterschiedlich sehen die Investitionsobjekte aus, in die geschlossene Fonds ihr Geld stecken. Geschlossene Fonds? Das ist eine  spezielle Variante der Geldanlage. Geschlossene Fonds sammeln Mittel ein, um sehr langfristig zu investieren. Beteiligen Sie sich an einem geschlossenen Fonds, werden Sie selbst zum Unternehmer.

Wenn Sie sich für einen geschlossenen Fonds entscheiden, tragen Sie ein unternehmerisches Risiko: Die meisten geschlossenen Fonds sind in der Rechtsform einer Personengesellschaft organisiert, der Kommanditgesellschaft (KG). Mit Ihrer Beteiligung werden Sie ein Kommanditist, der in Höhe seiner Einlage haftet. Mitspracherechte ergeben sich nur in der Gesellschafterversammlung, die Geschäftsführung liegt in der Hand des Komplementärs. Das kann eine GmbH sein, weshalb geschlossene Fonds oft als GmbH & Co KG firmieren. Wenn aber die Rechtsform einer „Gesellschaft des bürgerlichen Rechts“ (GbR) gewählt wurde, müssen Sie als Vollhafter mit Ihrem gesamten Vermögen die Haftung übernehmen.

Diese Haftungsregeln sind besonders heikel, wenn der Gesellschaftsvertrag eine Nachschusspflicht vorsieht: Bleibt der wirtschaftliche Erfolg des geschlossenen Fonds aus, kann das in einer GbR-Gesellschaft richtig teuer werden. Ob KG oder GbR – Ihr unternehmerisches Risiko ist immer hoch, ein Totalverlust des angelegten Geldes möglich. Denn einen Einlagensicherungsfonds wie bei Banken gibt es nicht.

Dafür beteiligt Sie der geschlossene Fonds jährlich an den erwirtschafteten Überschüssen, hohe Renditen sind möglich. In der Vergangenheit ging es auch um hohe Verlustzuweisungen, um die Steuerlast zu senken. Da hat der Gesetzgeber korrigierend eingegriffen – heute steht die Rendite im Vordergrund, wobei auch Steuer sparende Fonds-Modelle konstruiert werden.

Woher kommt der Begriff "geschlossener Fonds"?

Sie leitet sich davon ab, wie die Mittel für einen geschlossenen Fonds aufgebracht werden: Der Initiator eines „geschlossenen Fonds“ legt einen so genannten „Platzierungszeitraum“ fest, in dem Interessenten Kommanditanteile erwerben können. Ziel ist eine bestimmte Eigenkapitalquote, das Investitionsvolumen ist genau definiert. Ist es erreicht, wird der Fonds geschlossen – daher sein Name. Denn ab diesem Zeitpunkt kommen keine weiteren Unternehmensanteile auf den Markt, was den Unterschied zu einem offenen Fonds ausmacht.

Mit dem Eigenkapital bezahlt der Initiator des geschlossenen Fonds zunächst die „weichen Kosten“: Steuerberatung, Verkaufsprovisionen oder Prospekterstellung. Diese Kosten liegen zwischen 5 und 25 Prozent. Das übrige Eigenkapital fließt in das Investitionsobjekt, wobei eine Finanzierung mit Fremdkapital zwischen 30 und 70 Prozent üblich ist. Finanziert werden Containerschiffe oder Tanker, gewerbliche Immobilien sowie Sonne-, Wind- Geothermie- oder Biomassekraftwerke. Geschlossene Fonds investieren aber auch in Kapitallebensversicherungen, genauso wie in den „Private Equity“-Bereich (Beteiligung an Unternehmen). Flugzeuge und Eisenbahnen sind ebenfalls Investitionsobjekte.

Dabei gilt die Regel: Geschlossene Fonds stecken ihr Geld nur in ein einziges Anlagegut, bzw. suchen einige wenige Projekte als Investitionsobjekte aus. Das führt zu einer hohen Transparenz bei der Geldanlage. Die Kommanditanteile haben einen Wert zwischen 5.000 und 25.000 Euro, der Ausgabesaufschlag (Agio) kann bis zu 5 Prozent betragen.
Wichtig: Sie binden sich  langfristig, wenn Sie sich an einem geschlossenen Fonds beteiligen, und zwar entsprechend der wirtschaftlichen Nutzungsdauer des Investitionsobjektes. Das können über 20 Jahre sein. Einen Handel an der Börse gibt es nicht – einen Käufer Ihres Anteils müssen Sie selbst finden. Auch dann kann ein Verkauf schwierig sein, weil der Gesellschaftsvertrag dem Initiator ein Mitbestimmungsrecht einräumen kann.

Was gibt es bei geschlossenen Fonds zu beachten?

Gerade die Initiatoren eines geschlossenen Fonds sollten Sie sich gut anschauen. Wie sehen ihre Leistungen in der Vergangenheit aus? Haben sie einen solchen Fonds schon in den Sand gesetzt? Diese Fragen sind wichtig, weil der Staat keine Qualifikation für die Manager vorschreibt. Vorsicht vor Schwarzen Schafen! Überhaupt unterliegen geschlossene Fonds nur einer geringen staatlichen Regulierung – Schwächen der Konzeption werden erst während der Laufzeit deutlich.

Außerdem sollten Sie bei einem geschlossenen Fonds prüfen: Wie lang ist die Laufzeit? Ist das Investitionsobjekt klar definiert? Welche „Weichkosten“ entstehen? Wie hoch ist der Ausgabeaufschlag? Welche Rechtsform hat der geschlossene Fonds? Wie hoch ist die Fremdkapitalquote? Gibt es seriöse Mietausfall-, Platzierungs-, oder Zinsgarantien? Und immer wichtig: Ist es möglich, Anteile frühzeitig zu verkaufen? Klären Sie diese Fragen mit einem unabhängigen Finanzberater, bevor Sie einen Tanker in See stechen lassen.

Ein Beitrag von Ingo Leipner

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